Kaufberatung Powerbanks: Unterwegs Strom tanken

Powerbanks laden Smartphones, Kopfhörer und Laptops, betreiben Kameras oder kommen mit Zusatzfunktionen. Wir zeigen wichtige und überflüssige Features.

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  • Moritz Jäger

Powerbanks sind praktische Begleiter, die Smartphones, Tablets und Notebooks unterwegs aufladen können. Es gibt sie in fast allen Größen, Formen und Farben. Einige arbeiten zugleich als Taschenlampe, andere haben einen integrierten WLAN-Hotspot samt NAS, wieder andere bieten neben USB-Anschlüssen eine Steckdose oder integrierte Solarzellen.

In diesem Beitrag zeigen wir die verschiedenen Arten von Powerbanks und geben allen, die sich für die Geräte interessieren, vernünftige Ratschläge bei der Wahl der passenden Powerbank an die Hand.

Während die Ladungsmenge starker Akkus, etwa aus Laptops, gewöhnlich in Amperestunden (Ah) angegeben wird, wählen Hersteller von Powerbanks meist die Angabe in Milli-Amperestunden - wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, weil 5000 mAh auf der Packung besser aussieht als 5 Ah. Wer die Angabe in Wattstunden umrechnen möchte, der muss die mAh mit der Spannung in Volt (V) multiplizieren (und durch 1000 teilen), also mAh * V / 1000 = Wh. Wichtig hierbei: Bei der Berechnung muss man die Nennspannung der Akkuzellen verwenden (meist 3,7 oder 3,8 Volt), nicht die Ausgangsspannung. Die Kenntnis der Wh ist etwa bei der Entscheidung wichtig, ob die Powerbank mit in den Flieger darf. Die Lufthansa erlaubt beispielsweise insgesamt 100 Wh im Handgepäck. Keine Angst, das ist relativ viel, die wenigsten wirklich tragbaren Powerbanks erreichen diese Grenze. Die Geräte sollten aber immer im Handgepäck mitfliegen – mehr Tipps zum Umgang mit Powerbanks im Flieger bei tipps+tricks.

Neben der Ladung ist wichtig, wie viel Spannung die Powerbanks pro Anschluss liefern. Das entscheidet mit darüber, welche Geräte laden oder ob genügend Strom für den Betrieb von Verbrauchern wie USB-Kameras oder einem Raspberry Pi bereitsteht. 5V sind normal, das ist beim Laden per USB mindestens notwendig. Spannend wird es, wenn die Powerbanks die Funktionen Quickcharge (QC) und Power Delivery (PD) unterstützen. Dann nämlich kann die Powerbank die Nennspannung am jeweiligen Ausgang nach oben drehen, in der Theorie sind bis zu 20 V maximal möglich. Tatsächlich hängt die Leistung aber stak von der Qualität des Spannungswandlers ab. Ist dieser zu billig, "frisst" er viel Leistung und gibt sie unerwünscht als Wärme ab. Es kann also durchaus sein, dass eine Powerbank zwar auf dem Papier die notwendige Leistung liefert, beim Endgerät aber nicht genügend ankommt. Mehr dazu weiter unten im Text.

Für einige Projekte relevant ist die Durchladefunktion. Das sogenannte Charge Through fehlt bei günstigen Powerbanks oft. Sehr einfach gesagt sorgt dieses dafür, dass die Powerbank und angeschlossene Geräte gleichzeitig laden. Das ist beispielsweise dann wichtig, wenn ein USB-Verbraucher ohne direkten Zugang zum Stromnetz betrieben werden soll, wie etwa eine Kamera in einem Nistkasten ("Make hat 'ne Meise: Tagebuch aus einem Online-Nistkasten“ und "Fernseh-Star").

Bei den Anschlüssen gilt: Je mehr Steckplätze die Powerbank hat, desto flexibler ist der Nutzer beim Laden. Mit USB-A macht man selten etwas verkehrt. Wer neuere Geräte laden möchte, der sollte mindestens einen USB-C-Ladeport mit im Gerät haben.

Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, bauen einzelne Hersteller mehr oder weniger sinnvolle Zusatzfunktionen in die Powerbanks ein. Populär ist etwa, eine Solarzelle auf der Oberseite der Geräte zu installieren. Das klingt wie eine gute Idee, tatsächlich ist der Wirkungsgrad aber gering und die Qualität stark schwankend. Eine brauchbare Lösung bietet die Voltcraft SL-5 (Testbericht), die bei einem Tag Sonneneinstrahlung immerhin eine halbe Ladung fürs Smartphone bereitstellen kann. Dass Größe nicht alles ist, zeigt die Hiluckey Hi-S008A (Testbericht). Das im Vergleich zur Voltcraft-Powerbank doppelt so große Solar-Panel lud im Test weniger Energie als die SL-5. Mehr Informationen zu Solar-Ladern und anderen Stromspendern (darunter tragbare Wasserkraftwerke, Brennstoffzellen oder Grills) gibt es im c’t-Artikel "Strom aus der Natur".

Solarzellen sind aber nicht die einzigen Erweiterungen. Im Test stellten sich kleine LED-Lampen als überraschend sinnvolles Zusatz-Feature heraus. Sie machen die Powerbank zur praktischen Taschenlampe. Exotischer dagegen ist ein integrierter WLAN-Hotspot samt NAS wie ihn die Powerbank von Filehub Plus (Testbericht) liefert. Immerhin: Wer will, der kann auf dem Gerät OpenWRT installieren.

Cleverer ist da schon das kabellose Laden per Qi-Standard. Damit lädt ein aktuelles Smartphone, eine Apple Watch oder eine passende Maus, sobald sie auf der Powerbank liegt. Dabei kommt es aber teilweise zu bis zu 30 Prozent Verlust, viel Energie verwandelt sich in Wärme. Qi oder andere Funktionen zum kabellosen Laden sind daher nett, wir würden im Zweifel aber immer per Kabel laden.

Nur weil eine Powerbank einen USB-C-Anschluss besitzt, bedeutet es leider nicht, dass sie jedes Notebook mit USB-C lädt. Wie oben bereits beschrieben, ist die Ausgangsspannung bei vielen Geräten zu niedrig, um ein Notebook zu laden. Abhilfe schaffen Powerbanks mit dem Power-Delivery-Zusatz. Über Power Delivery (PD) können die Powerbanks mit den zu ladenden Geräten aushandeln, dass Strom in einer höheren Spannung fließt. Das setzt nicht nur voraus, dass beide Geräte PD-kompatibel sind, sondern benötigt zudem spezielle USB-C-Kabel mit eigenem Chip für PD. Nur wenn alle Geräte in der Kette mitspielen und PD unterstützen, dann funktioniert das Laden.

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Insgesamt haben die beiden Powerbanks XTPower XT-20TC und RavPower PD Pioneer 20000 mAh 60 W im Test den besten Eindruck hinterlassen. Sie konnten alle Test-Notebooks (Apple MacBook Air, Dell XPS 13, Dell XPS 15 und Samsung Galaxy Book S) mit voller Leistung laden. Das Modell von XTPower bietet zusätzlich ein informatives Display sowie einen zusätzlichen USB-A-Anschluss, der zudem Qualcomms Quickcharge unterstützt. Der Nachteil: Es fehlt ein passendes Kabel, um die volle Leistung zu übertragen. Überhaupt sparen sich die meisten Hersteller diese Kabel, entsprechend sollte man sie gleich beim Kauf mit in den Wagen werfen. Passende Kabel tragen Bezeichnungen wie „mit E-Mark-Chip", "60 W 20V/3A Power" oder "100 W 20 V/5 A Schnellladung". Die Kabel kosten etwa bei Amazon um die 10 Euro.

