Ratgeber Dachbox: Kauf, Montage, Beladung - Auf was Sie achten sollten

In der Ferienzeit geht vielen der Platz im Auto aus. Eine Dachbox erscheint oft als die Lösung. Hier finden Sie, wie Sie böse Überraschungen vermeiden

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Dach Boxen sind eine praktische Erweiterung nach oben. Bei Kauf, Montage und Beladung muss aber einiges beachtet werden.

(Bild: Florian Pillau)

Von
  • Christian Lorenz
Inhaltsverzeichnis

Der Vorteil von Dachboxen liegt auf der Hand – oder auf dem Dach, möchte man sagen. Wer mit der Geräumigkeit seines Fahrzeugs an seine Grenzen kommt, hat damit noch viel Luft nach oben. Doch worauf muss man beim Kauf einer Dachbox achten? Welche Vor- und Nachteile schlummern in den mehr oder weniger unförmigen Kisten? Der Autor machte einen Selbstversuch. Die Dachbox "Husky Duo Lift" mit 510 Litern Stauraum stellte freundlicherweise die Firma Kamei zur Verfügung.

Das Angebot an Dachboxen ist nahezu unüberschaubar. Die Preisspanne reicht von etwa 200 bis 1000 Euro. Die Suche nach der eigenen Dachbox ist im Wesentlichen von zwei Fragen bestimmt. Auf welches Fahrzeug soll die Box und wie will man sie nutzen. Das wichtigste Kriterium ist immer das Fahrzeug, seine Abmessungen und die erlaubte Dachlast. Bei Fahrzeugen mit großer Heckklappe sollte diese geöffnet und dann die Dachlänge gemessen werden.

Als Testfahrzeug diente ein Mercedes C-Klasse T-Modell aus dem privaten Fundus der Redaktion, weil der als Einziger der Redakteurs-Autos eine Dachreling hat. Die erste Erkenntnis im Test war vielleicht eine Binse. Wer „schnell mal eine Dachbox montieren“ will, wird allerhöchstens teure Schäden, aber niemals eine preiswerte Box aufs Autodach bringen.

Der wichtigste Tipp vorab lautet: Bei Drei- und Fünftürern vor der Montage immer die Heckklappe öffnen! Denn die häufigsten Folgeschäden einer Dachboxmontage finden sich an großen Heckklappen. Ein verkantender Dachspoiler kann bei der Gelegenheit ganze Arbeit leisten und nicht nur sehr hässliche und schwer zu reparierende Schäden an der Heckklappe verursachen, sondern auch gleich die neue Dachbox kaputtmachen. Fahrer klassischer Zwei- und Viertürer im Drei-Box-Design haben dieses Problem nicht.

Sehen Sie in ihren Fahrzeugpapieren nach, wie viel Dachlast ihr Fahrzeug erlaubt. Das ist das erste und wichtigste Kriterium hinsichtlich des Gewichts. Sollten Sie die Dachbox regelmäßig montieren wollen, werden Sie sich aber auch nachhaltig über jedes Kilogramm freuen, das Sie nicht auf das Dach hieven müssen. Eine Dachbox kann zwischen 7 und 25 kg wiegen. Klar ist, dass eine leichtere Dachbox auch nicht so negativ auf das Fahrverhalten auswirkt. Überlegen Sie sich daher gut, was Sie transportieren möchten und wie viel Platz sie wirklich brauchen. Eine möglichst große Box zu kaufen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, ist keine gute Idee.

Zur Montage sollte man zu zweit und entspannt sein. Sinnvoll ist die Installation auch nur für einen mehrwöchigen Urlaub. Danach sollte die Dachbox wieder herunter. Sonst kommt man nicht mehr in einem Stück in die meisten Garagen und schädigt darüber hinaus Umwelt und Geldbeutel mit höherem Spritverbrauch. Mit bis zu 1,5 Liter Mehrverbrauch pro 100 km muss man rechnen. Die immer größer werdende Fraktion der Elektroautofahrer muss sich zudem im Klaren sein: Dachboxen sind Reichweitenminimierer. Der schlechte cW-Wert wirkt sich bei Elektroautos in einem noch höheren Mehrverbrauch aus.

Dachbox Kamei Husky Duolift 500L (13 Bilder)

Der Grundträger kann über den Boxenhersteller, in diesem Fall Kamei, oder über das Zubehörprogramm des Autoherstellers selbst bezogen werden. 

(Bild: Christian Lorenz
)

Für Martin hatte die Idee mit dem Dachboxentest schon binnen weniger Minuten Fahrt mit der Box auf dem Benz merklich an Attraktivität verloren. Das lag nicht nur daran, dass er sein geliebtes Panoramaschiebedach nicht mehr öffnen konnte. Starke Windgeräusche und direkt proportional zur Beladung ansteigende Handlingnachteile ließen ihn zweifeln, wie man automobil derart grobmotorisch veranlagt sein kann, ständig mit einer Box auf dem Dach herumfahren zu wollen.

