Objektiv-Modding: Lensbaby-Look mit alten Objektiven nachahmen

Das Lensbaby-Objektiv mit seiner knappen Schärfe war ein Überraschungserfolg. Diesen Look kann man mit alten Objektiv nachahmen, wenn man sie ein wenig umbaut.

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Im Nahbereich erscheint der Swirl-Effekt bei dreidimensionalen Objekten im Hintergrund besonders stark ausgeprägt.,

Im Nahbereich erscheint der Swirl-Effekt bei dreidimensionalen Objekten im Hintergrund besonders stark ausgeprägt.

Von
  • Bernd Kieckhöfel
Inhaltsverzeichnis

Ob Roger Deakins vom Lensbaby inspiriert wurde, ist nicht bekannt. Der britische Kameramann überraschte in "The Assassination of Jesse James" (auf Deutsch "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford") mit ungewöhnlichen Szenenwechseln. Der Film entstand 2005 mit einem geschätzten Budget von 30 Millionen Dollar. Auf der Suche nach besonderen Effekten für ausgewählte Überblendungen experimentierte Deakins zunächst mit verschiedenen Linsen vor einem 50-Millimeter-Objektiv. Zur Umsetzung seiner Ideen wandte er sich an Otto Nemenz, eine Hollywood-Legende für Kameratechnik. Der Begriff "Deakinizier-Lens" etablierte sich in der Filmwelt und markiert möglicherweise den Beginn professionellen Objektiv-Moddings. Attribute wie dreamy, spotfokus, zoomblur und teardrop-bokeh charakterisierten den Look.

Do-it-Yourself: Foto-Equipment

Erstaunlich viele solcher Eigenschaften offeriert ein modifiziertes Pentacon-29-Weitwinkelobjektiv, wenn man die Frontlinse ausbaut und umgedreht wieder einsetzt. Der minimalinvasive Eingriff erzeugt dramatisch veränderte Abbildungseigenschaften. Schlichter formuliert gleicht dieser Look der Wahrnehmung, wie sie nach überreichlichem Alkoholkonsum entstehen kann: mittig scharfes Sehen, ansonsten stark verschwommen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Modding-Tipps überzeugt die alte DDR-Optik weiterhin mit passabler zentraler Schärfe, gutem Kontrast und einfacher Handhabung. Der Schärfeverlauf lässt sich durch leichtes Abblenden fein austarieren, ohne viel vom eigenwilligen Rendering außerhalb der Bildmitte zu verlieren. Entscheidend für die Effekte sind das vorhandene Licht sowie der Abstand zum Motiv: Viel Licht und geringe Distanz sorgen für extreme Ausprägungen. Da der Schärfefleck nur mittig positioniert werden kann, erfordert die Bildkomposition Vorausschau. Dafür ist treffsicheres Fokussieren einfacher als mit einem Tilt-Objektiv wie dem Lensbaby. Die Brennweite von 29 Millimetern ergibt selbst am MFT-Sensor einen Bildwinkel, der noch fast einer Normalbrennweite entspricht und zahllose Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Der M42-Anschluss macht das Objektiv an zahlreichen Kameras adaptierbar.