Wachs vs. Versiegelung im Langzeittest: Welcher Schutzmantel hält durch?

Ein halbes Jahr haben wir Wachs und Versiegelung in drei unterschiedlichen Szenarien verglichen. Abschluss des Langzeittests mit überraschendem Ende.

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Nein, das ist nicht der Auftakt zu einem Rorschachtest. Wir haben uns angesehen, wie sich Wachs und Versiegelung über den Winter halten.

(Bild: Franz)

Von
  • Martin Franz

Im September 2019 starteten wir einen Vergleich zwischen dem Wachs Fusso Coat 12M von Soft99 und der Versiegelung Polymer Netshield von Sonax. Das Mittel von Sonax hatten wir vor ein paar Jahren im Langzeittest, wo es sich hervorragend geschlagen hat. Anders als manch andere Versiegelung ist es vergleichsweise einfach zu verarbeiten, sofern man ein paar Grundregeln bei der Vorbereitung einhält. Die sind aber ohnehin zu empfehlen, wenn der Schutzeffekt möglichst lange halten soll. Dazu gehört nicht nur, dass der Lack sauber und nicht zu heiß sein sollte, sondern auch, dass alles Fettende vorab entfernt wird. In unserem Fall wurden die Testflächen vorher mit Prima Amigo behandelt.

Getestet haben wir das auf drei Autos mit einem gänzlich unterschiedlichen Pflegeprofil. Der noch ziemlich neue Ford Edge ist ein Garagenauto und wird nur in Waschanlagen gesäubert. Der vierjährige Mini ist ein Laternenparker, die bald sechs Jahre alte Mercedes C-Klasse ein Garagenauto – diese beiden werden nur in Waschboxen gereinigt, der Mini ziemlich regelmäßig, der Mercedes mangels Fahrleistung eher selten.

Wachs vs. Versiegelung (5 Bilder)

Auf dem Ford Edge ist von der mühevollen Auftragung der Lackschutzmittel nichts mehr übrig. Die Chemie in den Waschanlagen hat alles abgewaschen.
(Bild: Franz)

Direkt nach dem Auftragen und Abnehmen der beiden Mittel war beim Abperlen so gut wie kein Unterschied festzustellen, in anderer Hinsicht allerdings schon. Die mit dem Wachs Fusso Coat 12M behandelte Seite war eklatant glatter als die mit dem Sonax Polymer Netshield versiegelte. Auf dem Mini war gerade am Anfang zu beobachten, dass der Regen den Staub vom Lack holte – das Auto war danach zwar nicht wie frisch gewaschen, aber auch nicht mehr ganz so eingestaubt. Nebeneffekt: Ich finde, es schaut einfach gut aus, wie das Wasser auf gepflegtem Lack abläuft.

Unterschiede zwischen beiden Produkten zeigten sich nach drei Monaten sowohl beim Mini wie auch auf dem Ford. Letzterer bestätigte, was wir in unseren Tipps schon einmal erwähnt hatten. Man sollte sich grundsätzlich überlegen, ob man sein Auto in einer Waschanlage oder per Hand waschen will. Die Chemikalien in den Waschanlagen haben nicht viel Zeit zu wirken und müssen deshalb eine gewisse Aggressivität mitbringen. Dem Lack macht dieser chemische Angriff wenig aus, das von Hand aufgetragene Mittel dagegen wird rasch runtergewaschen. Wer seinem Lack bei dieser Art der Reinigung etwas Gutes tun möchte, geht nach dem Besuch in der Waschanlage mit einem Detailer wie dem Brilliant Shine von Sonax einmal ums Auto – Zeitaufwand je nach Modell zwischen 5 und 10 Minuten.

Nach ein paar Fahrten durch die Waschanlage war auf der Motorhaube des Fords kaum noch etwas zu erkennen. Schon im Dezember zeigte sich aber ein Unterschied, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Die Versiegelung war komplett weg, Rest vom Wachs dagegen noch zu erkennen. Das überrascht, denn eigentlich sollte eine Versiegelung länger halten als ein Wachs.

Auf dem Mini lagen die Dinge ähnlich, wenngleich hier der Abperleffekt sehr viel länger zu erkennen war. Bei abschließenden Fazit im April zeigte sich aber auch hier: Die Versiegelung hatte aufgegeben, vom Wachs war noch mehr als nur ein Rest zu erkennen. Das Fusso Coat 12M hat auf der Motorhaube also den Winter überlebt, an den höher belasteten Flächen im Spritzbereich, also an den unteren Seitenflächen, allerdings nicht. Ich kenne jedoch zugegebenermaßen auch kein Lackschutz-Produkt für den privaten Nutzer, welches das schafft.

Der verhätschelte Mercedes hat in diesem Zeitraum keine 4000 Kilometer zurückgelegt. Kein Wunder also, dass sich sowohl Wachs wie auch Versiegelung gut in Form zeigten. Der Abperleffekt ist hier nahezu unverändert. Das Auto schaut so nicht nur ziemlich gepflegt aus, sondern lässt sich auch einfacher sauber halten.

In diesem Langzeittest hat das Wachs die Versiegelung übertroffen, womit nicht unbedingt zu rechnen war. Allerdings hat das seinen Preis, womit nicht die Kosten beim Kauf gemeint sind. Denn das Fusso Coat 12M ist wahrlich anspruchsvoll, was die Verarbeitung angeht. Wer auch nur einen Hauch zu viel aufbringt oder mit der Abnahme ein wenig zu lange zögert, hat anschließend reichlich zu tun. Wolken oder Schlieren auf dem Lack sind dann, gerade für Anfänger, nur schwerlich zu vermeiden. Verglichen damit ist die Verarbeitung des Polymer Netshields oder des von mir oft genutzten Collinite 915 geradezu spielend einfach.

Wer sich die knifflige Verarbeitung des Fusso Coat 12M zumutet, bekommt einen Lackschutz, der erstaunlich lange halten kann, sofern das Pflegeprofil passt. Wenn das Auto ohnehin in die Waschanlage soll, kann man sich den Aufwand sparen – was für alle mir bekannten Mittel gilt, die von Hand aufgetragen werden. Wer dagegen in die händische Autopflege einsteigen will, sollte sich etwas einlesen und zunächst eine Bestandsaufnahme des Lackzustandes machen. Die Auswahl an Pflegemitteln ist riesig, danebenzugreifen einfach, wie die Kollegen der Autobild gerade wieder unfreiwillig gezeigt haben. Doch das zum Lackzustand passende Produkt spart Geld, Zeit und Mühe.

Alle Mittel in diesem Test wurden privat angeschafft.

(mfz)