Akku-Killer: Welche iOS-Apps zu viel Strom verbrauchen

Läuft Ihr iPhone oder iPad ungewohnt schnell leer, steckt vermutlich eine App dahinter, die mehr Dinge im Hintergrund erledigt als sie soll. Fortgeschrittene Nutzer kommen solchen Kandidaten auf die Schliche.

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Von
  • Tobias Engler
  • Tomas Rudl
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Leseprobe aus Mac & i Heft 1/2014

Manchmal reicht ein Ausflug in den App Store, und einige neu installierte Apps später hält der iPhone-Akku nicht mehr ganz so lange durch wie zuvor. Oft ist es aber schwer, den oder die tatsächlich Schuldigen zu finden, denn iOS bietet keine Möglichkeit an, gezielt den Stromverbrauch einzelner Apps zu ermitteln. Nicht ganz trivial ist die Analyse dann, wenn wild gewordene Apps im Hintergrund ihr Unwesen treiben, dabei aber nicht auf sich aufmerksam machen – anders als etwa GPS- oder Audio-Apps, die ein entsprechendes Symbol in der Menüleiste anzeigen oder diese einfärben.

Wir haben für diesen Beitrag zunächst gut 50 weitverbreitete Apps mit Apples Analysewerkzeug Instruments auf ihren Stromverbrauch untersucht. Dabei zeigte sich schnell, dass VoIP-Dienste (Voice-over-IP) wie joyn, Viber oder Skype besonders stark am Akku zehren. Zwar nicht so viel wie Navigations-Apps, die den GPS-Chip nutzen – der verbraucht nach dem Display am meisten Energie –, aber doch bemerkbar. Auch die Facebook-App registriert sich unnötigerweise als VoIP-Dienst im Hintergrund und saugt damit verhältnismäßig stark am Akku.

Die App des sozialen Netzwerks Facebook (in Version 6.8) aktivierte in unserem Test spätestens alle 15 Minuten einen Hintergrund-Task – selbst im Ruhezustand des Gerätes. Da half es auch nichts, die Hintergrundaktualisierung in den System-Einstellungen für Facebook abzuschalten. Zusätzlich hält die App eine bestehende WLAN-Verbindung auf dem iOS-Gerät auch nach 30 Minuten Inaktivität aufrecht anstatt sie zu deaktivieren, wie es sonst normalerweise der Fall ist. Ob die Facebook-App das alles braucht und nutzt, ist eher unwahrscheinlich. Im Ergebnis wird so beständig Energie verbraucht, auch wenn das vom Anwender gar nicht beabsichtigt ist. Leider gibt es in der App selbst nur eine Möglichkeit, das Hintergrundverhalten ganz abzustellen: ein Klick auf Abmelden. Das ist nervig, ließ im Test aber die Hintergrund-Tasks verstummen. Der einzige andere Ansatzpunkt scheint die Ortsabfrage zu sein, die der Nutzer Facebook explizit erlauben muss und auch jederzeit in den iOS-Einstellungen unter Datenschutz/Ortungsdienste widerrufen kann. So spart man sich wenigstens die ebenfalls ressourcenfressende GPS-Nutzung. Der übermäßige Energieverbrauch, den wir in der Redaktion mit früheren Versionen der App beobachten konnten, war jedoch nicht mehr nachvollziehbar. Offenbar hat der Hersteller mittlerweile die Fehler in seiner Software beseitigt, die dafür verantwortlich waren.

Mit Apples kostenlosem Hilfsprogramm Instruments, Bestandteil des Xcode-Pakets, kann man iOS-Apps auf die Finger schauen. Templates erleichtern den Umgang damit enorm.

Der VoIP-Dienst Viber tritt in Facebooks Spuren und erwacht mindestens alle zwanzig Minuten aus dem Schlafzustand. Damit ist sich die App auch nicht zu schade, den Ruhezyklus des iOS-Geräts zu unterbrechen. Wir haben Fälle beobachtet, in denen die nächste Reaktivierung gerade mal eine Minute entfernt war. Besonders schlimm trieb es joyn: So oft wie die Chat-App wachte sonst kaum eine von uns untersuchte App im Hintergrund auf, um der Gegenstelle zu signalisieren, dass sie noch aktiv ist. Und obwohl sich die App als VoIP-fähig im System anmeldet, scheiterten wir im Test daran, die (auch in der App-Store-Beschreibung versprochene) Live-Videoübertragung hinzubekommen – aufgebaut wurde lediglich eine normale Telefonverbindung. Parallel dazu wurden die iPhones beider Gesprächspartner unangenehm heiß. Ein Blick auf die Prozessorauslastung bestätigte die Vermutung: Der App-Prozess krallte sich die gesamte verfügbare Rechenleistung; oft auch dann, wenn die App nicht mehr aktiv war.

Allen genannten Apps ist gemein, dass sie, einmal installiert und gestartet, im Hintergrund und bei Ruhezustand Energie verbrauchen. VoIP-Dienste genießen nämlich eine privilegierte Stellung: Selbst wenn der Nutzer solche Apps manuell beendet oder das System sie wegen Speichermangels terminiert, hält iOS die Netzwerk-Verbindung zur jeweiligen Gegenstelle aufrecht und reaktiviert die Apps selbsttätig, sobald sich die Lage entspannt. Auch ein Neustart des Gerätes kann ihnen nichts anhaben. Sofern eine entsprechende App die Option überhaupt bietet, bleibt bloß ein regelmäßiges Abmelden als Ausweg. Aber selbst dann ist nicht sichergestellt, dass die App anschließend Ruhe gibt, wie der Yahoo Messenger zeigt.