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Kaufberatung Kompaktkameras

Es muss nicht immer System sein: Kompaktkameras passen in die Jackentasche und sind sehr flexibel - bildstark dazu.

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Kaufberatung Kompaktkameras

(Bild: Sony)

Aktualisiert am 07.11.2018

Kompaktkameras decken in einem kleinen Gehäuse und einem fest integrierten Objektiv einen großen Brennweitenbereich ab. Und sie liefern eine Bildqualität, die dem Smartphone deutlich überlegen ist. Meistens jedenfalls.

Tatsächlich haben die Mobiltelefone gerade dieser Kameraklasse in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. Mit der Folge, dass die günstigen Modelle mit ihren kleinen Bildchips und ihrer mageren Bildqualität nahezu ausgestorben sind. Zu Recht, möchte man schreiben. Denn die Billigkompakten haben den Smartphones tatsächlich wenig entgegenzusetzen, wie unser Vergleich zum Samsung Note 9 (ab 667,99 €) zeigt.

Raten Sie mal: Wo ist die Kompakte, wo das Smartphone? Tatsächlich liegen die Bildergebnisse bei einer ISO-Empfindlichkeit von ISO 800 nahezu gleichauf. Sie können davon ausgehen, dass sie mit beiden Kameras bei ungünstigen Lichtbedingungen matschige Bildergebnisse produzieren. Hier dennoch die Auflösung: Links sehen Sie eine herkömmliche, günstige Kompaktkamera mit kleinem 1/2,3 Zoll Chip; Rechts steht das Samsung Note 9 dessen Kamerasensor fast genauso groß ist.

Um zu überleben, haben sich die Kompakten professionalisiert, was sich in größeren Bildsensoren und einer gehobenen Ausstattung äußert. Das ist prinzipiell eine gute Nachricht für Fotografen, die keine Folgekosten für Wechselobjektive an der Backe haben wollen, aber dennoch auf eine gehobene Bildqualität und Flexibilität Wert legen. Allerdings sind die hochwertigen Kompaktkameras allesamt keine Schnäppchen mehr. Mindestens 350 Euro sollten Sie einplanen. Etliche Modelle knacken sogar die 1000-Euro-Marke.

Mit ein paar wenigen Tipps und Hinweisen behalten Sie den Durchblick im Online-Shop oder Elektronikfachmarkt und finden die Kompakte, die zu Ihnen passt.

Trotz aller Software-Spielereien gilt: Je größer der Bildsensor, desto besser das Bild.

Bei gleicher Megapixelzahl stellen größere Chips mehr Platz pro Pixel zur Verfügung. Diese können so in einer bestimmten Zeit mehr Photonen einfangen, die elektronische Impulse auslösen, die später zur Bildinformation umgewandelt werden. Das wirkt sich positiv auf das Rauschverhalten der Kamera aus, aber auch der Dynamikumfang wird durch eine größere Pixel optimiert. Bei ungünstigen und schwierigen Lichtverhältnissen – wie in der Dämmerung oder bei Gegenlicht – sorgen größere Sensoren für rauschärmere und besser durchgezeichnete Fotos. Nicht zuletzt erhöhen sie den gestalterischen Spielraum mit Unschärfe, die viele Mobiltelefone künstlich in ihre Bilder hineinrechnen. Nicht umsonst machen einige Smartphone-Hersteller ihre Werbefotos lieber gleich mit einer Spiegelreflexkamera.

Sensorgrößen im Vergleich

Wenn Sie sich mit ihren Fotos tatsächlich vom Mobiltelefon absetzen wollen, dann schauen Sie nach einer Kompaktkamera, die mindestens mit einem Sensor im Format Typ-1-Zoll arbeitet. Mit seinen Maßen von 13,2 × 8,8 Millimetern ist er flächenmäßig fast fünfmal so groß wie ein normaler Smartphone-Chip. Zu den Anbietern dieser Typ-1-Zoll-Kompakten gehören Canon (G3-X-, G5-X-, G7-X- und G9-X-Serie), Panasonic (LX-, TZ- und FZ-Serie), Sony (RX-Serie) -- und auch Leica. Andere namhafte Hersteller wie Nikon oder Olympus sind hier nicht vertreten.

