Vorstellungsgespräch: Tipps für einen gelungenen Auftritt

Das Vorstellungsgespräch ist der wichtigste Schritt des Bewerbungsprozesses. Unsere Tipps helfen Ihnen bei der richtigen Vorbereitung.

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(Bild: stockfour/Shutterstock.com)

Von
  • Stephanie Kowalski

Das Vorstellungsgespräch – endlich steht das lang ersehnte Wort schwarz auf weiß auf Ihrer Einladung. Sie konnten mit Ihrem Bewerbungsschreiben überzeugen. Mit der Möglichkeit, sich dem Unternehmen Ihrer Wahl persönlich zu präsentieren, sind Sie dem neuen Job einen großen Schritt nähergekommen. Jetzt gilt es, diese Chance zu nutzen.

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Inhaltsverzeichnis:

Das Unternehmen, bei dem Sie sich beworben haben, hat sich bei Ihnen gemeldet und will Sie kennenlernen? Dann sollten Sie diese Einladung zum Bewerbungsgespräch so bald wie möglich beantworten.

Denn auch in diesem Schritt des Bewerbungsprozesses kann man mit der richtigen Vorgehensweise punkten.

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Bereits mit einer zeitnahen Bestätigung können Sie einen ersten guten Eindruck hinterlassen. Damit ist am selben oder am nächsten Tag gemeint – ein späterer Zeitpunkt könnte auf den Personaler wie Desinteresse wirken.

Wenn Sie schnell antworten signalisieren Sie damit Interesse und vermitteln dem Personaler, dass Sie professionell und strukturiert kommunizieren und arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt spielt es allerdings keine Rolle, ob Sie den vorgeschlagenen Termin wahrnehmen, verschieben oder absagen müssen. Ihr Ziel ist zunächst die Rückmeldung.

Falls Sie telefonisch eingeladen werden, können Sie bereits zu diesem Zeitpunkt zum Terminvorschlag Stellung nehmen. Vergessen Sie aber nicht, sich den Namen des Ansprechpartners, Datum, Uhrzeit und Ort des Vorstellungsgesprächs und/oder die Dauer des Termins zu notieren – Sie wollen schließlich pünktlich und gut vorbereitet erscheinen.

Wie detailliert Sie Ihre Bestätigung als E-Mail formulieren ist Geschmackssache. Überlegen Sie, ob es für Sie noch offene Punkte gibt, die die Einladung nicht erwähnt hat. Im Gegensatz zum Telefongespräch haben Sie beim Verfassen der E-Mail Zeit – achten Sie also auf Orthografie und Interpunktion.

Sie wurden zum Assessment-Center eingeladen und nicht zu einem Vorstellungsgespräch? Hierbei handelt es sich um ein Auswahl- und Beurteilungsverfahren. Im Assessment-Center werden die Teilnehmer für die Eignung einer bestimmten Position getestet. Das Auswahlverfahren besteht aus mehreren Runden und kann dementsprechend auch mehrere Tag dauern.

Hier absolvieren Sie als Einzelperson oder in Gruppen verschiedene Auswahlgespräche, Rollenspiele, Tests und Übungen. Mittelständische Unternehmen, aber auch Konzerne greifen, gerne zu dieser Methode, um das passende Personal zu finden. Aufgrund der vielen Anforderungen, die das Assessment-Center an seine Teilnehmer stellt, sollte man sich vorab gut über das Unternehmen informieren und sich auf die unterschiedlichen Aufgaben einstellen. Doch auch wer ein Bewerbungsgespräch absolviert, muss sich gut vorbereiten.

Bis zum Bewerbungsgespräch werden Sie sicherlich einige Tage – oder vielleicht sogar Wochen – Zeit haben. In diesem Zeitraum können Sie sich in Ruhe auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten.

Wer einen positiven und bleibenden Eindruck beim Gesprächspartner hinterlassen will, sollte an seiner Körpersprache, Gestik und Mimik arbeiten. Wenn Sie möglicherweise vorhandene schlechte Angewohnheiten für das Vorstellungsgespräch abstellen können, haben Sie gute Chancen den Personaler zu beeindrucken.

Üblicherweise findet das Vorstellungsgespräch im Sitzen statt. Hier kann Ihre Körperhaltung dem Personaler viel über Ihre Stimmung und Persönlichkeit verraten: Wer es sich zu gemütlich macht, weist damit auf mangelnden Respekt hin. Sie sitzen mit dem Oberkörper eingeknickt auf dem Stuhl? Dann wird Ihre Stimme unter Umständen kaum zu verstehen sein. Sie sitzen gerade auf der Stuhlkante? Auf den Personaler wirken Sie damit unsicher. Besser ist es, wenn Sie die gesamte Sitzfläche nutzen und eine offene Sitzhaltung einnehmen.

