Luftkünstler: Tipps für Videoaufnahmen mit DJI-Drohnen

Drohnen des Herstellers DJI erlauben bereits mit ihren Automatikfunktionen sehenswerte Luftaufnahmen. Wir erklären die wichtigsten Handgriffe.

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(Bild: Budimir Jevtic/Shutterstock.com)

Von
  • Ludwig Gundermann

Drohnen werden heutzutage vielfältig eingesetzt. Drohnen des Herstellers DJI verfügen über eine lobenswerte Automatikfunktionen. In manchen Situationen liefert die manuelle Steuerung per App jedoch professionellere Ergebnisse.

Betrachte ich meine Drohnenvideos am PC, wirken die Kamerabewegungen oft schneller und hektischer als gedacht. Mit welchen Einstellungen kann ich dem entgegenwirken, sodass die Videos professioneller wirken?

Hierzu betreiben Sie Feintuning unter dem Tab "Steuerung" und der Option "Erweiterte Gimbal-Einstellungen". Mit den Standardeinstellungen übersetzt die App Ihre Fingerbewegungen oft zu direkt. Um diese zu glätten, verändern Sie die Werte für "Nickgeschwindigkeit" auf 10, "Nick-Geschmeidigkeit" auf 4, die "Giergeschwindigkeit" auf 25 und die "Gier-Geschmeidigkeit" auf 75.

Bei Bedarf können Sie die Parameter separat für den "Normal"-, "Sport"-und "Cinematic"-Modus ändern und weiter anpassen. Der Normal-Modus eignet sich ideal für Einsteiger, da er agiles Flugverhalten und sensible Gimbal-Bewegungen mit einer reduzierten Fluggeschwindigkeit kombiniert. Der Cinematic-Modus schränkt Agilität, Gimbal- und Fluggeschwindigkeit stark ein und sorgt für sanfte Schwenks. Der Sportmodus ermöglicht hohe Geschwindigkeiten mit einer sensibel reagierenden Steuerung.

Zeitlupen: Bei Bildraten über 60 fps nimmt die Bildqualität der meisten DJI-Drohnen sichtbar ab.

(Bild: Bild: DJI Fly-App)


Meine Drohne will manchmal nicht weiterfliegen, obwohl kein Hindernis in der Nähe ist. Woran liegt das und mit welchen Optionen kann ich das verhindern?

Im Tab "Sicherheit" des "…"-Menüs der App DJI Fly stehen Optionen zu den "Maßnahmen zur Hindernisvermeidung" bereit. Wählen Sie hier "Umleitung", so umfliegt ihre Drohne ein erkanntes Hindernis automatisch. Die Option "Bremsen" sorgt für einen sofortigen Stopp der Drohne in der Luft, wenn Sie diese näher als etwa fünf Meter an ein Hindernis heranfliegen.

In vielen Flugsituationen funktioniert die Sensor-Automatik zuverlässig, es gibt jedoch Ausnahmen: etwa wenn Sie zu dicht an Baumkronen vorbeifliegen oder Nebel aufzieht, den die Drohne als Hindernis einstuft. Da der Nebel die gesamte Drohne umhüllt, kann sie keine Alternativroute berechnen und stoppt selbst im Modus "Umleitung" automatisch. Dasselbe kann Ihnen etwa durch einen Vogelschwarm passieren.

Stationäre AeroScape-Systeme erkennen die Positionen von DJI-Drohnen und ihren Piloten im Umkreis von 50 Kilometern.

(Bild: Bild: DJI)

Um dies zu verhindern, schalten Sie die Hindernisvermeidung "Aus". Tun Sie dies jedoch nur, wenn Ihr Sichtkontakt zur Drohne nicht eingeschränkt ist. Achten Sie darauf, die "Hindernisvermeidung" nach dem Flug wieder einzuschalten, damit die Drohne beim nächsten Start nicht unverhofft in ein Hindernis kracht.

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Wie kann ich mir alle Flugverbotszonen in der DJI-App anzeigen lassen und was gibt es zu beachten?

Die Mobil-App DJI Fly zeigt auf ihrer Karte Flugverbotszonen an, die etwa Kasernen oder Stadien markieren. Um in den hellblauen Zonen fliegen zu dürfen, brauchen Sie in der Regel das Fernpilotenzeugnis A2, eine Drohnen-Haftpflicht, die Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde und des Grundstückseigentümers. Um Ärger mit Behörden zu vermeiden, tippen Sie beim "Startbildschirm" auf "Empfohlene Flugzone". In der Suchmaske der den Karte geben Sie den gewünschten Flugort ein. Nun sehen Sie rote "Flugbeschränkungsgebiete" (zentrale Flughäfen) und blaue "Autorisierungszonen" (erweitertes Flughafengelände).

