FAQ: Ordner und Dateinamen unter Windows entwirren

Datei- und Ordnernamen unter Windows verwirren zuweilen. Wieso verändern sich Pfadangaben, wie lang darf ein Name sein, was ist mit Groß- und Kleinschreibung?

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(Bild: Curt Bauer / Shutterstock)

Von
  • Hajo Schulz
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Die Benennung von Datei- und Ordnernamen unter Windows wirft selbst bei erfahrenen Anwendern Fragen auf. Dazu gehört definitiv der Unterschied zwischen Ordner und Verzeichnis und dessen Auswirkung auf die Pfadangaben im Explorer. Und wussten Sie, woran Sie relative Pfadangaben erkennen können, wie lang ein Dateiname sein darf oder welche Sonderzeichen Sie keinesfalls darin verwenden dürfen? Ich unserer FAQ klären wir diese und weitere häufig gestellte Fragen.

Wenn von einer Datei wie C:\Daten\Test.txt die Rede ist, liest man gelegentlich, die Datei Test.txt liege im Ordner C:\Daten, alternativ heißt es, sie befinde sich im Verzeichnis C:\Daten. Bedeuten die beiden Begriffe dasselbe?

Jein. Konzeptuell ist ein Ordner eher ein Objekt der grafischen Oberfläche, unter Windows also ein Container im Explorer, und ein Verzeichnis ist ein Bestandteil des Dateisystems. Solange aus dem Kontext klar ist, dass man über das Dateisystem redet, kann man beide Begriffe synonym verwenden.

Es gibt unter Windows aber Ordner, die der Explorer als Einheit mit darin enthaltenen Objekten darstellt, die aber keine Entsprechung im Dateisystem haben und deshalb keine Verzeichnisse sind. Beispiele sind etwa die Ordner "Netzwerk" und "Dieser PC" oder in älteren Windows-Versionen "Geräte und Drucker". Irgendwo dazwischen gibt es noch Ordner wie "Dokumente" oder "Bilder": Ihr Inhalt steckt auch im Dateisystem jeweils in einem eigenen Verzeichnis, aber das liegt physisch nicht in "Dieser PC" (dieses Verzeichnis gibt es ja gar nicht), sondern beispielsweise innerhalb des Benutzerprofils im Verzeichnis C:\Users\IhrName. Ein weiterer Sonderfall sind Ordner wie der Papierkorb oder "Desktop", deren angezeigten Inhalt der Explorer aus mehreren Verzeichnissen zusammenstoppelt.

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Den Ordner C:\Users, den Sie in der vorigen Frage erwähnt haben, scheint es auf meinem PC gar nicht zu geben. Im Explorer sehe ich unter C:\ aber einen Ordner namens Benutzer, der unter anderem einen Unterordner mit meinem Namen enthält. Warum verwenden Sie denn nicht den hierzulande viel gebräuchlicheren deutschen Namen des Ordners?

Ein Klick rechts neben die "Brotkrumen" in der Adresszeile bringt den wahren, nicht lokalisierten Namen des aktuellen Ordners zum Vorschein.

Weil das Verzeichnis auf der Platte auch in einem deutschen Windows "Users" heißt. Der Explorer versucht Ihnen nur unter die Arme zu greifen, indem er es mit einem deutschen Namen anzeigt.

Diese zweifelhafte Unterstützung erlaubt sich Windows bei etlichen Ordnern, und sie sorgt immer wieder für Verwirrung, wenn man vom Explorer auf einen anderen Dateimanager, die Eingabeaufforderung oder die PowerShell wechselt, die dieses Spielchen nicht mitmachen. Gesteuert wird das Verhalten über eine versteckte und mit System-Attribut versehene Datei namens desktop.ini in dem jeweiligen Ordner. All diese Dateien zu löschen ist aber nicht empfehlenswert, denn sie steuern auch noch andere Explorer-Eigenheiten, etwa ein auf den Inhalt hinweisendes Ordnersymbol oder die standardmäßige Anzeige großer Symbole in Bilder-Ordnern.