Fünf Powerbanks mit Power Delivery für Notebooks im Vergleich (5 Bilder)

Anker PowerCore+ PD 45W

  • inklusive 60-W-Netzteil
  • robustes Gehäuse
  • kein Quick Charge

Wer keine USB-C-Schnittstelle an seinem Notebook hat oder neben dem Laptop noch andere Geräte betreiben will, der sollte sich Powerbanks mit Steckdose oder Rundstecker ansehen. Ein Beispiel dafür ist die Xtorm AL480 (Testbericht). Die hat neben USB-A und USB-C zusätzlich eine Schuko-Steckdose. Zwei Dinge müssen Nutzer allerdings beachten: Die Powerbank liefert eine Rechteckspannung statt einer Sinusspannung, nicht alle Geräte kommen damit zurecht. Zudem zeigt sich im Test, dass durch die Umwandlung in 230 V Wechselspannung Verluste von bis zu 40 Prozent entstehen. Das dürfte für alle Powerbanks mit diesem Feature gelten. Dennoch: Wer mit einer Powerbank möglichst viele Geräte mit Strom versorgen will, der kann sich diese speziellen Varianten der Powerbanks ansehen. Deutlich weniger Verluste entstehen bei Powerbanks mit Rundstecker. Ein Beispiel für diese Geräte ist die Maxoak K2 (Testbericht). Dank der mitgelieferten Stecker versorgt sie die meisten Notebooks ohne USB-C.

Steckt in den Powerbanks wirklich die Kapazität, die aufgedruckt ist? Hat das Powerbank-Schnäppchen wirklich PD, oder ist das schlicht gelogen? Besonders bei günstigen Modellen kommt es immer wieder vor, dass Verkaufsversprechen und Realität nicht übereinstimmen. Wer auf Nummer sicher gehen will, der kann mithilfe von USB-Messadaptern selbst prüfen, wie sich die Powerbanks verhalten. Je nach Ausführung messen diese kleinen Tools die Spannung und summieren auf, wie viel Energie übertragen wird. Zudem können sie die Schnellladefunktionen abfragen, sofern der passende Chip vorhanden ist. c’t-Experte Rudolf Opitz hat den knapp 35 Euro teuren Adapter Qway U2p getestet. Neben diesem Produkt gibt es noch Alternativen, Messgeräte wie der Ruideng UM24C (Testbericht) funken die Daten beispielsweise per Bluetooth an Android-Smartphones oder iPhones.

Wer richtig tief in die Materie einsteigen und selbst ein Messgerät bauen möchte, dem empfehlen wir den Make-Artikel Kapazitätsmessgerät für Powerbanks und Akkuzellen.

Powerbanks sind sinnvolle Gadgets für alle, die sicherstellen wollen, dass ihre mobilen Geräte unterwegs mit Strom versorgt sind. Am einfachsten ist die Wahl für alle, die einfach nur ein Smartphone laden möchte. Alle Powerbanks, egal welcher Preisklasse, reichen dafür locker aus. Interessenten müssen dabei bestenfalls darauf achten, ob USB-C direkt gewünscht ist – das war es auch schon. Schwieriger wird es, wenn es Verbraucher mit höheren Anforderungen zu versorgen gibt. Wer regelmäßig Laptops unterwegs aufladen will, der sollte etwas mehr Geld investieren und Powerbanks samt passender Kabel mit PD-Zertifizierung einkaufen.

Die Exoten mit Zusatzfunktionen sollten Käufer genau prüfen. Solarzellen klingen sinnvoll, enttäuschen in der Realität aber. Filesharing mag eine coole Funktion sein, etwa um unterwegs Bilder zu sichern. Wessen Smartphone Quickcharge oder PD unterstützt, der sollte auf die entsprechenden Funktionen achten. Wem das nicht reicht, der kann vielleicht gleich sein Auto zum mobilen Büro umrüsten oder eine Werkzeugkiste in einer Solar-Ladestation verwandeln.

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Update: Erläuterung der Umrechnung von mAh in Wh korrigiert und präzisiert (Nennspannung der Akkuzellen vs. Ausgangsspannung). (moja)