Stabilisierende Löthilfe

Eine Anleitung für die Erweiterung einer dritten Hand zu einer Halterung für den Lötkolben, mit der man auch dann löten kann, wenn die Hände zittern.

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Inhaltsverzeichnis

Es gibt Lötarbeiten, wie die Bestückung von Platinen mit äußerst geringen Bohrabständen, bei denen es darauf ankommt, sehr präzise Lötpunkte zu setzen. Dabei ist eine wirklich ruhige Hand gefragt. Ältere Maker, zuweilen auch jüngere, haben nicht das Glück, diese Voraussetzung zu erfüllen. Daraus resultieren dann Kurzschlüsse und möglicherweise die Zerstörung benachbarter Bauteile.

Um solche Lötarbeiten weiterhin ausführen zu können, habe ich eine Löthilfe entwickelt, mit der man den Lötkolben in einer Halterung direkt über dem Lötpunkt positionieren und dann präzise absenken und wieder anheben kann. Die Halterung des Lötkolbens und alle Teile für die Verbindung der Halterung mit dem Steuerhebel habe ich mit einem 3D-Drucker angefertigt.

(Quelle: Hermann Dengler)

In der Praxis funktioniert die Löthilfe so, dass man zuerst den Lötkolben in der Halterung einsteckt und dann das Stromkabel am Stativoberteil in einer Klammer fixiert. Die Platine befestigt man mit den beiden Krokodilklemmen darunter. Nun senkt man den Lötkolben mit dem Steuerhebel ab, so dass sich die Lötkolbenspitze knapp über der Platinenoberfläche befindet.

In dieser Position richtet man die Lötkolbenspitze auf den Lötpunkt aus und fährt den Lötkolben wieder hoch. Jetzt kann man den Lötkolben einschalten und Lötzinn aufbringen, wenn er auf Betriebstemperatur ist. Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, auf die Lötstelle vor Aufbringen des Lötzinnes eine minimale Menge Lötfett mittels einer Nagelspitze aufzubringen. Danach senkt man den Lötkolben fein dosiert auf den Lötpunkt ab.

Platine und Lötkolbenspitze in der Halterung: Vor dem Löten kann man den Lötkolben ganz präzise ausrichten.

Die Basis unserer Löthilfe bildet eine gekaufte Dritte Hand. Diese nehmen wir auseinander: Zuerst bauen wir alle Komponenten ab, die mit Klemmen befestigt sind. Danach erweitern wir den vorhandenen Standfuß auf mindestens 12 × 12cm. Ich habe dafür einfach eine Siebdruckplatte darunter befestigt. Dann müssen wir die vorhandene Stativstange durch die längere ersetzen.

Die nummerierten Einzelteile der Löthilfe - die Bezeichnungen der Bestandteile stehen im nächsten Bild.

Alle Teile der Löthilfe entsprechend der Nummerierung im vorangegangenen Bild.

Die Einzelteile des Hebels kommen aus dem 3D-Drucker. Die entsprechenden Druckdateien bieten wir zum Download an: Druckdateien für die Löthilfe Nach dem Druck bohren wir zuerst die Löcher für die Gewinde- und Holzschrauben. In die Wippe, die den untersten Teil des Hebels bildet, müssen wir ein Loch für die Maschinenschraube bohren, die zur Befestigung an der Stange dient.

Über der Wippe befindet sich der Zugring. In diesen bohren wir drei Löcher: Zwei einander gegenüber liegende für die Befestigung von Rillenkugellagern im Ring und ein drittes zwischen diesen beiden, in das eine Holzschraube gedreht wird. An dieser Holzschraube wird später der Zugdraht eingehakt.

Dann kleben wir mit Sekundenkleber eine der beiden Sicherungsscheiben oben auf den Zugring. Hierbei müssen wir darauf achten, dass die Oberseite des Zugrings dort ist, wo die Befestigung für den Zugdraht nach links zeigt.

Im nächsten Schritt schieben wir das eine Ende des kurzen Aluminiumrohrs über den Zapfen des Drehpunkts und setzen diesen in die U-Halterung an der Wippe. Dann befestigen wir den Drehpunkt und die Wippe mit der Kunststoffschraube aneinander.

Danach stecken wir die Gabel in das kurze und das lange Aluminiumrohr. Um den Hebel fertigzustellen schieben wir den Zugring mit den beiden aufgeschraubten Rillenkugellagern in die Mitte der Gabel. Dann schieben wir die Wippe und den Zugring über die Stativstange und fixieren die Wippe mit der Maschinenschraube. Für die Stabilisierung während des Aufbaus stützen wir das lange Aluminiumrohr ab.