Bei der Gestik sollten Sie darauf achten, Ihre Gesten nicht zu übertreiben, sondern auf natürliche Art und Weise zu nutzen. Tabus wie Kratzen, Spielen mit Fingernägeln und das Armeverschränken sind zu vermeiden. Mithilfe einer inhaltlichen Vorbereitung können Sie bereits vorab einschätzen, welche Gestik funktioniert. Bei all den oben genannten wichtigen Hinweise gilt: Gehen Sie diese in der Vorbereitung durch, blockieren Sie sich im Vorstellungsgespräch jedoch nicht dadurch. Vertrauen Sie auf Ihre Vorbereitung und konzentrieren Sie sich auf das Gespräch.

Als Eisbrecher eignet sich immer ein freundliches Lächeln. Über die Mimik kann Ihr Gegenüber erkennen, wie Sie selbst zum Gesagten stehen und wie groß Ihr Interesse an der Stelle tatsächlich ist. Setzen Sie ein dezentes Lächeln auf, wenn Sie sprechen oder wenn Sie Ihrem Gegenüber während des Zuhörens Rückmeldung geben.

Um zum Gespräch pünktlich zu sein, ist es wichtig, dass Sie den Ort vorab in Erfahrung bringen. Das Vorstellungsgespräch findet in der Stadt statt, in der Sie leben? Dann haben Sie zwar einen Heimvorteil, viel Zeit für den Weg einzuplanen ist jedoch nicht verkehrt. Denn auch in diesen Fällen kann man schnell im Stau stehen oder von Problemen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln betroffen sein.

Das Bewerbungsgespräch findet in einer anderen Stadt statt? Reisen Sie am besten einen Tag vorher an und übernachten Sie im Hotel. So können Sie fit und ausgeruht am Gespräch teilnehmen. Liegt die Stadt in einer Distanz, die die Anreise am gleichen Tag möglich macht, sollten Sie auch hier genug Puffer einplanen. Falls Sie sich Gedanken über die Finanzierung von Fahrt- und Übernachtungskosten machen: Viele Unternehmen erstatten die Kosten.

Professionell oder gewagt – mit der jeweiligen Kleidung kann man bei anderen Menschen einen guten oder schlechten Eindruck hinterlassen. Mit der Kleiderwahl vor dem Gespräch können Sie entscheiden, wie Sie auf Ihr Gegenüber wirken wollen

Die richtige Kleidung für ein Bewerbungsgespräch kann auch branchenabhängig sein. Wenn Sie sich in der IT-Branche als Webdesigner oder Netzwerkadministrator bewerben, können Sie sich klassisch/modern kleiden. Männer tragen ein Sakko in Kombination mit einem (weißen) Hemd. Frauen greifen zur klassischen Bluse oder einem Blazer gepaart mit einer dunklen Stoffhose.

Eigentlich ist Körperschmuck wie ein Piercing oder ein Tattoo schon längst gesellschaftsfähig. Doch dort, wo der Arbeitgeber ein ordentliches Erscheinungsbild verlangen kann – wie beispielsweise im Kundenkontakt – sind Tattoos und Piercings oft unerwünscht. In einem Bewerbungsgespräch ist es gut möglich, dass man auf diese angesprochen wird. Darauf müssen Sie nicht zwingend eingehen. Außerdem sollten Sie für sich die Frage beantworten, ob es sich um den richtigen Arbeitgeber handelt, wenn das Unternehmen sich an diesen Dingen stört.

Natürlich läuft nicht jedes Bewerbungsgespräch gleich. Doch bestimmte Phasen lassen sich in allen Gesprächen finden:

  • Der Small Talk
  • Das Kennenlernen
  • Die Selbstpräsentation
  • Die Fragerunde
  • Die Stressfragen
  • Ihre Rückfragen
  • Der Abschluss

Ein lockerer Austausch beginnt bereits an der Pforte, am Empfang oder auf dem Weg zum Raum, in dem das Gespräch stattfinden wird.

Der Personaler erzählt etwas über das Unternehmen, dessen Werdegang und Produkte. Möglich ist auch, dass Sie sich zunächst vorstellen oder etwas über das Unternehmen erzählen sollen.

Es ist wichtig, dass Sie an dieser Stelle des Gesprächs nicht einfach Ihren Lebenslauf wiedergeben. Haben Sie die notwendigen Soft Skills und Fähigkeiten für die ausgeschriebene Stelle? Den Personaler überzeugen Sie, wenn Sie Ihr Interesse und Ihre persönliche Eignung für die Tätigkeit, für die Sie sich bewerben, in diesem Abschnitt des Job-Interviews bekunden.

Im ersten Teil der Selbstpräsentation beschreiben Sie kurz und knapp Ihren Werdegang (Wie heißen Sie? Woher kommen Sie? Wo haben Sie studiert? Welche Erfahrungen haben Sie im Studium gesammelt? Was haben Sie in Ihren bisherigen Tätigkeiten gemacht? Warum wollen Sie die neue Stelle? Warum gerade dieses Unternehmen?)

Im zweiten Teil erklären Sie, warum Sie den Job antreten wollen. Gehen Sie auch darauf ein, was Sie zum Stellenwechsel bewegt hat und wie Ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen dazu passen.

Nach Ihrer Selbstpräsentation gehen Personaler gerne auf Ihren Lebenslauf ein und stellen zunächst ein paar persönliche Fragen:

  • Was sind Ihre Ziele für die nächsten drei bis fünf Jahre?
  • Wie sah Ihr letzter großer Erfolg aus? Wie der Misserfolg?