Um jedoch tatsächlich alle Flugverbotszonen zu sehen, müssen Sie auf das "i-Symbol" klicken. Schalten Sie die gelben "Warnzonen" ein, die Flugverbotszonen bei Krankenhäusern (Heli-Ports) anzeigen. Dasselbe gilt für die hellblauen "gesetzlich beschränkten Flugzonen". Beim Flug in einer eingeschränkten Zone gibt die App eine Warnung aus. Um in einem roten Flugbeschränkungsgebiet fliegen zu können, muss der Nutzer unter www.dji.com/flysafe eine Lizenz beantragen. Dazu muss er die Erlaubnis einer Behörde einreichen. Die persönliche Freischaltlizenz ist an die Seriennummer der Drohne gekoppelt und muss vor dem Start über die App an diese übertragen werden.


Es fällt mir schwer, die "automatische Rückkehrhöhe" und die "maximale Flughöhe" der jeweiligen Umgebung anzupassen: Entweder dauert die Rückkehr zu lange oder ich befürchte Kollisionen mit der Umgebung. Welche Einstellungen geben mir mehr Sicherheit für den Flug und genügen den gesetzlichen Vorgaben?

Im "…"-Menü der App DJI Fly definieren Sie die "Autom. Rückkehrhöhe": Verlieren Sie den Funkkontakt zur Drohne, fliegt diese, je nach Einstellung, automatisch zurück zum Startpunkt ("Return to Home"). Dabei sollte die Drohne so hoch wie nötig und so tief wie möglich fliegen, um keine wertvolle Akkuladung zu verlieren.

Um eine optimale Rückkehrhöhe zu ermitteln, schauen Sie sich in der Umgebung um und schätzen die Höhe von Bäumen und Häusern mit einem Försterdreieck ab. Dazu suchen Sie sich einen Stock von der Länge Ihres Arms und halten ihn mit ausgestrecktem Arm senkrecht in die Höhe. Wenn Sie die Spitze eines Hauses oder Baums mit der Spitze des Stocks anpeilen, dann entspricht Ihr Abstand zum Hindernis in etwa dessen Höhe. Schlagen Sie zur Sicherheit noch 10 bis 20 Meter drauf und tragen den Wert unter "Autom. Rückkehrhöhe" in der App ein.

Unter "Max. Flughöhe" stellen Sie höchstens "120 m" ein. Mehr ist laut Bundesministerium für Digitales und Verkehr in Deutschland (BMDV) ohne Genehmigung nicht erlaubt. In manchen gelb markierten Warnzonen kann die erlaubte Flughöhe jedoch deutlich darunter liegen. Wenn Sie sich einer solchen Zone nähern, gibt die App Ihnen Anweisungen, was zu tun ist. Mit einer zu niedrigen maximalen Flughöhe schränken Sie Ihre Drohne bei Flugmanövern und Perspektiven hingegen unnötig ein.


Ich fliege öfter bei niedrigen Temperaturen. Dabei bin ich überrascht, wie viel schneller meine Akkus im Winter leer sind. Wie kann ich Ladezyklen, Temperaturen sowie Spannungen meiner Akkus überprüfen? Gibt es Tricks, damit diese länger durchhalten?

Speziell im Winter sollten Sie unter "Akkuinfo" kurz vor jedem Flug prüfen, ob die Akkus mindestens 20 °C und genügend Spannung vorweisen. Tipp: Tragen Sie an kühlen Tagen Ihre Akkus immer in warmen Taschen. Ist die Umgebungstemperatur unter 0 °C, rät DJI von einem Drohnenflug ab, auch wenn etwa die "Mavic Air 2(S)" und "Mavic 3" bis −10 °C fliegen dürfen. Ein Grund sind vereiste Rotoren, die das Flugverhalten der Drohne negativ beeinflussen können. Ist es etwas wärmer als 0 °C, prüfen Sie im Schwebeflug, ob die Akkuspannung unter "Akkuinfo" für 30 Sekunden stabil bleibt.

Betätigen Sie bei Temperaturen unter 10 °C die Steuerknüppel beim Flug möglichst sanft, um schnelle Spannungsabfälle zu vermeiden. Fallen Ihnen diese unter "Akkuinfo" auf, kann es sich neben zu niedrigen Temperaturen auch um einen defekten Akku handeln. In solchen Fällen landen Sie die Drohne und tauschen den Akku aus.

Auch im Sommer ist die "Akkuinfo" hilfreich: Vergessen Sie Ihre Akkus in einem erhitzten Auto (Brandgefahr), so kühlen Sie diese im Schatten herunter. Testen Sie vor dem nächsten Flug, ob DJI Fly bei "Akkuinfo" weniger als 40 °C anzeigt. Ist dies der Fall und Sie erkennen keine äußeren Verformungen des Akkus, sollte dieser wieder flugbereit sein.