Wie der echte Name eines Verzeichnisses lautet, das der Explorer mit lokalisiertem Namen anzeigt, können Sie herausfinden, indem Sie den Ordner zuerst im Explorer ansteuern und dann in der Eingabezeile rechts in den freien Platz neben den "Brotkrumen" klicken, also neben die Bestandteile des Ordnernamens. So finden Sie zum Beispiel heraus, dass Sie sich in Wahrheit im Verzeichnis "C:\Program Files" befinden, wenn Sie sich über "Dieser PC" und "Lokaler Datenträger (C:)" in den Ordner "Programme" durchgehangelt haben.


Man liest gelegentlich von absoluten und relativen Pfaden. Was ist der Unterschied?

Abgesehen von UNC-Pfaden (zum Zugriff auf Netzwerk-Ressourcen) beginnt eine absolute Pfadangabe stets mit einem Laufwerksbuchstaben, gefolgt von einem Doppelpunkt und einem umgekehrten Schrägstrich ("\", auch Backslash genannt). Darauf folgen optional ein oder mehrere Ordnernamen sowie – wenn sich die Angabe auf eine Datei und nicht auf einen Ordner bezieht – ein Dateiname. So bezeichnet "C:\" den Wurzelordner des Laufwerks C:, "C:\Test.txt" eine Datei in diesem Verzeichnis und "C:\Daten\Test.txt" eine gleichnamige Datei im Verzeichnis "Daten" auf Laufwerk C:.

Für die relative Pfadangabe muss man wissen, dass unter Windows jedes laufende Programm stets ein aktuelles Verzeichnis besitzt. Wenn nichts anderes angegeben ist, wird das aktuelle Verzeichnis beim Programmstart auf den Ordner festgelegt, in dem die dazugehörige EXE-Datei liegt; über Systemfunktionen kann ein laufender Prozess aber jederzeit in ein anderes Verzeichnis wechseln. Relative Pfade sind nichts anderes als Pfadangaben, bei denen aus Bequemlichkeit bestimmte Namensbestandteile weggelassen werden – Windows ergänzt sie dann durch Teile des aktuellen Verzeichnisses.

Aus einem Prozess heraus, dessen aktuelles Verzeichnis "C:\Daten" ist, bezieht sich beispielsweise die Angabe "Test.txt" auf die Datei C:\Daten\Test.txt, die Angabe "Umsatz\Januar.xlsx" auf C:\Daten\Umsatz\Januar.xlsx und "C:Bilder\Test.jpg" auf C:\Daten\Bilder\Test.jpg. Das letzte Beispiel mag verwirren, demonstriert aber einen gern übersehenen Stolperstein: Hinter dem "C:" steht kein "\"; folglich ist die Pfadangabe relativ und Windows ergänzt noch "\Daten".


Wie viele Zeichen darf der Name für einen Ordner oder eine Datei höchstens umfassen?

Traditionell darf eine (absolute) Pfadangabe insgesamt höchstens 260 Zeichen lang sein – 256 für den eigentlichen Pfad plus 3 für das Laufwerk ("C:\") plus ein aus technischen Gründen immer angehängtes Null-Byte. Wenn Sie sich an diese Beschränkung halten, sind Sie immer auf der sicheren Seite.

Wenn Sie beispielsweise in einer tiefen Ordnerstruktur eine Zip-Datei entpacken, die ihrerseits noch verschachtelte Ordner enthält, ist diese Grenze schnell erreicht. Um auf Dateien "ganz unten" in einer solchen Ordnerhierarchie zuzugreifen, können Sie der Pfadangabe die Zeichen "\\?\" voranstellen, also etwa "\\?\C:\Ordner mit langem Namen\Test.txt". Das Präfix signalisiert Windows, auf die Prüfung der Länge zu verzichten, allerdings kommen nicht alle Programme mit dieser Notation klar. In jedem Fall muss auf "\\?\" eine absolute Pfadangabe folgen.

