Stromerzeugung mit Balkonkraftwerken: der aktuelle Stand

Bürokratische Hürden stehen dem Einsatz von kleinen Photovoltaikanlagen noch immer im Weg, doch es gibt neue Entwicklungen. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

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, Sebastian Müller

(Bild: Sebastian Müller)

Von
  • Jan Mahn
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40 Millionen Haushalte gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland, also schätzungsweise auch so viele Kühlschränke. Ähnlich hoch ist die Anzahl an Breitbandanschlüssen – laut Daten der Bundesnetzagentur dürften an 37 Millionen Internetzugängen ungefähr so viele Router rund um die Uhr laufen. Zusammen mit Smart-Home-Gerätschaften und Standby-Verbrauchern, vor allem aus dem Hi-Fi- und Unterhaltungsbereich, machen sie den Grundverbrauch privater Haushalte aus – in großen Häusern kommen weitere Kleinverbraucher wie Klingeltrafos dazu. Selbst in einer einfach ausgestatteten Wohnung kommen schnell 100 Watt zusammen, die sie zu jeder Tages- und Nachtzeit aus dem Netz bezieht. Im Jahr sammeln sich so 875 Kilowattstunden an. Energie, für die man nach der letzten Preiserhöhungsrunde der Versorger bei 45 Cent pro Kilowattstunde knapp 400 Euro bezahlen muss.

Im Jahr 2022, das sicher noch lange wegen der rapiden Energiepreissteigerungen in Erinnerung bleiben wird, erlebte deshalb eine Idee ihren Durchbruch, die vorher nur einer an Umweltschutz und Energiethemen interessierten Minderheit ein Begriff war: Das Balkonkraftwerk schaffte den Sprung aus der Nische in den Massenmarkt. Im Amtsdeutsch heißen die Geräte "steckerfertige Erzeugungsanlage", anderen sind sie als Mini-PV oder Guerilla-PV bekannt.

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Gemeint sind Photovoltaikanlagen mit einer maximalen Wechselrichterleistung von 600 Watt. Die Besonderheit: Anders als große Anlagen, braucht man keinen Elektrofachbetrieb, um sie anzuschließen. Typischerweise besteht eine Mini-PV-Anlage aus einem oder zwei Photovoltaikmodulen und einem Mikrowechselrichter. Ihr natürliches Habitat ist nicht allein das Dach: Die beiden Module können auch am Balkon hängen, im Garten stehen, an der Fassade installiert werden oder das Dach der Gartenhütte bedecken – aber auch Installationen auf dem Hausdach sind erlaubt. Insgesamt wird die Zielgruppe dadurch größer: Nicht nur Hausbesitzer können mit Sonnenenergie einen Teil des selbst verbrauchten Stroms erzeugen, auch wer in einer Wohnung zur Miete wohnt, kann den Strombezug aus dem Netz reduzieren und damit die Stromrechnung. Module aufhängen, Wechselrichter dahinter schrauben und Kabel in die Steckdose gesteckt.