Strom sparen im Smart Home

Ob Smart-Home-Technik nur Energie verballert oder doch spart, führt regelmäßig zu Diskussionen. Tatsächlich kommt es auf den Einzelfall an.

Lesezeit: 8 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 49 Beiträge
Strom sparen im Smart Home
Von
  • Sven Hansen
Inhaltsverzeichnis

Die Energiepreise explodieren im Winter 2021/2022. Ein guter Zeitpunkt also, um den Energiebedarf in den eigenen vier Wänden zu optimieren und so die Kosten zu senken. Wie und womit das funktioniert, zeigt unsere Artikelserie mit dem Themenschwerpunkt Energiekosten sparen. Dieser Artikel erschien ursprünglich Mitte 2020, behält aber noch heute seine Gültigkeit.

Smart ist alles, was daheim für mehr Komfort, Effizienz oder Sicherheit sorgt und per App übers Internet bedienbar ist. Da die Technik vorgibt, "klug" zu sein, sollte sich mit ihr die ein oder andere Kilowattstunde einsparen lassen, oder?

Die schlechte Nachricht vorweg: Erst mal verbraucht die smarte Technik zusätzlichen Strom, weil sie rund um die Uhr im Einsatz ist und auch im Standby den Stromzähler in Schwung hält. Den vollen Komfort eines smarten Lichtsystems kann man zum Beispiel nur genießen, wenn die Lampen dauerhaft unter Strom stehen, selbst wenn sie kein Licht verbreiten. Sind alle Leuchtmittel im Haus vernetzt, kann sich daraus leicht ein kontinuierlicher Verbrauch von 50 Watt und mehr ergeben, was etwa 130 Euro im Jahr entspricht (wir rechnen mit 30 ct/kWh).

Schwerpunkt: Energiekosten sparen

Auch die vernetzten Lautsprecher von Sonos mit integriertem Sprachassistenten sind allzeit bereit und lassen sich auch für automatische Ansagen oder einen Hausalarm nutzen – mit Standby-Werten jenseits von 4 Watt gehören sie leider zu den Stromverschwendern. Ein schickes 4.1-System mit Sonos Playbar, zwei One und einem Sub kostet 44 Euro Strom pro Jahr. Auch smarte Haushalts- und Küchengeräte können nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn sie im Bereitschaftsmodus sind. Wer eine kluge Lösung anvisiert, die am Ende auch Strom sparen soll, startet also schon mal mit einem Minus durch den Verbrauch an Standby-Strom oder Batterien.

Die Wahrscheinlichkeit des Sparens steigt also, wenn man sich zunächst um die wirklichen Stromfresser im Haus kümmert. Heiz- und Kühlgeräte stehen auf der Liste ganz oben.

Der Kühlschrank muss natürlich durchlaufen, doch ein Sensor im Innern oder ein Stromverbrauchsmonitor in Form eines einfachen Zwischensteckers kann einen warnen, wenn die Tür des Kühlschranks versehentlich offen geblieben ist und Energie sinnlos verpufft. Der Kompressor eines großen Kühlschranks verbraucht durchaus 200 Watt. Ackert er die ganze Nacht gegen die Raumtemperatur an, fehlen am nächsten Morgen 50 Cent im Portemonnaie.

Mit Smart-Home-Zentralen – hier der Homey – lässt sich durch das Steuern und Abschalten von überflüssigen Verbrauchern Strom sparen.

Schaffen es die Kinder partout nicht, Lichter im Zimmer nach dem Verlassen auszuknipsen, kann man mit vernetztem Licht und Bewegungsmelder Geld sparen, indem die Prunkbeleuchtung nur dann strahlt, wenn sich tatsächlich jemand im Raum befindet – theoretisch jedenfalls: Ein Setup aus zwei smarten Birnen (je 7 Watt) mit Bewegungsmelder verursacht jedoch etwa 3,50 Euro Standby-Kosten im Jahr. Für diesen Betrag könnten die zwei Lampen auch einen Monat komplett vor sich hin leuchten. Richtig lohnenswert ist die Sache erst bei sehr renitenten Zöglingen.

Einfache "dumme" Bewegungsmelder gibt es übrigens auch für den Einbau in eine Schalterdose. Bei einem Standby von 1 Watt kann es lohnenswert sein, sie statt eines Wandschalters etwa für die Flurbeleuchtung einzusetzen. Im Garten kann man mit der smarten Beleuchtung tendenziell mehr Geld sparen, da hier meist auch mehr Licht und damit Strom zur Ausleuchtung nötig ist. Außenlichter lassen sich dank astronomischer Steuerung statt nach Tageszeit abhängig vom Sonnenauf- und -untergang schalten. So leuchten sie im Sommer nicht sinnlos gegen die Sonne an.

Auch beim Thema Heizen kann man mit smarter Technik Energie einsparen, beispielsweise indem man Fehlbedienungen durch den Nutzer abfängt. So verpufft die Energie wie im Falle des offenen Kühlschranks sinnlos, wenn die Fenster während der Heizperiode stundenlang gekippt sind. Fensteröffnungssensoren geben immer dann Bescheid, wenn man nur für die Erderwärmung heizt und schalten die Heizung ab. Einfache Thermostate würden sonst wegen der abfallenden Raumtemperatur stumpf Vollgas geben. Der mögliche Gewinn ist schwer zu beziffern. Aber wenn man nach einem langen Arbeitstag bei winterlichen Außentemperaturen in ein molliges Bad mit gekipptem Fenster und glühender Heizung tritt, schmerzt es einen spontan schon vor der Jahresendabrechnung.

Mehr von c't Magazin Mehr von c't Magazin

Kleine, nur bei Anwesenheit geschaltete elektrische Heizelemente können zudem die "große Heizung" entlasten. Eine Infrarotfläche im Bad etwa springt nur dann an, wenn auch jemand vor dem Spiegel steht und sorgt für angenehme Strahlungswärme, auch ohne den Raum komplett auf 25 Grad aufzuheizen.

Wer elektrische Rollläden oder Verdunklungselemente besitzt, kann auch diese zum Energiesparen einsetzen. Der Wetterdienst im Netz weiß schon am Vortag, mit welcher Sonneneinstrahlung zu rechnen ist. Erwärmt die Sonne das Haus, muss die Heizung am Morgen nicht hochfahren. Im Sommer wiederum sorgt die automatische Verdunklung für möglichst kühle Räume.

Bevor man in smarte Klimatechnik investiert, sollte man sein persönliches Heizverhalten hinterfragen. Ein Single, der die Heizung automatisch herunterdreht, wenn er nicht im Haus ist, könnte die Hälfte seiner Heizenergie sparen. Diese Maßnahme hilft aber so gut wie gar nichts bei Familien, wo praktisch ständig jemand anwesend ist. Wer ohnehin die Heizkörper zugedreht lässt und sich auf Erdwärme, Passivhaus oder umliegende Wohnungen verlässt, wird auch mit smarter Heizungstechnik nicht viel sparen können.