Mittlerweile finden wir bei den Kompakten sogar noch größere Sensoren: So bietet Panasonic mit der LX100 (II) (ab 750 €) ein Modell an, dass mit einem Four-Thirds-Sensor (17,3 × 13 Millimeter) arbeitet wie er in den spiegellosen Systemkameras der Micro-Four-Thirds-Familie steckt. Canon (G1-X-Serie) und Fujifilm (X100- und XF10-Familie) setzen sogar APS-C-Sensoren ein, wie sie in klassischen Spiegelreflexkameras stecken. Noch exotischer wird es bei Sony und Leica (und Zeiss), die ihre besonders hochwertigen Kompaktkameras mit Vollformatchips (36 × 24 Millimeter) ausstatten – Technik aus Profi-Spiegelreflexkameras.

Mehr zum Thema: Kaufberatung spiegellose Systemkameras

Brennweite und Lichtstärke des Objektivs entscheiden, wie flexibel Sie sind.

Neben dem Sensor entscheidet natürlich vor allem das Objektiv über die Bildqualität und darüber, wie flexibel Sie mit ihrer Kamera arbeiten können. Relativ häufig finden sich bei den hochwertigen Kompaktkameras moderate 3- oder 4-fach Zooms. Damit decken sie einen vielseitigen Brennweitenbereich ab, der sich sowohl für Landschaftsfotografie als auch für Porträts eignet. Meist handelt es sich um Kleinbild-äquivalente 24 bis 70 Millimeter.

Es gibt allerdings auch Brennweitenausreißer: Kameras wie die Sony RX100 VI, die Panasonic TZ202 (ab 648 €) oder Canons G3 X (ab 749 €) bieten in ihren noch handlichen Gehäusen deutlich mehr Brennweitenspielraum mit 8-, 15- und 25-fach Zoomobjektiven. Damit sind sie gerade auf Reisen deutlich bessere Begleiter, denn sie holen auch den exotischen Vogel auf dem Baum formatfüllend ins Bild.

Auf den Objektiven der Kompaktkameras drucken die Hersteller auch die Angabe zu dessen Lichtstärke ab. Das Objektiv der Panasonic Lumix öffnet sich in diesem Fall in Weitwinkelstellung auf Blende (f/)1.7, in Telestellung schafft es noch Blende 2.8. Diese Blendezahl beschreibt das Öffnungsverhältnis des Objektivs, das unter anderem auch abhängig von der Brennweite (f) ist.

Exotisch sind auch Festbrennweiten, die nur einen Bildwinkel bieten. Sie richten sich an Fotografen, die sich Motive gerne erlaufen und entschleunigt fotografieren wollen. Genießer, die lieber einen Moment verstreichen lassen, als ein schlechtes Foto zu machen. Besonders Fujifilm hat sich mit seiner X100F (ab 1309 €) darauf spezialisiert. Aber auch die besonders teuren Vollformatkompakten wie die Leica Q (ab 3790 €)arbeiten mit nur einer Festbrennweite.

Dazu sollten Sie ein Auge auf die Lichtstärke des Objektivs haben, die meist direkt auf diesem ablesbar ist: Als gute Anfangswerte gelten f/1.7 bis f/2.8. Eine höhere Lichtstärke bringt mehr Gestaltungspotenzial mit Unschärfe und ermöglicht gleichzeitig kürzere Verschlusszeiten, was vor allem bei ungünstigen Lichtbedingungen hilfreich für scharfe Bildergebnisse ist.

Mehr zum Thema: Kaufberatung Objektive

Bridgekameras wie die Nikon P1000 haben große Gehäuse und ein Objektiv mit besonders großem Zoomfaktor - in diesem Fall 125-fach.

Normalerweise sieht eine Kompaktkamera so aus, wie sie heißt: Hosen- oder Jackentaschen-tauglich. Mit den Bridgekameras gibt es jedoch einen Spezialfall. Sie sehen aus wie klassische Spiegelreflexkameras und haben ein entsprechend großes Gehäuse, das sehr sicher in der Hand liegt, aber schon eine eigene Tasche braucht. Neben dem DSLR-ähnlichen Body zeichnen sie sich durch extrem hohe Brennweitenbereiche aus, mit denen Sie auch den Mond oder den weit entfernten Löwen formatfüllen auf den Sensor bannen.

Brennweitenspitzenreiter sind hier unter anderem Nikons P1000 (ab 956,68 €) mit einem 125-fachen Zoom und einer maximalen Brennweite von 3000 Millimeteren sowie Canons PowerShot SX70 (ab 509 €), die es auf einen 65-fachen Zoom und eine Brennweite von 1365 Millimeter bringt. Tatsächlich scheinen Fotografen hier für alle Möglichen Disziplinen mit nur einen Kamera gerüstet zu sein, doch den Titel "Eierlegende Wollmilchsau" haben diese Modelle dennoch nicht verdient. Obwohl sie neue Freiheiten erschließen, haben sie auch deutliche Schwächen.

