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ODROID-H2: x86-Bastelcomputer mit 2×Gigabit-Ethernet und HDMI 2.0

Hardkernel ODROID-H2 mit Intel Celeron J4105

Hardkernel ODROID-H2 mit Intel Celeron J4105

(Bild: Hardkernel)

Der Hardkernel ODROID-H2 schöpft die Fähigkeiten eines Intel Celeron J4105 alias Gemini Lake weitgehend aus und braucht keinen Lüfter.

An Bastelcomputern wie Raspberry Pi & Co. herrscht kein Mangel, aber es gibt nur wenige bezahlbare Kleinstrechner mit ausreichend Rechenleistung für anspruchsvolle Netzwerkanwendungen wie schnelles VPN sowie mit mehreren Gigabit-Ethernet- und SATA-6G-Ports.

In diese Lücke will die koreanische Firma Hardkernel ab November mit dem ODROID-H2 stoßen: Herzstück der kompakten Platine ist der Intel Celeron J4105 aus der aktuellen "Atom-Celeron"-Generation Gemini Lake [1]. Er hat vier Kerne und einen Grafikprozessor vom Typ UHD Graphics 600, der je einen DisplayPort 1.2 und HDMI 2.0 ansteuert – also Ultra-HD (UHD/4K) mit 60 Hertz liefern kann, allerdings auf HDR verzichten muss.

Hardkernel macht die beiden SATA-6G-Ports des Celeron J4105 nutzbar und reizt alle sechs PCIe-2.0-Lanes aus: An zwei davon hängt je ein Gigabit-Ethernet-Chip (Realtek RTL8111G), die vier restlichen binden eine M.2-SSD-Fassung auf der Unterseite der Platine an. Dort erreicht eine NVMe-SSD dann zwar nicht ihre volle Geschwindigkeit, weil sie dazu PCIe 3.0 bräuchte, aber immerhin über 1,6 GByte/s.

Unterseite des ODROID-H2

Unterseite des ODROID-H2 mit zwei SO-DIMMs und einer NVMe-SSD.

(Bild: Hardkernel)

Ebenfalls auf der Unterseite des ODROID-H2 befinden sich zwei DDR4-SO-DIMM-Fassungen. Intel schreibt in die Spezifikation insgesamt maximal 8 GByte RAM, viele Gemini-Lake-Systeme können aber auch 16 GByte in Form von zwei 8-GByte-Modulen nutzen. Hardkernel verspricht sogar 32 GByte. Als Massenspeicher ist laut Hardkernel-Forum auch eMMC-Flash möglich [2].

Auch Sound (Realtek ALC662) inklusive SPDIF und USB 3.1 Gen 1 sind an Bord, WLAN aber nicht. Einen Preis verrät Hardkernel bisher nicht. Die Auslieferung soll im November beginnen.

Nur sehr wenige Einplatinenrechner mit ARM-SoCs haben mehr als einen Gigabit-Ethernet-Port, oft aus einem einfachen Grund: Die sparsamen und billigen SoCs haben keine oder nicht genügend PCIe-Lanes. Ein leistungsfähiger PCIe-Controller schluckt bei hohen Transferraten durchaus Strom und ist in Smartphones überflüssig. Umgekehrt geht die meistens höhere Thermal Design Power (TDP) von x86-SoCs unter anderem auch auf schnelle Schnittstellen wie USB 3.0 Gen 1/Gen 2, SATA 6G und eben PCIe zurück – von nichts kommt nichts.

Zotac (ZBox CI327 nano [3]), Compulab (Fitlet2 [4]) und Shuttle haben Mini-PCs mit je zwei Gigabit-Ethernet-Ports im Angebot, die Preise beginnen bei etwa 140 Euro. Dafür bekommt man anders als bei Bastelplatinen auch ein Gehäuse und ein Netzteil mit dazu, oft auch einen WLAN-Adapter. RAM und SSD kommen stets noch obendrauf, für ein betriebsbereites System sind 200 Euro schnell erreicht.

Die ZBox CI329 nano mit Celeron N4100 liefert Zotac hierzulande noch nicht. Ihr Gemini-Lake-Celeron ist nominell etwas sparsamer als der Celeron J4105, in der Praxis sind die Unterschiede aber gering und hängen auch von der Auslegung des Boards (Spannungswandler, BIOS) ab.

Ganz ähnlich wie der ODROID-H2 ist das Minnowboard Turbot Dual-Ethernet [5] aufgebaut, aber es kostet schon mit dem älteren (aber sparsameren) Doppelkern Atom E3826 175 US-Dollar, hat allerdings dann auch schon 2 GByte RAM. Das Minnowboard Turbot Dual-Ethernet Quad-Core mit Atom E3845 liegt bei 199 US-Dollar. Beide haben Intel-Netzwerkchips (I210). Die Atoms E3800 entstammen der vor fünf Jahren eingeführten Generation Bay Trail [6]. Mit HDMI 2.0 können sie etwa nicht dienen

Eine Besonderheit ist das UEFI-BIOS der Boards, das aus dem Open-Source-Projekt TianoCore EDK II [7] abgeleitet ist. Es wird auch an einer Coreboot-Version für Minnowboards gearbeitet, freilich mit Intels Binär-Blob Firmware Support Package (FSP) inklusive ME. (ciw [8])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4197181

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/ct/artikel/Intel-Celeron-J4105-Gemini-Lake-legt-eine-Schippe-drauf-3962770.html
[2] https://forum.odroid.com/viewtopic.php?f=29&t=32536
[3] https://www.heise.de/ct/ausgabe/2017-13-Bezahlbare-leise-Mini-PCs-mit-HEVC-Decoder-und-HDMI-2-0-3731589.html
[4] https://www.heise.de/ct/ausgabe/2018-2-Mini-PC-Compulab-Fitlet2-mit-vier-Gigabit-Ethernet-Ports-3929909.html
[5] https://minnowboard.org/minnowboard-turbot-dual-e/technical-specs
[6] https://www.heise.de/meldung/Intel-bringt-noch-mehr-Silvermont-Celerons-heraus-2039313.html
[7] https://firmware.intel.com/projects/minnowboard-max
[8] mailto:ciw@ct.de