Fahrzeugdiagnose mit OBD 2: Das richtige Werkzeug

Mit dem richtigen OBD-II-Equipment erfahren Sie fast alles über Vorgänge im Auto. In Teil 2 geht es darum, was sich wie mit welchem Tool auslesen lässt.

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Tools für die Fahrzeugdiagnose gibt es reichlich, Carly oder Bosch Mobile Scan sind nur zwei von vielen Programmen.

(Bild: Bosch)

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Um es vorweg klarzustellen: Die Onboard-Diagnose via OBD II sammelt im Grunde keine Daten zu Ihrem Fahrverhalten und stellt auch keine Blackbox dar, die nach einem Unfall Hinweise auf den Hergang liefern kann. Das System überwacht permanent die abgasrelevanten Parameter und erkennt Fehler (DTC: Diagnostic Trouble Codes), die als Code in verschiedenen Speichern abgelegt werden. Zudem liefert OBD 2 Messwerte zahlreicher Sensoren und Informationen zur Parametrisierung der Daten und zum Fahrzeug selbst.

Die Daten, die ein Fahrzeug per OBD 2 liefert, sind nicht einheitlich und weichem bei jedem Modell und jeder Motor-/Getriebekombination voneinander ab. OBD 2 sieht zehn Servicemodi (SID: Service Identifier) vor, die unterschiedliche Daten liefern.

SID 1 - Abfrage der vom Fahrzeug unterstützten (verfügbaren) Messwerte

SID 2 - Auslesen Freeze-Frame-Daten: Messwerte im Moment als ein bestimmter Fehler auftrat

SID 3 - Permanente Fehlercodes auslesen

SID 4 - Alle Fehlercodes löschen

SID 5 - Testwerte der Lambdasonde

SID 6 - Testwerte spezifischer Systeme

SID 7 - Temporäre Fehlercodes auslesen

SID 8 - Test der On-Board-Systeme

SID 9 - Fahrzeuginformationen auslesen

SID 10 - Dauerhafte Fehlercodes auslesen

SID 9 liefert unter anderem die Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN). Diese kann nur vom Hersteller geändert werden und muss zum Fahrzeug passen. Beim Gebrauchtwagenkauf bietet sich so eine gute Möglichkeit zu prüfen, ob die Daten mit den Papieren und den Angaben an der Karosserie übereinstimmen.

Vor allem SID 1 liefert viele interessante Daten: Hierüber können Sie Messwerte von Sensoren auslesen und diese zur Fehlersuche benutzen oder sich auch einfach permanent während der Fahrt anzeigen lassen, um genauer informiert zu sein. Vor allem angesichts dessen, dass in vielen Fahrzeugen inzwischen Instrumente eingespart werden, können Sie so fehlende Daten wieder zur Anzeige bringen.

Ein Großteil der Werte ist eher für Techniker relevant, weil sich an ihnen erkennen lässt, ob Abweichungen vom Idealzustand vorliegen. Gab es anfangs nur wenige Messwerte (PID: Parameter Identifier) und wurden oft nur etwa zehn Werte unterstützt, sieht die aktuelle Norm um die 100 Werte vor. Allerdings stehen in der Praxis nie alle zur Verfügung. Einige interessante Daten für den Normalfahrer sind:

PID (Hex)

01 - Readiness Code und Status der MIL: immer vorhanden

04 - Motorlast (berechnet). Ein Prozentwert von 0 % bedeutet, dass die Schubabschaltung aktiviert ist, bei Vollgas werden 100 % gemeldet.

05 - Kühlmitteltemperatur. Die Temperaturanzeige unterliegt keiner Korrekturfunktion. Die normale Anzeige im Cockpit zeigt im mittleren Temperaturbereich keine Schwankungen an, um den unbedarften Fahrer nicht zu irritieren (Plateau-Funktion). Es kann sich um die Anzeige der Wasser- oder der Öltemperatur handeln. Welcher Wert es ist, kann nicht ermittelt werden, sondern muss anhand der Umgebungsbedingungen geklärt werden. Bei Dieselfahrzeugen ist es oft Öl.

0C - Motordrehzahl

0D - Fahrzeuggeschwindigkeit. Hier wird der exakte reale Wert angezeigt und nicht der nach oben korrigierte wie auf dem Tacho im Kombiinstrument.

1C - OBD-Kompatibilität des Fahrzeuges: Ob und welche Norm eingehalten wird.

21 - Zurückgelegte Fahrstrecke seit dem die MIL leuchtet. Dies kann relevant sein, wenn die MIL schnell blinkt und zum sofortigen Aufsuchen einer Werkstatt auffordert, dem aber nicht nachgekommen wurde.

51 - Derzeit vom Fahrzeug benutzter Treibstoff. Interessant für Hybridfahrzeuge.

5B - Ladung der Hybridbatterie in Prozent

5E - Treibstoffverbrauch

5C - Motoröltemperatur

62 - Aktuelles Drehmoment

75 - Temperatur des Turboladers. Vor allem nach längerer Belastung sollten der Motor und der Turbo kurz abkühlen, bevor der Motor abgestellt wird.

77 - Temperatur Ladeluftkühler

7D - NOx-Überwachung. Hier wird aufgezeigt, ob sich die Abgase im gesetzlichen oder herstellerspezifischen Grenzbereich befinden.

7E - Feinstaub-Überwachung

So merkwürdig es sich anhören mag, aber der Spritverbrauch war anfangs nicht als Messwert vorgesehen. Einige OBD-Geräte bieten allerdings eine Berechnung des Momentanverbrauchs an. Diese beruht auf der Luftmenge durch den Luftmassenmesser, einigen anderen Messwerten und der Annahme, dass die Motorelektronik stets bemüht ist, ein Luft-Treibstoffgemisch von Lambda = 1 (Benzin) beziehungsweise >1,3 (Diesel) einzustellen. Wird der Kraftstofftyp nicht eingestellt, ist die Berechnung ungenau – ebenso bei vielen weiteren Nebenbedingungen wie beispielsweise der Abgasrückführung oder außerhalb des Regelbetriebs (magere oder fette Gemischbildung).

Die genormten Fehlercodes werden immer unterstützt. Es kommt auf den Fehler an, ob und wie die Motorkontroll-Leuchte vorliegende Fehler signalisiert – nicht jeder Fehler ist gleich kritisch. Es kann also durchaus sein, dass Fehler erkannt wurden aber die MIL nicht leuchtet. Zudem werden Fehler auch wieder gelöscht, wenn sie eine gewisse Zeit nicht mehr auftraten. Es gibt temporäre und permanente Fehler, die getrennt gespeichert werden. Diese kann jeder auslesen und auch löschen. In der aktuellen Norm gibt es zudem einen Speicher, in dem die Fehler nur vom Diagnosesystem selbst wieder gelöscht werden, wenn der normale Fehlerspeicher gelöscht wurde und die eingetragenen Fehler daraufhin nicht mehr auftreten.

Die Fehlercodes bestehen aus einem Buchstaben, gefolgt von einer vierstelligen hexadezimalen Zahl – es können also auch die Buchstaben A bis F enthalten sein. Die Codes dienen nicht der unmittelbaren Reparaturhilfe, sondern geben an, wo im System eine Abweichung erkannt wurde. Fehler P0301 weist beispielsweise auf Fehlzündungen in Zylinder 1 hin – woran das liegt, muss dann vom Techniker diagnostiziert werden.