Bei gebrauchten Akkus können Sie über "Akkuinfo" auch die Anzahl der Ladezyklen und die Spannungsstabilität prüfen. So enttarnen Sie neben defekten Akkus auch Fehlinformationen von Online-Verkäufern.


Ich habe die meisten Drohnenvideos in 4K aufgenommen. Für Social Media sind mir die Videos und Upload-Zeiten aber zu groß. Wie kann ich Zeit und Speicherplatz sparen?

Die App DJI Fly bietet per Videofunk ("DJI OcuSync") neben der Bildkontrolle auch eine kontinuierliche HD-Aufnahme an, direkt auf Ihr Smartphone. Durch die stärkere Kompression gegenüber dem SD-Karten-Material lassen sich diese Videos an vielen Smartphones flüssig bearbeiten. Kleinere Videodateien teilen Sie zudem schneller auf sozialen Medien. Wollen Sie von einem Event direkt aus der Luft berichten, ohne Laptop und SD-Karte, so ist diese Option unerlässlich.

Bei den meisten DJI-Drohnen können Sie unter dem Menüpunkt "Übertragung" zwischen "HD" (1080p) und "Smooth" (720p) wählen. Einige Piloten wählen "Smooth" in der Hoffnung, ihre Drohne präziser zu steuern. Theoretisch benötigt die reduzierte Videoauflösung eine geringere Bandbreite, was ein flüssigeres Bild ermöglicht, vor allem bei Distanzen über 300 Meter zur Drohne. Da Sie in Deutschland jedoch nur in Sichtweite fliegen dürfen, kommen Sie kaum in Situationen, wo die Funkverbindung so schlecht ist, dass Sie von einer reduzierten Bandbreite profitieren. Zudem sehen die aufgenommenen 720p-Videos verpixelt aus. Der schärfere "HD"-Modus eignet sich besser für den Upload auf sozialen Plattformen.

Bei Problemen mit wenig Speicherplatz oder Abstürzen der App können Sie die "Max. Kapazität des Zwischenspeichers" für die Videoaufnahmen auf 2 GByte reduzieren. In der Konsequenz speichert DJI Fly weniger Videomaterial auf Ihrem Telefon, bevor es altes Material mit neuem ersetzt. Um ungewolltes Überschreiben zu verhindern, kopieren Sie die Videos nach dem Flug mit dem Dateimanager des Telefons vom "DJI Album" in einen anderen Ordner. In 1080p-Auflösung lässt sich mit dem 2-GByte-Limit etwa eine Stunde Video aufzeichnen. Die maximalen 16 GByte reichen für etwa acht Stunden.


Oft sehen meine Videos auf dem Smartphone gut aus und dann folgt die Enttäuschung am PC: Der Himmel ist ausgebrannt oder Bäume versinken im Schatten. Wie bekomme ich die Belichtung besser in den Griff?

Gerade auf Smartphone-Bildschirmen an hellen Sommertagen ist die Belichtung oft schwer beurteilbar. Darum können Sie unter dem Tab "Kamera" die Bedienungshilfe "Histogramm" einstellen. Es hilft Ihnen, Über- und Unterbelichtung zu vermeiden (Clipping), selbst wenn Ihr Bildschirm geringe Kontrast- und Helligkeitswerte aufweist.

Die App DJI Fly zeigt Ihnen ein "einfaches Histogramm" mit der Verteilung der Gesamthelligkeit für jedes Pixel an und nicht für die Farben Rot, Grün oder Blau. Links sind die dunkleren, rechts die helleren Pixel dargestellt. Entsprechend liegen die rein schwarzen am äußersten linken (Unterbelichtung) und die rein weißen am äußersten rechten Rand (Überbelichtung). Besitzt das Bild viele dunkle Bereiche, so sind die Balken auf der linken Seite am höchsten. Weist das Bild überwiegend helle Bereiche auf (Flug über Schneefelder), sind die Balken auf der rechten Seite am höchsten.

Bemerken Sie, dass eine Unterbelichtung vorliegt, so tippen Sie beim Kamerabildschirm auf das "EV-Icon" und stellen einen höheren Wert ein (+0,3 bis +2,0), bis die hohen Balken am äußersten linken Rand des Histogramms verschwinden. Bei einer Überbelichtung nutzen Sie einen negativen Wert (−0,3 bis −2,0), bis keine Balken mehr am ganz äußeren rechten Rand existieren.

Das beste DJI-Bordmittel gegen falsche Belichtung: das platzsparende und präzise Histogramm.