Seit Windows 10 1607 kann Windows auch ohne die Kennzeichnung mit Pfaden von bis zu 32.768 Zeichen Länge umgehen; hier darf dann jede Komponente 256 Zeichen lang sein. Damit Windows diese Fähigkeit auch benutzt, muss sie über einen Registry-Eintrag freigeschaltet sein: Der DWORD-Wert steckt im Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Control\FileSystem und heißt LongPathsEnabled; eine 1 aktiviert die langen Dateinamen. Zusätzlich muss jedes Programm, das mit langen Pfaden umgehen will, dem Betriebssystem über einen speziellen Eintrag in seinem Manifest signalisieren, dass es dazu in der Lage ist.

Online-Doku zu Dateinamen

Sind in Windows-Dateinamen alle Sonderzeichen erlaubt?

Folgende Sonderzeichen sind in Ordner- und Dateinamen verboten: < (kleiner als), > (größer als), : (Doppelpunkt), " (doppelte Anführungszeichen; auf deutschen Tastaturen Umschalt+2), / (Schrägstrich), \ (umgekehrter Schrägstrich, auch Backslash genannt), | (Pipe-Symbol), ? (Fragezeichen) und * (Sternchen, auch Asterisk genannt).

Davon abgesehen dürfen Datei- und Ordnernamen alles an Umlauten, Akzenten und Zeichen aus nicht-lateinischen Alphabeten enthalten, was der Unicode-Standard hergibt. Auf Datenträgern wie USB-Sticks, die Sie auch an anderen Geräten als Windows-PCs nutzen wollen, sollten Sie aber auf allzu exotische Schreibweisen verzichten. Beachten Sie außerdem, dass die Eingabeaufforderung nur die Zeichen darstellen kann, die in der gerade ausgewählten Codepage enthalten sind; in einem deutschen Windows ist das standardmäßig die Codepage 850 (DOS Latin-1, auch OEM-Zeichensatz genannt).


Macht Windows bei Dateinamen einen Unterschied zwischen Groß- und Kleinbuchstaben?

Nein. Eine Datei namens "Test.txt" können Sie genauso als "test.TXT" oder als "TEST.Txt" ansprechen. Folglich kann es in ein und demselben Ordner keine zwei Dateien geben, deren Namen sich nur durch Groß-/Kleinschreibung unterscheiden. Dasselbe gilt sinngemäß für Ordnernamen.

Windows merkt sich allerdings beim Speichern die genaue Schreibweise und der Explorer zeigt sie korrekt an. Seit längerer Zeit behoben ist ein Bug früherer Windows-Versionen, der verhindert hat, dass man beim Umbenennen einer Datei nur die Groß-/Kleinschreibung ändert.


Gelegentlich bin ich noch darauf angewiesen, ein Uralt-Programm aus Windows-98-Tagen zu benutzen. Das zeigt die Namen mancher Dateien und Ordner ganz seltsam an, zum Beispiel meinen Dokumente-Ordner als "DOCUME~1". Was hat es damit auf sich?

In grauer Vorzeit waren die Namen von Dateien und Ordnern auf acht Zeichen vor und drei Zeichen hinter dem Punkt beschränkt. Als Windows die heute üblichen längeren Dateinamen eingeführt hat, waren die meisten bestehenden Programme nur auf dieses Namensschema eingestellt. Deshalb speichert Windows zu allen Dateien und Ordnern auch einen solchen 8.3-Namen in der typischen Tilden-Schreibweise. Der tritt aber heutzutage kaum noch in Erscheinung – Ihr Programm-Dino ist wohl einer der Letzten seiner Art. Außerdem kann der Befehl dir in der Eingabeaufforderung diese Namen noch anzeigen, wenn man ihm die Option /x mitgibt.

Moderne Windows-Installationen speichern diese 8.3-Namen gar nicht mehr auf allen Laufwerken. Wo Sie bei Ihnen noch aktiv sind, verrät das Programm fsutil.

c't Ausgabe 26/2022

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c't 26/2022

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(hos)