9-Euro-Ticket: Wo es gilt und wie Sie passende (Urlaubs-)Verbindungen finden

Mit dem 9-Euro-Ticket fahren Sie günstig quer durch Deutschland. Damit das nicht im Frust endet, gilt es wichtige Einschränkungen zu beachten.

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(Bild: avv.de)

Von
  • Andreas Sebayang
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Einer großen Erkundungstour für wenig Geld steht in den Monaten Juni, Juli und August nichts im Weg. Für 9 Euro pro Monat bieten zahlreiche Verkehrsunternehmen das sogenannte 9-Euro-Ticket für den Nah- und Regionalverkehr auf der Schiene an – mitunter auch im Fernverkehr (sofern ein Abo besteht) und im grenznahen Ausland. Der Abstecher nach Frankreich, Polen oder in die Schweiz dürfte für viele noch nie so günstig gewesen sein.

Doch was einfach klingt – 9 Euro für ganz Deutschland – birgt im Detail einige Tücken. So gibt es in einigen Verkehrsverbünden Ausnahmeregelungen und unterschiedliche Auslegungen des Tickets. Und mitunter gibt es Regionen, in denen der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gar nicht über einen Verbund organisiert ist. Hier fehlen dann im Zweifelsfall Ansprechpartner für Fragen. Die Gefahr, trotz Ticket ohne gültigen Fahrschein unterwegs zu sein, ist also durchaus vorhanden. Entsprechend nennen wir die wichtigsten Regeln und geben Tipps, wie Sie das 9-Euro-Ticket effizient nutzen können.

Rund um die Bahn

Erhältlich ist das Ticket bei zahlreichen Verkehrsverbünden und der Deutschen Bahn. Zeitlichen Druck gibt es nicht, das Kontingent ist nicht limitiert ist. Beachten sollten Sie aber die zeitliche Gültigkeit. Denn das 9-Euro-Ticket wird für jeweils einen Kalendermonat ausgestellt – auf Wunsch auch im Voraus. Das bedeutet: Wollen Sie das Ticket im Juli nutzen, können Sie es auch schon im Juni kaufen. Wenn der Online-Kauf nicht direkt klappt, kann das am großen Andrang liegen. In den ersten Stunden zählte allein die Deutsche Bahn über 200.000 Käufe.

Verfügen Sie bereits über ein Monatskarten-Abo, gilt dies im Juni, Juli und August automatisch als 9-Euro-Ticket – ganz ohne zusätzliche Zahlung. Außerdem: Die Verkehrsverbünde haben angekündigt, Ihren Kunden die über 9 Euro hinausgehenden Kosten im Nachhinein zu erstatten oder für die drei Monate jeweils nur 9 Euro abzubuchen. Gleiches gilt für Studentinnen und Studenten, die über ein Semesterticket verfügen. Stand Ende Mai 2022 war aber unklar, auf welchem Wege die über 9 Euro hinausgehende Zahlung in diesem Fall erstattet wird.

Beachten sollten Sie aber, dass einige Regeln Ihrer Abokarte nicht automatisch auch für das 9-Euro-Ticket gelten. Wichtig ist das hauptsächlich in Hinblick auf etwaige Mitnahmeregelungen. So heißt es beim Großraum-Verkehr Hannover (GVH), dass die Mitnahme von Personen nur im Bereich des GVH möglich ist – dafür aber in allen Zonen und nicht nur in den abonnierten. Restriktiver verfährt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Ein Gegenbeispiel ist der Verkehrsverbund Schleswig-Holstein (nah.sh), der die Vorteile seiner Abokarten über das Abo-Gebiet hinaus erweitert. Auf der Aktionsseite des nah.sh heißt es, dass Mitnahmeregeln auf die gesamte Region Schleswig-Holsteins und Hamburg ausgedehnt werden. Abo-Kunden des HVV können die Mitnahmeregelung nicht in Schleswig-Holstein nutzen.

Abonnenten profitieren ebenfalls vom 9-Euro-Ticket. Die Monatskarte wird automatisch erweitert, die Differenz zum üblichen Fahrkartenpreis erstatten die Verkehrsverbünde.

Handelt es sich um ein Abonnement für die 1. Klasse, gilt dieses nur in jenen Gebieten, für die das Abo abgeschlossen wurde. Andernorts ist es nur für die 2. Klasse gültig. Eine Möglichkeit, das 9-Euro-Ticket für wenig Geld in ein 1.-Klasse-Ticket umzuwandeln, gibt es nicht. Hier müssen Sie stattdessen eine reguläre Fahrkarte kaufen.

Ähnliches betrifft die Fahrradmitnahme: Umfasst Ihr Abo eine solche, gilt diese nur für das abonnierte Gebiet. Außerhalb dessen kommen die Regeln des jeweiligen Verkehrsverbunds zum Tragen. Die Bandbreite reicht dabei von der grundsätzlich kostenlosen Mitnahme über zusätzliche Fahrradtickets, die Sie erwerben müssen, bis hin zum grundsätzlichen Verbot. Viele Verkehrsverbünde raten aber von der Fahrradmitnahme ab. Aufgrund der erwarteten Fahrgastzahlen könne eine solche nicht immer gewährleistet sein, so etwa nah.sh. Sind Bus oder Bahn voll, hätten Kinderwagen und Rollstühle immer Vorrang.

Es gibt aber auch Abo-Einschränkungen, die im Juni, Juli und August entfallen. Ein Beispiel dafür sind Sperrzeiten. Gilt die Monatskarte üblicherweise nur zu bestimmten Uhrzeiten – etwa erst ab 9 Uhr –, ist dies in den drei genannten Monaten nicht der Fall.

Es gibt aber auch einige Ausnahmen bei der Umwandlung von Monatskarten in ein 9-Euro-Ticket. Das gilt etwa für E-Ticket-Systeme, wie die Bodo eCard des Verkehrsverbunds Bodensee-Oberschwaben. Der Preis wird zwar pro Monat auf 9 Euro im Verbund gedeckelt. Aber: Die Bodo eCard ist kein 9-Euro-Ticket und gilt nur im Bodo-Verbund. Die Bodo-Karte handhabt als System des E-Ticket-Deutschland-Standards nämlich nur Einzelfahrausweise. Ähnliches gilt für das Fairtiq-System im Verkehrsverbund Mittelthüringen. Denn sobald 9 Euro an Fahrtkosten erzeugt wurden, gibt es als Bonus das deutschlandweit gültige 9-Euro-Ticket.

Prüfen Sie angesichts der ganzen Sonderregelungen für Abonnenten im Vorfeld, wie Sie Ihre Monatskarte im Rahmen des 9-Euro-Tickets nutzen können. Die meisten Verkehrsverbünde haben entsprechende Informationen auf Ihrer Homepage zusammengetragen.