Raspberry Pi als WLAN-Accesspoint oder Bridge nutzen

Ein Raspi lässt sich mit der Software RaspAP bequem zu einem drahtlosen Accesspoint umwandeln. Mit etwas Handarbeit pimpt man ihn optional zu einer Bridge.

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(Bild: Michael Plura)

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Wireless Accesspoints (AP) verbinden Smartphones, Tablets und Computer per WLAN mit dem kabelgebundenen Netzwerk (LAN) und stellen so die Verbindung zum Internet her. Der Handel bietet APs bereits für weniger als 20 Euro an. Wer aber den billigen Geräten vom Discounter nicht traut, mehr Funktionalität und Kontrolle haben oder sein Netzwerk besser verstehen möchte, der kann sich auf Basis eines Raspberry Pi und der Software RaspAP im Handumdrehen einen AP selbst aufbauen. Ist das erledigt, klinkt man den Raspi per Ethernetkabel an den LAN-Zubringer – fertig.

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Rein technisch betrachtet, eignet sich ein Raspberry Pi eigentlich nur bedingt für diese Aufgabe: Einem Zuviel an Rechenleistung steht ein Zuwenig an I/O-Durchsatz gegenüber. Aber für alle, die noch einen Raspi in der Schublade liegen haben, ist der Aufbau eines einfachen APs ein tolles Bastelprojekt. Es lässt sich mit Modellen jeder Raspi-Baureihe (1/2/3/4) umsetzen. Die B-Modelle besitzen bereits den dafür nötigen Ethernet-Anschluss. Die Raspberrys 3 B+ und 4 bringen darüber hinaus integriertes WLAN mit. Die Baureihen 1 und 2 kommen ohne WLAN, hier ist ein zusätzlicher USB-WLAN-Adapter nötig. Diesen bietet der Handel ab circa 7 Euro an. Besitzer von Raspis der A-Generation müssen noch den Kauf eines USB-Ethernet-Adapters für circa 5 Euro einplanen.

Kleine Raspi-WLAN-Kunde

Der kleine gräuliche Klotz über "Made in the UK" ist die WLAN-Antenne eines Raspberry Pi Version 3B. Für die Größe ist sie erstaunlich gut, für mehr Sende- und Empfangsleistung sollte ein WLAN-USB-Stick mit Antenne benutzt werden.

(Bild: Michael Plura)

Ab Version 3 besitzen alle Raspberry Pi-Modelle ein kombiniertes Bluetooth-/WiFi-Modul, beim Modell 3B arbeitet es nach WLAN 802.11 b/g/n (2,4 GHz), beim 3B+ und 4 nach WLAN 802.11 b/g/n/ac (2,4 & 5 GHz). Der unscheinbare Chip (BCM43438) befindet sich auf der Unterseite des Boards direkt neben dem SD-Karten-Slot und wirkt wie schwarz verspiegelt. An derselben Stelle, aber auf der Oberseite des Boards – zwischen Kamera-Port, GPIO und Bohrloch – befindet sich ein heller kleiner Block.Das ist die Antenne. Man muss kein ausgebildeter Funktechniker sein, um zu erahnen, dass die Sende- und Empfangsleistung dieses winzigen Antennengebildes eher am unteren Ende des Möglichen anzusiedeln ist. Eine Buchse für eine externe Antenne sucht man beim Raspberry Pi leider vergeblich. Im Internet gibt es Anleitungen, bei denen der winzige Antennen-Chip entfernt, ein wenig Lötstoppmaske für eine Masse-Verbindung freigekratzt und so eine Mini-Koaxbuchse aufgelötet wird. Eine daran angeschlossene externe Antenne erzeugt eine deutlich bessere Funkqualität.

Der WLAN-Chip beim Raspberry Pi 3 und 4 ist über einen eigenen SDIO-Kanal an den Prozessorkern angeschlossen – das sorgt für eine schnelle Datenübertragung und beansprucht keine Bandbreite auf dem USB-Bus. Beim Raspberry Pi 3 kann die Ethernet-Schnittstelle so den USB-Bus komplett für sich nutzen, beim Raspberry Pi 4 ist sogar das wichtige Ethernet mit einer dedizierten Verbindung an die CPU angeschlossen. Daraus folgt, dass es bei einem Raspberry Pi 3 ein WLAN-USB-Adapter mit größerer Antenne zwangsläufig zu einem Engpass auf dem USB-Bus führt - während das auf einem Raspberry Pi 4 kein Problem darstellt. Auf dem Raspberry Pi 3 treibt man so den Teufel in Form schlechter Signalqualität mit dem Beelzebub in Form des USB-Flaschenhalses aus. Man muss also abwägen: Für einen einzigen Raum reicht das Onboard-Antennchen vollkommen aus, hier kann man von der Trennung von WLAN und USB-Bus profitieren. Um auch Wände oder längere Strecken zu überwinden, ist ein WLAN-USB-Adapter nötig, was zu verringertem Datendurchsatz führt.

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Unser Access-Point-Projekt setzt auf die Software RaspAP. Sie verspricht einfaches AP-Setup und WiFi-Management für den Raspberry Pi. Das Open-Source-Projekt läuft unter der GNU-GPL3-Lizenz und steht auf Github zum Download zur Verfügung.

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