FAQ: Voice over IP

Voice over IP ist das Rückgrat der Sprachkommunikation und eröffnet viele Möglichkeiten, flexibel zu telefonieren. Wir haben Antworten auf häufige Fragen.

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Telefon

(Bild: Brian A Jackson/Shutterstock.com)

Von
  • Urs Mansmann

Voice over IP, kurz VoIP, bietet viele Möglichkeiten. Bei mehreren Endgeräten und Nummern, alten Faxgeräten am VoIP-Anschluss und weltweiter Verfügbarkeit treten aber auch immer wieder Schwierigkeiten auf. Wir erklären, wie man die häufigsten Probleme behebt.

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Anrufe mit unterdrückter Rufnummer aus dem Homeoffice werden mancherorts abgewiesen. Ich möchte dafür aber auf keinen Fall meine private Rufnummer oder die meines Handys verwenden. Wie kann ich das lösen?

Sie sollten fürs Homeoffice am besten einen getrennten VoIP-Account mit eigener Rufnummer einrichten. An Ihrer VoIP-Anlage lässt sich das am einfachsten verwalten, indem Sie ein zusätzliches Schnurlostelefon dafür einsetzen. Das können Sie nach Dienstschluss einfach abschalten und haben Ruhe zu Hause. Falls Sie keine ungenutzte Rufnummer mehr an Ihrem Privatanschluss haben und keine zusätzliche erhalten können, sollten Sie eine bei einem VoIP-Provider einrichten, der das Setzen einer Absenderrufnummer (Rufnummern-Spoofing) ermöglicht. Diese Funktion fehlt bei den meisten Breitband-Anbietern, die zusätzlich zum Anschluss auch VoIP bereitstellen, gehört aber bei VoIP-Providern wie Sipgate, dusNET oder Easybell zum Standard-Leistungsumfang.

Auf diese Weise können Sie die Zentralnummer Ihres Arbeitgebers oder Ihre Durchwahl dort übermitteln. Selbst wenn die Angerufenen die dahinterliegende VoIP-Rufnummer sehen können, entsteht kein Schaden – denn sie landen ja bei einem Rückruf auf Ihrem Geschäftsanschluss im Homeoffice und nicht auf dem Privatanschluss.

Einige VoIP-Provider verifizieren die Rufnummer zur Anzeige mit einem Kontrollanruf, um Missbrauch auszuschließen.

Ich habe meine VoIP-Rufnummer korrekt eingerichtet und kann beim Provider auch sehen, dass die Anmeldung geklappt hat und mein VoIP-Router online ist. Trotzdem kommen Testanrufe nicht durch. Mit einigen Sekunden Verzögerung ertönt ein Besetztzeichen. Was läuft da falsch?

Wie früher bei ISDN muss nicht nur der Anschluss geschaltet sein, sondern auch ein Gerät, das die Anrufe entgennimmt, und das haben Sie offenbar versäumt. Sobald Sie ein Telefon so einrichten, dass es bei Anrufen auf die Nummer klingelt, hören Anrufer ein Freizeichen. Das Besetztzeichen ertönt in Ihrem Fall mit Verzögerung, weil erst eine Wartezeit ablaufen muss, die sicherstellt, dass alle Geräte genügend Zeit zum Reagieren hatten.

Ertönt das Besetztzeichen sofort, liegt etwas anderes im Argen. Ursache kann beispielsweise ein schnurgebundenes Telefon sein, dessen Hörer unbemerkt von der Gabel gerutscht ist und das über die Funktion "busy on busy" dafür sorgt, dass keine weiteren Anrufe unter dieser Rufnummer eingehen können. Wenn diese Gefahr besteht, sollten Sie die Funktion bei diesem Endgerät deaktivieren.


VoIP-Nummern lassen sich ja schon lange an beliebigen Anschlüssen weltweit nutzen. Ich ziehe nun von Berlin nach Potsdam. Kann ich meine einprägsame und schon seit Ewigkeiten bekannte Berliner Festnetzrufnummer da nicht einfach behalten?

Die Bundesnetzagentur wacht immer noch streng darüber, dass Ortsnetzrufnummern nur innerhalb der dafür vorgesehenen Bereiche vergeben werden. Sobald Ihr VoIP-Provider vom Umzug erfährt, wird er Ihnen sofort die 030-Nummer entziehen und Ihnen einen neue mit der Vorwahl 0331 zuweisen, sonst droht ihm erheblicher rechtlicher Ärger. Für den amtlich geforderten Ortsnetzbezug reicht allerdings schon eine Firmenadresse oder ein Zweitwohnsitz. Möglicherweise können Sie die Nummer auch durch Überschreibung an einen richtigen Berliner retten, der Sie Ihnen dann wiederum zur Nutzung überlässt.


Ich möchte gerne eine VoIP-Nummer auf mein Handy umleiten. Dummerweise fallen dafür recht hohe Gebühren an. Wie kann ich das umgehen?

Sie können den VoIP-Account direkt auf dem Handy nutzen. In einigen Versionen von Android ist ein VoIP-Client Teil des Betriebssystems, bei anderen Versionen oder Betriebssystemen können Sie den erforderlichen SIP-Client als App installieren, beispielsweise Zoiper oder Linphone. Dann können Sie die Anrufe direkt und kostenfrei annehmen. Pro Gesprächsminute fällt allerdings rund 1 Megabyte an Datentransfervolumen an.

Falls Sie doch lieber auf eine Rufumleitung setzen wollen, können Sie einen Tarif oder eine Tarifoption nutzen, die Ihnen zusätzlich zur Mobilfunk- auch eine Festnetznummer fürs Handy bereitstellt. Anrufe und Umleitungen auf eine Festnetznummer werden stets zum Festnetztarif abgerechnet, auch wenn das eigentliche Ziel ein Mobilfunkanschluss ist.


