Japanische Werkzeugkiste auf Maß bauen

Die Maße der Konstruktion sind variabel, so kann man diese raffinierte Kiste so stabil und groß oder leicht und kompakt bauen, wie man sie braucht. So geht's.

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Von
  • Peter König
Inhaltsverzeichnis

In der Make-Ausgabe 3/21 zeigen wir ab Seite 116 Schritt für Schritt, wie man sich eine Werkzeugkiste im japanischen Stil selber tischlert. Hier zeigen wir ergänzend, wie man die nötigen Maße für alle Einzelteile selbst ermittelt, ausgehend von dem, was am Ende in der Kiste aufbewahrt oder transportiert werden soll.

Make Sonderheft: Loslegen mit Holz

Wenn du das zugrunde liegende Berechnungsverfahren verstehen willst, erklären wir es dir im Abschnitt "Das Berechnungsverfahren". Für alle, die aber nur am Ergebnis interessiert sind oder auf keinen Fall Rechenfehler machen wollen, haben wir auch zwei Tabellendateien vorbereitet. Die gibt es hier zum Download und sie lassen sich mit Excel oder OpenOffice/Libre Office Calc öffnen.

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Die erste Tabelle ( Standard.xlsx ) ist für den einfachen Fall gedacht, dass alle Teile aus Material derselben Stärke geschnitten werden sollen, so wie bei der Beispielkiste aus dem Heft. Dieses Rezept passt gut für Kisten ab etwa 40cm Innenraumlänge und Material von mindestens 20mm Stärke.

Trage bei dieser Tabelle einfach bei "Wunschliste" die Materialdicke und die gewünschten Innenmaße deiner Kiste ein. Dann erscheinen in der Zuschnittliste die Fertigmaße aller benötigten Teile. Die Breiten von Deckelstrebe, Deckelanschlag und Griff sind hier mit 40mm fest eingetragen, für den Überstand der oberen Anschläge sind ebenfalls fest 40mm eingkalkuliert – das passt in der Praxis, entspricht dem Beispiel aus dem Heft und du kannst deshalb auch die Maßangaben für das Platzieren der Deckelanschläge aus dem Heftartikel 1:1 übernehmen.

Im Abschnitt "Kontrollmaße" siehst du außerdem, wie lang, breit und hoch die fertige Kiste über alles wird – möglicherweise ist das entscheidend, ob sie in deinen Kofferaum oder unter deine Werkbank passt.

Ein weiteres wichtiges Kontrollmaß ist die Länge der Öffnung. Denn wenn das größte Teil, was in die Kiste soll, nicht nur lang, sondern auch reichlich breit und hoch ist, dann ist diese Öffnungslänge wichtiger als die Länge des Innenraums. Andernfalls hätte das Teil zwar am Ende drinnen genügend Platz, man bekommt es vielleicht aber nicht mehr hineinbugsiert! Das ist etwa dann der Fall, wenn die Kiste später nur einen einzigen Gegenstand aufnehmen soll, etwa eine Werkzeugmaschine oder einen Roboter, ohne viel Luft drum. Erweist sich nach Ausfüllen der Tabelle also die Länge der Öffnung als zu kurz, addierst du einfach die fehlenden Zentimeter auf die Länge des Innenraums in der Wunschliste drauf.

Animation, die zeigt, wie der Deckel eingesetzt wird (Quelle: Texturen: Naoki Kim/Shutterstock.com und captureandcompose/Shutterstock.com)

Die zweite Tabelle ( Erweitert.xlsx ) ist für den Fall gedacht, dass nicht alle Teile aus gleich starkem Material gefertigt werden sollen oder können – etwa wenn Restholz zum Einsatz kommt oder der Korpus aus recht dünnen Brettern (deutlich weniger als 20mm) gebaut werden soll, was sich bei kleineren Kisten anbietet. In diesem Fall ist es sinnvoll, zumindest die beiden Griffe aus mindestens 20mm bis 30mm starkem Holz zu sägen (dafür kann man übrigens auch prima Stücke fertig gehobelter Kanthölzer nehmen), damit die Finger genügend Platz zum Greifen haben. Deshalb gibt es in dieser Tabelle bei der Wunschliste Felder für mehrere Materialstärken, außerdem solche für die Breite von oberen Deckelanschlägen, Deckelstrebe und Griffe sowie für den Überstand der oberen Endstücke. Dafür zeigt die Tabelle neben der Zuschnittliste und den Kontrollmaßen auch noch die Längen der beiden Laschen für den Deckel an – wichtig, um die Deckelanschläge richtig zu platzieren, damit der Schiebemechanismus später so funktioniert wie gedacht. Und damit gar nichts schiefgeht, gibt es außerdem eine Liste mit den nötigen Schraubenlängen, damit die nicht am falschen Ende wieder aus dem Holz heraustreten und du dich daran vielleicht verletzt.

Wer genau wissen will, was diese Begriffe alle bedeuten, kommmt allerdings nicht umhin, sich mit dem Berechnungsverfahren im Detail zu beschäftigen – und das kommt jetzt.