Die moderne Auto-Überwachung: Fahrzeugdiagnose mit OBD 2

Mit der Fahrzeugdiagnose können Sie Fehler und Informationen selber auslesen, löschen und verarbeiten. Was ist mit OBD2 möglich? Und was nicht?

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(Bild: Schäffer)

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Kapitale Motor- oder Getriebeschäden sind heute eher selten geworden. Defekte in Elektronik oder Motorsteuerung beherrschen inzwischen das Fehlerbild. Genügte vor 30 Jahren noch wenig Handwerkzeug und ein „Jetzt helfe ich mir selbst“-Buch, benötigt man inzwischen eher ein Studium als Kommunikationselektroniker, um Fehler am Auto zu finden und zu beheben – wobei statt zu reparieren meistens der Austausch teurer Module praktiziert wird. Die Ergebnisse mangelnder Reparaturkultur dokumentieren beispielsweise „die Autodoktoren“ regelmäßig.

Einen Vorteil hat die elektronische Überfrachtung aber: Fühlt sich der fahrbare Untersatz nicht wohl, geht irgendeine Warnlampe an und im Kombiinstrument erscheint eine Meldung – meistens mit dem Hinweis, eine Werkstatt aufzusuchen. Spätestens vor dem nächsten Ölwechsel nerven die Hinweise und Warntöne immer nachdrücklicher.

Anstatt bei jedem kleinen Wehwehchen einen Werkstatttermin zu vereinbaren und für den Ausdruck eines nichtssagenden Diagnoseprotokolls wieder einmal mehr als den früher üblichen Heiermann in die Kaffeekasse zu legen, können Sie sich auch selber helfen. In der „Dialog-Annahme“ wird nämlich nichts gemacht, was sie nicht auch selber zu Hause erledigen können. Die notwendige Investition in Technik hat sich bereits mit der zweiten Anwendung amortisiert. Ihr Freundeskreis wird zudem wachsen und dem nächsten Termin zur Hauptuntersuchung schauen sie viel entspannter entgegen.

In Kalifornien erkannte man in den 1970er-Jahren, dass es nicht ausreicht, wenn bei Fahrzeugen nur bei der Zulassung und eventuellen turnusmäßigen Untersuchungen, die damals aber nicht vorgesehen waren, geprüft wird, ob die Abgaswerte eingehalten werden. Fehlende oder mangelhafte Wartung, Verschleiß und Manipulation können im Laufe der Nutzungsdauer dazu führen, dass die Grenzwerte überschritten werden.

Damit Abweichungen und Fehler, die auf einen mehr als üblichen umweltschädlichen Fahrzustand hinweisen, sowohl vom Fahrer, als auch von jedem Polizisten bei einer normalen Kontrolle erkannt werden können, wurde das Malfunction Indicator Light (MIL, im deutschen: Motorkontroll-Leuchte, MKL) ab 1991 verpflichtend eingeführt. Die erste Norm, damals „On-Board Diagnose” (OBD, noch ohne Numerierung) sah vor, dass im Fahrzeug ein System vorhanden sein muss, welches permanent die Abgaswerte und Rahmenbedingungen überwacht und im Fall einer Abweichung oder eines Fehlers Alarm schlägt.

Die erste Normierung war noch sehr vage und ließ den Fahrzeugherstellern viel Freiraum. So war beispielsweise die Zugangsmöglichkeit zum Überwachungssystem nicht geregelt. Jeder Hersteller dachte sich möglichst exotische Stecker und Protokolle aus, denn das California Air Resources Board (CARB), welches OBD vorantrieb, sah lediglich die MIL und allgemein ein Protokoll vor. Die Hersteller erkannten aber, dass ein Zugang zu den Überwachungsdaten für sie Vorteile bringt. Schon vorher gab es einfache Diagnosesysteme oder Diagnosestecker, aber das für OBD notwendige Steuergerät (bzw. die Software im Motorsteuergerät) erfasst wesentlich mehr Daten, die auch bei der Entwicklung und in der Werkstatt nützlich sind.

Anfangs gab es noch zahlreiche OBD-Steckervarianten, wie diese für Toyota, VAG, BMW (v. l.) und den heutigen nach SAE J1939 für schwere Nutzfahrzeuge (hinten).

(Bild: Schäffer)

Zudem boten die proprietären Stecker eine gute Möglichkeit, den Kunden in die herstellereigene Werkstatt zu nötigen, um die MIL nach einer Reparatur wieder zu löschen. Oft erfolgte dies über mehrmaliges Ein- und Ausschalten der Zündung oder den wiederholten Kurzschluss von Diagnosekontakten. Die wenigen herstellereigenen Fehlercodes konnten meistens per Blinkcodes ausgelesen werden. Waren diese Insiderinfos anfangs noch geheim, gibt es noch heute zahlreiche Angebote passender Diagnoseboxen, die das für Endanwender vereinfachen. Dennoch hüten die Fahrzeughersteller immer noch das Geheimnis, wie ein Kunde die Serviceanzeige nach dem selbst durchgeführten Ölwechsel manuell zurücksetzen können.

Obwohl OBD nur für in Kalifornien zugelassene Fahrzeuge verpflichtend war, konnte es sich natürlich kein Fahrzeughersteller leisten, seine Modelle nicht damit auszurüsten. So trat OBD einen weltweiten Siegeszug an und andere US-Bundesstaaten und Länder folgten dem Beispiel. Schnell wurden die Anforderungen höher, die Grenzwerte niedriger und man erkannte das Potential sowie den dringenden Bedarf einer Vereinheitlichung der Diagnoseprotokolle und Zugangsmöglichkeiten.