Zunächst ging es aber darum, die Box überhaupt aufs Dach zu bringen. Sowohl Werkzeug als auch Beschreibung, die Kamei beilegt, erweisen sich in der Praxis als gut brauchbar. Auch solche Leute wie der Autor, die eher zwei linke Hände als technisches Geschick mitbringen, sollten keine größeren Probleme haben. Voraussetzung ist und bleibt aber immer: Zeit einplanen, genaues „Trockenstudium“ der Anleitungen und ein entspannter Helfer.

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Die Idee einen Fake-Drehmomentschlüssel beizulegen, spricht für Humor bei Kamei oder dafür, dass der zuständige Controller erst sehr, sehr spät eingeschritten ist. Der beigelegte Schraubendreher hat eine Drehmomentanzeige, die täuschend echt wie bei einem Drehmomentschlüssel aussieht. Sie ist aber leider nur funktionslose Bemalung.

Beim Rest der Box hat sich der Kamei-Controller glücklicherweise nicht immer durchgesetzt. Liebe zum Detail vermitteln die Gummihauben für überstehende Schrauben. Die sind tatsächlich auch wichtig. Achten Sie beim Kauf einer Box darauf, dass im reisefertigen Zustand keine Schraubenenden aus dem Boden oder sonstige scharfe Kanten in den Laderaum ragen. Sonst drohen hässliche Beschädigungen am Ladegut.

Genauso wichtig für die Sicherheit wie die Auswahl der Dachbox und deren ordentliche Montage ist die richtige Beladung. Wird das Ladegut einfach in die Box geschmissen, ist auch die beste derzeit lieferbare und perfekt montierte Dachbox eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer. Jede Beladung muss mit Antirutschmatten, Spanngurten und gegebenenfalls weichem Material zum Auspolstern gesichert werden (z.B. Decken, Kleidung, Kissen etc.).

Rutschendes Gut in der Box kann schon eine normale Kurve lebensgefährlich machen, wenn das Auto ausbricht und nicht mehr eingefangen werden kann. Dass die Dachlast des Fahrzeugs und die Höchstbeladungsgrenze der Box peinlich genau eingehalten werden müssen, versteht sich von selbst. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen von bis zu 5000 Euro.

Wenn man diese Tipps akribisch beachtet, können Dachboxen sehr praktische Begleiter durch das ganze Autoleben sein. Vielleicht sogar darüber hinaus: Bei einem Markenprodukt wie von Kamei lässt sich die Box relativ preiswert für ein neues Auto umbauen. Das ist dann auch eine nachhaltige Lösung. Wer nicht unbedingt auf das Geld schauen muss, aber gesteigerten Wert auf Komfort, Sicherheit und Praktikabilität legt, kann auch einfach den Grundlastenträger des Autoherstellers kaufen und die Box darauf montieren.

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Nur bei absoluten Discountboxen kann das zu Schwierigkeiten oder Folgekosten führen, weil sie nur auf die Grundträger derselben Marke passen. Adapter für die Träger des Autoherstellers sind zwar erhältlich. Sie sind aber teurer, würden einen vermeintlichen Schnäppchenpreis mehr als wettmachen und man hätte am Ende eine Billigbox mit Billigverarbeitung zum Preis einer hochwertigen Box erstanden.

Für eine gute Box von einem namhaften Hersteller sollten sie nicht viel weniger als 500 Euro einplanen. Eine Premiumbox für 600 bis 1000 Euro kann insofern keine schlechte Anschaffung sein, da sie mit mehr Zubehör wie Spanngurten, Antirutschmatten und Netzen kommt. Deren zusätzliche Anschaffung ist bei billigeren Boxen unbedingt empfehlenswert und kann den Aufpreis zum Topprodukt relativieren.

Auch wer die Box nur selten benutzt, beispielsweise nur für einen bestimmten Trip anschafft, sollte nicht weniger als 300 Euro ausgeben und Testberichte zu dem jeweiligen Modell konsultieren. Grundsätzlich gilt nämlich: Sicherheit kostet Geld. Deshalb sollte man auch dann nicht zu wenig Geld ausgeben, wenn man die Box gezielt für nur einen Trip anschafft. Denn es wäre fatal, wenn dieser wegen zu wenig Investitionsbereitschaft in einem Unfall enden würde. Es lohnt sich, Zeit in die Bezugsquelle zu investieren, denn je nach Anbieter schwanken die Marktpreise für dasselbe Produkt erheblich.

(chlo)