Ich möchte eine beruflich genutzte VoIP-Nummer auch zu Hause im Homeoffice und in meinem Ferienhaus nutzen. Was muss ich da beachten?

An VoIP-Anschlüssen können Sie grundsätzlich mehrere Endgeräte oder VoIP-Anlagen gleichzeitig anmelden. Eingehende Anrufe werden an allen Anschlüssen signalisiert, bis an einer Stelle abgenommen wird. Sie müssen also lediglich sicherstellen, dass nicht ein Kollege in der Firma oder der Anrufbeantworter zu Hause sich das Gespräch schneller greift, als Sie im Ferienhaus an der Leitung sind.

Grundsätzlich geht das von jedem IP-Anschluss weltweit. Einzige uns bekannte Ausnahme sind private VoIP-Anschlüsse der Telekom: Diese lassen sich aus Sicherheitsgründen nur aus dem Netz der Telekom ansprechen. Um das zu umgehen, können Sie Ihren VoIP-Anschluss beispielsweise durch einen VPN-Tunnel und eine LAN-LAN-Kopplung mit dem heimischen LAN mit einer öffentlichen Adresse aus dem Telekom-Netz verbinden oder die Verbindungen Ihrer VoIP-Geräte darüber leiten.

VoIP-Anschlüsse kann man von mehreren Standorten aus gleichzeitig nutzen.

Seit einem Anbieterwechsel kommen Faxe bei uns häufig unvollständig an. Spätestens nach drei oder vier Seiten bricht die Verbindung ab, auch beim Versand von Faxen. Wie kann man das beheben?

Voice over IP ist, wie der Name nahelegt, auf die Übertragung von Sprache optimiert. Analoge Modemverbindungen, wie sie Faxgeräte verwenden, laufen darüber nur unzuverlässig. Sie sollten den Faxanschluss daher auf das Fax-over-IP-Verfahren T.38 umstellen. Dazu benötigen Sie die passende Hardware, beispielsweise eine T.38-fähige Telefonanlage, und einen Provider, der dieses Übertragungsverfahren beherrscht.

Alternativ können Sie Ihr Faxsystem umstellen, den Empfang beispielsweise auf ein Fax2Mail-Gateway, das Faxe für Sie empfängt und Ihnen diese per Mail weiterleitet. Auch die Fritzbox beherrscht T.38 und hat ein eingebautes Fax2Mail-Gateway. In Senderichtung gibt es vergleichbare Dienste, mit denen Sie eingescannte PDF-Dokumente per Mail oder Web-Frontend verschicken können. Der Vorteil solcher Dienste ist, dass Sie kein eigenes Faxgerät benötigen, dessen Anschaffung, Betrieb und Wartung recht teuer werden können.

Die Fritzbox hat einen eingebauten Faxserver, der eingehende Faxe in Mails mit Anhang umwandelt.

Das Generalpasswort, das wir im Unternehmen standardmäßig für die meisten Dienste, darunter auch den VoIP-Zugang, verwenden, ist offenbar bei einer Sicherheitslücke geleakt. Wir haben daraufhin unser VoIP-Zugangspasswort geändert. Kann da noch etwas passieren?

Offenbar hatten Sie Glück, denn sonst hätte das teuer werden können. Hoffentlich haben Sie das Passwort bei der Gelegenheit durch ein individuelles und sicheres ersetzt, denn VoIP-Zugänge sind bei Kriminellen begehrte Beute. Binnen Minuten können Profis mit Ihrem VoIP-Zugang hohen Schaden anrichten. Sie sollten die Zugangsdaten daher bestmöglich gegen Missbrauch sichern. Es ist durchaus sinnvoll, Auslandsgespräche in Ihrem VoIP-Account generell zu sperren, wenn Sie ohnehin nicht dorthin telefonieren, oder gezielt nur Landesvorwahlen freizugeben, die Sie tatsächlich benötigen.

Zwar haben die VoIP-Provider Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die Missbrauch schnell erkennen und den Schaden beispielsweise durch automatische Anschlusssperren oder vorgegebene Sperren für bestimmte Vorwahlbereiche begrenzen. Alleine darauf verlassen sollten Sie sich aber nicht, denn die Abzocker sind kreativ.


Ich möchte gerne zu einem anderen DSL-Provider wechseln. Allerdings habe ich beim bisherigen Provider nicht nur meinen Breitbandanschluss, sondern auch meine Telefonnummern. Was muss ich beachten, damit ich bei diesem Wechsel auf keinen Fall meine Rufnummer verliere?

Kündigen Sie Ihren Anschluss nicht selbst, sondern sprechen Sie mit dem neuen Provider ab, wie Sie vorgehen sollen. Achten Sie darauf, dass Ihre persönlichen Daten beim alten und neuen Provider vollkommen identisch angegeben sind. Sie sollten unbedingt beim neuen Provider von vorneherein alle mit Ihrem derzeitigen Anschluss verbundenen Rufnummern angeben, auch wenn Ihnen nur ein oder zwei davon wichtig sind.

Den neuen Provider sollten Sie sechs Wochen vor der letzten fristgerechten Kündigungsmöglichkeit beauftragen, also rund viereinhalb Monate vor Vertragsende bei dreimonatiger Kündigungsfrist. Wenn Sie zu lange warten und dadurch die Kündigungsfrist versäumen, müssen Sie Ihre Wechselpläne um bis zu zwölf Monate verschieben.

(uma)