Zum einen arbeiten sie noch mit kleinen 1/2,3-Zoll-Sensoren wie sie auch schon einigenin Smartphones stecken, zum anderen sind die Objektive ob des riesigen Brennweitenspielraums ein einziger Kompromiss. In unseren Tests liefern diese Kameras gerade im Telebereich eher weiche, kontrastarme Bildergebnisse.

Mittlerweile gibt es auch in dieser Klasse Modelle mit dem größeren Typ-1-Zoll-Sensor wie die Sony RX10 (IV) (ab 1648,89 €) oder die Panasonic FZ2000 (ab 839 €). Allerdings sind die Zoomfaktoren mit 20 oder 25 weniger spektakulär, dafür sind die Objektive lichtstärker.

Mehr zum Thema: Test: Bridgekamera Panasonic FZ2000

Filter, Video, WLAN: Achten Sie auf die Zusatzfunktionen, die zu Ihnen passen.

Haben Sie sich über Sensorgröße und Brennweite Gedanken gemacht, lohnt noch ein Blick auf die weitere Ausstattung. Hier setzen die Kamerahersteller verschiedene Schwerpunkte. Um sich von den Smartphones abzusetzen, führen Sie neben schwenkbaren Touchscreens und elektronischen Suchern noch viele weitere Spielereien ins Feld: Nahezu alle Kompaktkameras bieten verschiedene Filter für besonders satte Farben, Schwarzweiß- oder Comic-Looks an. Gerade Fujifilm-Kameras etwa ahmen gezielt die Anmutung alter analoger Filme nach.

Auch Automatiken für Makro- und Sternenfotografie gehören mittlerweile zum Standard. Panasonic hält hier mit 4K-Foto sogar eine Spezialität bereit. Aus Bilderserien kann man hier gezielt einzelne Aufnahmen herauslösen und abspeichern, um beispielsweise schnelle Bewegungsabläufe zu erfassen. Auch Videografen sind bei dem Hersteller gut aufgehoben. Sony schickt sich hier ebenfalls an, einen professionellen Workflow zu bieten. Etliche Canon-Kompakte erstellen automatische Video-Tagebücher.

Mit dem Smartphone kompatibel sind heute nahezu alle hochwertigen Kompakten, denn sie haben WLAN, NFC oder sogar Bluetooth mit an Bord. Über die passenden Apps für das Smartphone lassen sie sich damit unter anderem fernsteuern oder tauschen Bilder aus.

Kameras wie die Olympus TG-5 gehören zu den Outdoorkompaktkameras. Sie sind besonders robust. Dieses Exemplar überlebt beispielsweise Tauchgänge bis in eine Tiefe von 15 Meter und Stürze aus einer Höhe von 2 Metern. Dazu ist sie frost- und bruchsicher. Die TG-5 hat dazu noch allerhand Extras an Bord wie einen Modus für Makrofotografie und Mikroskopie.

(Bild: Canon)

Soll es eine besonders robuste Kamera sein, die auch am Strand, auf ausgiebigen Wintertouren oder in Kinderhänden nicht schlapp macht, muss eine Outdoorkompaktkamera her. Das Angebot hat sich in den vergangenen Jahren etwas ausgedünnt und wird heute von Nikon, Olympus, Panasonic und Ricoh dominiert. Deren toughe Modelle haben gemeinsam, dass sie wasserdicht, bruchsicher, sturzfest und auch frostsicher sind.

Bei Outdoor-Kameras, die mit unter Wasser sollen, sind eine hohe Lichtstärke und der Weitwinkelbereich entscheidend. Unter Wasser gibt es eine Brennweitenverlängerung. Wasser hat eine höhere Brechzahl als Luft, die Kamera lichtet unter Wasser alle Gegenstände ein Drittel größer und ein Viertel näher ab. Achten Sie deshalb auf eine Optik, die mindestens einen Weitwinkelbereich von 28 mm erreicht. Da Wasser Licht zudem anders absorbiert als Luft, empfiehlt es sich außerdem, eine lichtstarke Optik mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 oder besser zu wählen. Da ist das Angebot dann schon recht dünn – unter anderem die Nikon Coolpix W300 (ab 333 €) sowie die Olympus TG-5 (ab 389 €) leisten das. (ssi)

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