Barrierefreies PDF: Wie Sie Dokumente prüfen und Fehler beheben

Wo "Tagged PDF" draufsteht, ist nicht immer "barrierefrei" drin, denn kaum eine Standardsoftware kann perfekt taggen. So finden und korrigieren Sie die Fehler.

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, Sven Hauth

(Bild: Sven Hauth)

Von
  • Klaas Posselt
Inhaltsverzeichnis

Menschen mit visuellen Einschränkungen können in einem barrierefreien PDF selbstständig auf alle Inhalte zugreifen, vom Text über Bilder bis hin zu Tabellen. Assistive Techniken (AT) helfen ihnen dabei, indem sie die Schrift vergrößern, Text vorlesen, in eine Braille-Zeile umwandeln und anderes. Damit das funktioniert, muss jedes Objekt mit dem passenden Tag markiert sein, ähnlich wie bei HTML. Doch schon kleine technische oder konzeptionelle Mängel können ein Dokument für eine AT praktisch unbenutzbar machen.

Weil Autoren nicht immer sauber arbeiten und Standardsoftware das Taggen nur mäßig beherrscht, müssen Sie vor dem Publizieren kontrollieren, ob Ihr PDF überhaupt alle Anforderungen erfüllt. Öffentliche Ausschreibungen verpflichten in der Regel sogar dazu und verlangen einen detaillierten Prüfbericht.

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Was ein barrierefreies PDF auszeichnet, worauf man achten muss und wie man korrekte Vorlagen mit Word erstellt, haben wir kürzlich in "So wird Ihr PDF barrierefrei" und "Barrierefreie PDFs aus Word-Dokumenten erstellen" erklärt. In diesem dritten und letzten Teil unserer Serie lernen Sie, Fehler in Dokumenten zu finden und zu korrigieren.

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  • Bevor man ein barrierefreies PDF publiziert, muss man sicherstellen, dass es die Anforderungen der vereinbarten Richtlinie erfüllt (WCAG, BITV oder PDF/UA).
  • Eine vollständige Prüfung besteht immer aus einem automatisierten und einem manuellen Teil.
  • Fehler sollte man möglichst im Ursprungsdokument korrigieren, nicht im PDF.

Es gibt über hundert, teils sehr technische Anforderungen, die ein barrierefreies Dokument erfüllen muss. Aber keine Sorge, das Gros der Arbeit können Sie an spezielle Prüfsoftware delegieren, die auf Knopfdruck einen übersichtlichen Bericht generiert.

Zusätzlich sollten Sie Ihr Dokument auch mit eigenen Augen begutachten: Denn ein Programm erkennt zwar, wenn einem eingebetteten Bild die erforderliche Beschriftung (Alternativtext) fehlt. Es kann aber nicht einschätzen, ob der Alternativtext die Abbildung sinnvoll beschreibt. Ebenso wenig erkennt es semantische Fehler, zum Beispiel, wenn der Autor Überschriften und Aufzählungen als simple Absätze angelegt oder Tabellen als Bilder eingebettet hat.

Für diesen ausführlichen manuellen beziehungsweise visuellen Check müssen Sie etwas Zeit einplanen. Beispielsweise würde ein Profi für diesen Artikel 15 Minuten benötigen, ein Einsteiger 1,5 Stunden und eine geübte Gelegenheitsgegenleserin 30 Minuten. Immerhin lässt Sie die Prüfsoftware dabei nicht allein und erleichtert die Spurensuche mit einem speziellen Ansichtsmodus. Eine vollständige Barrierefreiheitsprüfung besteht also immer aus zwei Schritten:

  • automatischer Check (per Software),
  • manuelles Testen (per Checkliste, softwareunterstützt).

In die Tiefen der Thematik können wir hier aus Platzgründen nicht einsteigen. Wir versuchen stattdessen, eine gute Strategie und ein Gespür für den richtigen Umgang mit Prüfwerkzeugen und Fehlern zu vermitteln.

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