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wikipedia.de: Keine Weiterleitungssperre mehr wegen "Tron"-Artikeln [Update]

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Der Wikimedia Deutschland e.V. darf ab sofort wieder von der Domain wikipedia.de zur freien Internet-Enzyklopädie de.wikipedia.org weiterleiten. Einem entsprechenden Antrag auf Vollstreckungsschutz des deutschen Wikipedia-Vereins hat das Amtsgericht Charlottenburg am heutigen Freitagmorgen stattgegeben, wie Wikimedia-Anwalt Thorsten Feldmann mitteilte.

Zuvor hatte Feldmann die von den Eltern des 1998 verstorbenen Hackers "Tron" erwirkte einstweilige Verfügung als "unverhältnismäßig" bezeichnet, nach der von wikipedia.de nicht auf die freie Internet-Enzyklopädie de.wikipedia.org weitergeleitet werden darf, solange der Klarname des Hackers genannt wird. Die Eltern des Hackers hatten bereits bei dem Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen die Wikimedia Foundation in den USA erwirkt, aus der hervorgeht, dass der Klarname nicht genannt werden darf.

Das Amtsgericht stimmte der Ansicht des Anwalts zu der Verfügung gegen die Weiterleitung von wikipedia.de in seinem heutigen Beschluss zu. Die Interessen von Wikipedia an der Bereitstellung aller Beiträge wiegen dem zufolge im konkreten Fall vorläufig höher als die postmortalen Namensrechte der Antragsteller, insbesondere, weil es die Antragsteller nicht genannt haben, welche Beiträge genau Namensrechtsverletzungen enthalten.

Wikimedia Deutschland e.V. will die Weiterleitung noch am heutigen Freitag wieder einrichten. Der Beschluss zum Vollstreckungsschutz gilt bis zur Entscheidung über den Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung. Eine Verhandlung dazu soll in den nächsten 14 Tagen stattfinden.

[Update:]
Ralf Szymanski, Geschäftsführer der Zenodot-Verlagsgesellschaft, teilt dem Rechtsanwalt Friedrich Kurtz, der die Eltern des Hackers vertritt, in einem offenen Brief (PDF-Datei) mit, dass er die Verbreitung der DVD-ROM-Ausgabe der Wikipedia fortsetzen werde. Falls auch dagegen eine einstweilige Verfügung erwirkt werde, wolle sich Szymanski zur Wehr setzen. "Ich weise Sie darauf hin, dass in diesem Falle durch das Verbot der Verbreitung ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen wird und ich Sie, respektive Ihre Mandantschaft, in vollem Umfang dafür in Haftung nehmen werde". (hob)

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