Handyhalter im Test: Wer hat die Kommunikation im Griff?

Handyhalter können zu den wirklich nervenden Ärgernissen im Auto gehören. Viele sind schlicht ihr Geld nicht wert. Eine Kaufberatung

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(Bild: Christian Lorenz)

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  • Christian Lorenz
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Vor allem Fahrer älterer und/oder preiswerterer Fahrzeuge kennen die Problematik Handyhalter. So scheinbar gering die Anforderungen an ein Plastikteil sind, in das man sein Smartphone einklemmt, so selten werden sie in der Praxis erfüllt. Für die meisten Nutzer sind Handyhalter eine ständige Quelle von Frust und Ärger. Wer ohne eine gewisse Vorbereitung ein Produkt kauft, wird nur mit Glück keinen Plastikmüll erhalten. Für diesen Test haben wir uns folgende Modelle angesehen:

Magnethalter

  • Hama Universal-Smartphone-Halter (Magnet)

Klemmhalter

  • Hama „Gravity-Pro“-Halterung
  • Choetech Fast Wireless Charger (Car Vent Mount)

Saugnapfhalter

  • Hama Universal-Halter-Set
  • Belkin Universal-Autohalterung

Erste zu klärende Frage ist, ob man sein Smartphone hochkant oder quer ins Auto hängen möchte. Für das Querformat scheiden viele Halter nämlich von vornherein aus. Hinzu kommt, dass die meisten Handyhalter in der Praxis nicht so funktionieren, wie es die Produktbeschreibung verspricht.

Etwas außerhalb der Konkurrenz ist der Universalhalter mit Ladevorrichtung von Choetech zu sehen, da dieser noch im Testzeitraum von einer überarbeiteten Version ersetzt wurde. Viele der Kritikpunkte, die wir hier anmerken, wurden dabei gezielt beseitigt. Trotzdem haben wir den "alten" Halter als Beispiel für neuralgische Punkte im Test lassen wollen. Am Beispiel des Urmodells lässt sich, meiner Meinung nach, sehr gut zeigen, worauf man beim Kauf achten sollte.

Ganz korrekt müsste man eigentlich von „sogenannten Handyhaltern“ sprechen, denn den Grund ihres Daseins, das Handy zuverlässig an der vorgesehenen Position zu halten, erfüllen sehr viele nicht. Wenn ein zu schwacher Halter ein quer positioniertes Handy binnen Minuten Richtung hochkant abdreht, ist das angesichts vieler Erfahrungen noch fast als lässliche Sünde zu werten.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten, wie ein Handyhalter im Fahrzeug montiert wird. Die Saugnapf-Halterung ist für die Frontscheibe oder die Oberkante des Instrumententrägers vorgesehen. Für den zweiten Fall liegt in der Regel ein Aufkleber mit einer besonders glatten Oberfläche bei. Ob er sein Cockpit allerdings mit so einem Kleber penetrieren möchte, muss jeder selbst wissen. Für mich und meine Autos kam das nicht infrage.

Noch verbreiteter als Saugnapf-Montage für Handyhalter ist die Klemmhalterung für die Lüftungsdüsen. Bei manchen Modellen sind sowohl Anbauteile für Saugnapf- als auch Klemmmontage beigelegt. Grundsätzlich ist das Anklemmen an der Lüftungsdüse vorzuziehen. Dort hält der Handyhalter in der Regel fest. Viele Saugnapfhalterungen halten hingegen gar nicht, aber auch die seltenen guten Modelle sind nur zufriedenstellend fest. Eine Montage am Lüftungsgitter kommt aber nicht bei allen Fahrzeugen infrage. Die Klemmmontage funktioniert nur dann gut, wenn das Armaturenbrett ein klassisches Lüftungsgitter mit breiten, stabilen Querstreben aufweist. Bei meinem BMW 3er E46 sind Anordnung und Beschaffenheit der Lüftungsgitter ideal.

Handyhalter Teil 1 (18 Bilder)

Die klassische Handyhaltung findt an der Windschutzscheibe per Saugnapf statt. Wie bei diesem Universal-Handyhalter der Firma Hama.
(Bild: Christian Lorenz)

Mein Alfa Romeo GTV6, Baujahr 1980, hat am linken und rechten Ende des Armaturenbretts zwar Lüftungsrosetten mit sternförmig angeordneten Streben. Das würde nur geringfügig mehr Fummelei bei der Montage bedeuten. Aber in der Mitte des Armaturenbretts finden sich im Mailänder Keil gar keine Lüftungsgitter. Es gibt sie hier nur flach oben auf dem Armaturenbrett für die Scheibenbelüftung. Klemmhalter sind für dieses Fahrzeug also nicht brauchbar. Eine gute Handyhalterung soll zwei widerstreitende Eigenschaften miteinander verbinden.

In Martins Mercedes C-Klasse gab es eine besondere Herausforderung: Die runden Lüftungsdüsen sind horizontal beweglich und nicht darauf ausgelegt, ein so hohes Gewicht sicher zu verankern. Je weiter der Halter das Smartphone von der Lüftungsdüse platziert, desto mehr verschärft sich das Problem - schlicht, weil der Hebel größer wird.

Das Handy soll natürlich fest halten, aber zudem auch schnell, ohne Fummelei und vor allem ohne Abnutzungserscheinungen an Telefon, Halter und vor allem Fahrzeugcockpit entnehmbar sein – und das quasi millionenfach. Überzeugt hat in dieser Hinsicht der magnetische Universal-Smartphone-Halter von Hama. Er ist angenehm unauffällig und kompakt. Das Cockpit des Fahrzeugs wird nicht mit einem unästhetischen Plastikteil verschandelt. Die Handhabung ist genial. Beigelegt ist eine selbstklebende Magnetfolie für die Rückseite des Smartphones.

Ich habe ihn einfach zwischen Handy und Zubehör-Schutzschale gelegt. Der Magnet leistet dann ganz Arbeit. Das Handy hält sowohl quer als auch hochkant fest. Es fiel im Testzeitraum nur ein Mal ab. Getestet wurde mit einem iPhone X in der kompakteren Form. Bei größeren, schwereren Handys wie den iPhone-Plus-Versionen dürfte der Magnethalter aber an seine Haftungsgrenzen kommen.

Einen anderen Ansatz verfolgt Hama bei der „Gravity Pro“-Halterung. Sie nutzt allein das Gewicht des Handys. Mit einem Zieh-Harmonika-System verbundene Halteelemente ziehen sich automatisch zusammen, wenn das Handy hochkant eingelegt wird. Das funktioniert, das Handy lässt sich schnell und problemlos herausnehmen und man braucht keinen Magnetaufkleber. Das macht diesen Halter interessant für Firmenwagen oder in Familien etc. wo nacheinander mehrere verschiedene Handys fixiert werden sollen.

Eine relativ preiswerte Lösung für die Hochkant-Montage am Lüftungsgitter ist der Einstiegs-Halter von Choetech, der zusätzlich induktiv laden kann. Es ist praktischer den USB-Stecker in der Zigarettenanzünderdose ein- und auszustecken. Als ständig am Handy selbst mit dem Ladestecker zu hantieren. Im Alltag nervt der Choetech-Plastikhalter, wie bei seiner Preisklasse leider zu erwarten, mit seiner schlechten Verarbeitung. Irgendwo klemmt immer etwas. Der Mini-USB-Ladestecker an der Rückseite des Halters hielt zunächst gar nicht und erfüllte seinen Zweck erst, nachdem er mit einer Zange aus dem heimischen Werkzeugkasten optimiert worden war.