(Bild: Bild: DJI Fly-App)


Mediamarkt und Saturn haben den Verkauf von DJI-Drohnen eingestellt, weil der Hersteller angeblich russische Truppen im Ukraine-Krieg unterstützt. Stimmt das?

Der chinesische Hersteller DJI ist der weltweit größte Anbieter ziviler Drohnen. Eingesetzt werden sie unter anderem für Video- und Filmaufnahmen, zum Objektschutz oder in der Katastrophenhilfe. Aber auch Militärs kaufen zuweilen zivile Drohnen, weil sie über Distributoren auf dem freien Markt günstig in hohen Stückzahlen zu beschaffen sind. Eingesetzt werden sie hauptsächlich zur Aufklärung. Von Haus aus tragen sie keine Waffen, allerdings soll beispielsweise der Islamische Staat (IS) Drohnen so modifiziert haben, dass sie Granaten abwerfen.

Es existieren zahlreiche Berichte, nach denen DJI-Drohnen sowohl von der Ukraine als auch von Russland im Ukraine-Krieg eingesetzt werden. Die Zelensky-Regierung forderte gar Privatpersonen auf, das Militär mit zivilen Drohnen zu unterstützen. Wissenswertes zur Rolle von Drohnen im Ukraine-Krieg haben wir für Sie zusammengefasst.

DJI bietet Behörden ein System namens AeroScope an, das Positionen aller DJI-Drohnen und ihrer Piloten auf einer Karte zeigt. Kleine mobile Empfänger haben eine Reichweite von 5 Kilometern, große stationäre Systeme decken bis zu 50 Kilometer ab. Letztere verkaufte DJI auch an Russland und die Ukraine. Eingesetzt wurden sie etwa zum Schutz von Flughäfen und Atomkraftwerken, aber auch im Syrien-Krieg.

Die für zivile Einsätze konzipierten AeroScope-Systeme arbeiten laut Hersteller auch offline und ließen sich deshalb nicht aus der Ferne online deaktivieren. Sie erkennen Positionen von Piloten und DJI-Drohnen ab dem Baujahr 2017, die so zu leichten Zielen für den jeweiligen Kriegsgegner werden. Ältere Drohnenmodelle wurden per Firmware-Update mit einer AeroScope-Erkennung nachgerüstet. Die Positionsbestimmung würde erschwert, wenn Piloten die GPS-Funktionen der Drohnen abschalten.

Um verborgene Flugverbotszonen zu markieren, tippen Sie beim „Startbildschirm“ der App DJI Fly auf „Empfohlene Flugzone“.

(Bild: Bild: DJI Fly-App)

Mykhailo Fedorov, Minister für digitale Transformation in der Ukraine, forderte DJI unter anderem auf, alle DJI-Drohnen, die außerhalb der Ukraine erworben wurden, in der Ukraine per Geofencing zu deaktivieren. Laut DJI ließen sich solche personenbezogenen Drohnenflugverbote technisch jedoch nicht durchsetzen. Die Steuerungs-App DJI Fly verlangt zwar individuelle Lizenzen für Beschränkungsgebiete, zeigt aber lediglich Warnungen an, wenn diese fehlen. Ein generelles Flugverbot sei laut Hersteller nur per Geofencing möglich und würde sämtliche DJI-Drohnen in der Ukraine betreffen. Ein solches Verbot würde DJI auf Wunsch der ukrainischen Regierung per Software-Update ausspielen. Hacker könnten das Verbot aber leicht umgehen, indem sie beispielsweise das Update mit Geofence-Daten nicht einspielen.

Laut DJI wurden Mediamarkt und Saturn Ende März von einer Spam-Welle mit tausenden Mails zum Boykott vom Verkauf von DJI-Drohnen aufgefordert. Der Hersteller distanziert sich vom militärischen Einsatz seiner Produkte und leiste für derartige Zwecke keine Unterstützung. Er halte sich an alle gesetzlichen Regularien und Exportbeschränkungen, würde darüber hinaus aber von sich aus keine Lieferungen an Russland, die Ukraine oder andere Länder aussetzen.

c't Ausgabe 20/2022

(Bild: 

c't 21/22

)

In der c't 21/2022 erfahren Sie alles, was Sie über schnelles, stabiles und energieeffizientes Internet per Glasfaser wissen müssen. Außerdem stellen wir Ihnen Mini-Drohnen vor und klären auf, wie die kleinen Fluggeräte rechtlich einzuordnen sind. Wir testen Notebooks, Grafikkarten und Smartphones und untersuchen Betrugsmachen bei Kleinanzeigen. Das und noch mehr lesen Sie in der aktuellen c't.

(hag)