Mit diesen möglichen Fragen will der Personaler Ihre kommunikativen Fähigkeiten prüfen und sehen, wie Sie in das Team passen.

Natürlich werden auch fachliche Fragen gestellt. Insbesondere in der Informationstechnik, ist auch Ihr Fachwissen gefragt. Fachfragen für eine ausgeschriebene Stelle in der Hardwareentwicklung könnten z. B. so lauten:

  • Was ist der Unterschied zwischen Hardware und Software?
  • Erklären Sie den Begriff und die Bedeutung von Embedded Prozessoren.

Wissenslücken sollten Sie ehrlich zugeben. Machen Sie aber auch deutlich, dass neugierig sind und dazu lernen wollen.

Bei Schätzfragen geht es darum, einen cleveren Lösungsweg zu identifizieren, mit dem Sie das Problem lösen könnten:

  • Wie viel wiegt China?
  • Wie viele Autos gibt es in Deutschland?

Diese Art von Fragen stellen Personaler, um zu schauen, wie Sie in stressigen Situationen reagieren und wie Sie an Probleme herangehen:

  • Warum Sie sind der Ansicht, dass Sie zum Unternehmen passen?
  • Sie haben sich sicherlich auch schon woanders beworben?

Wie Sie damit am besten umgehen? Bewahren Sie Ruhe. Beantworten Sie die Fragen kurz und sympathisch. Fragen zur Familienplanung, zur gesundheitlichen Situation, zu privaten Meinungen und Ansichten müssen Sie nicht beantworten, denn diese sind nicht erlaubt.

Jetzt sind Sie an der Reihe, Fragen zu stellen. Und auch hier können Sie beim Personaler punkten. Denn so bekunden Sie professionelles Interesse:

  • Wie wird die Einarbeitung laufen? Wie sieht die Betreuung aus?
  • Wie sehen die beruflichen Perspektiven und Möglichkeiten in dieser Position und im Unternehmen aus?

Fragen, die Sie nicht stellen sollten und die einen schlechten Eindruck beim Personaler hinterlassen:

  • Was macht das Unternehmen genau?
  • Was verdienen Kollegen in derselben Position?

Bevor Sie sich verabschieden, erklärt Ihnen der Personaler, wie es weitergeht: Wann Sie das Ergebnis des Vorstellungsgesprächs erfahren und ob eine zweite Gesprächsrunde oder sogar ein Einstellungstest geplant sind.

Auch nach dem Job-Interview gibt es einige Dinge, die Sie tun beziehungsweise Dinge, die anschließend passieren können.

In vielen Ländern ist es üblich, ein kurzes Dankschreiben zu verfassen. In Deutschland ist diese Geste noch selten. Sie heben sich mit diesem Schreiben von anderen Bewerbern ab. Bedanken Sie sich für das Gespräch, nennen Sie zwei Erkenntnisse, die Sie aus dem Termin mitgenommen haben und wiederholen Sie den Wunsch, für das Unternehmen arbeiten zu wollen. Während Sie auf das Ergebnis warten, sollten auch weiterhin aktiv in der Jobsuche bleiben – auch, wenn das Gespräch gut lief. So erhöhen Sie die Chancen auf einen Job.

Auf eine Antwort vom potenziellen Arbeitgeber warten Sie bis zu einer Woche. Woran das liegt? Auswahlverfahren sind heutzutage enorm aufwendig und müssen vom Personaler entsprechend ausgewertet werden. Wenn Sie unter Zeitdruck stehen oder zu viel Zeit verstrichen ist, ist es üblich nachzufassen – bleiben Sie ihrem Gesprächspartner gegenüber aber höflich.

In großen Konzernen sind weitere Bewerbungsgespräche üblich. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie zu einem zweiten Gespräch eingeladen werden. Den Personaler haben Sie zum großen Teil überzeugen können, in diesem Gespräch müssen Sie jetzt seine restlichen Bedenken beseitigen.

In dieser Runde sitzen oft weitere Entscheidungsträger sowie Mitarbeiter des Unternehmens, unter denen oder mit denen Sie bald arbeiten könnten. Stellen Sie im zweiten Vorstellungsgespräch einen Bezug zur ersten Unterhaltung her – bleiben Sie weiterhin so authentisch wie möglich. Womit Sie rechnen sollten? Denkbar sind weitere Schätz- und Stressfragen, aber auch Rollenspiele oder weitere Fragen, mit denen Sie Ihr Fachwissen unter Beweis stellen müssen.

Ein weiteres übliches Szenario: Eine Einladung zum Mittagessen. Eine gute Möglichkeit für Personaler und potenzielle Chefs, Sie in einem ungezwungenen Umfeld genauer kennenzulernen. Vergessen Sie aber nicht Ihre Manieren. Auch nach dem zweiten Gespräch heißt es geduldig sein, auch an dieser Stelle des Bewerbungsprozesses ist ein Dankschreiben eine gute Idee. Falls das Feedback zu lange auf sich warten lässt, ist höfliches Nachfragen erlaubt. (mdez)