Warum jetzt die beste Zeit ist, Web-Developer zu werden

Jungen Informatiker*innen stehen so viele Optionen offen wie noch nie. Doch in welche Richtung sollten sie starten? Ein Plädoyer für die Webentwicklung

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(Bild: Black Jack/Shutterstock.com)

Von
  • Christian Liebel
Inhaltsverzeichnis

Das World Wide Web war ursprünglich als Plattform zum einfachen Austausch von Forschungsergebnissen gestartet. Ganz am Anfang gab es noch nicht einmal einen Weg, in Webseiten Bilder einzubinden. Binnen weniger Jahre wurde das WWW äußerst populär und die Möglichkeiten sind regelrecht explodiert. Weil statische Webseiten nicht ausreichten, wurde mit JavaScript ein Weg zur clientseitigen Dynamisierung geschaffen. Schnell wurden auch Anwendungen auf Basis von Webtechniken entwickelt. Mit HTML5 verwandelte sich das Web schließlich auch zur Multimedia- und Anwendungsplattform. Seitdem sind weitere Schnittstellen im Web gelandet, von denen Entwickler*innen früher nur hätten träumen können. Heute ist das Web nahezu allgegenwärtig und seine Zukunftsaussichten sind blendend.

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Die Webentwicklung ist genauso breit gefächert wie die Anwendungsentwicklung an sich. Es gibt unter anderem folgende Disziplinen (in Klammern eine Auswahl der wohl jeweils wichtigsten Techniken):

  • Frontends (Angular, React oder Vue.js)
  • Backends (ASP.NET Core, Node.js, PHP)
  • Kommunikation zwischen Front- und Backend (HTTPS/REST, WebSockets, gRPC)
  • Datenbanken (NoSQL- oder SQL-Datenbanken)
  • Authentifizierung (OAuth 2.0 und Open ID Connect)
  • Tests (Karma, Jasmine, Selenium)
  • Dokumentation (Swagger, JSDoc)
  • Design-Tools (Adobe Experience Design, Figma, Storybook)
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Auch auf der Infrastrukturseite ist einiges im Fluss: In Unternehmen bleiben Serverracks zunehmend leer und Anwendungen werden in die Cloud gehoben (vorrangig Amazon Web Services, Google Cloud Platform und Microsoft Azure). Anwendungen laufen in portablen Containern (Docker, Kubernetes). Infrastruktur lässt sich mit von Code vollautomatisch aufsetzen (Terraform).

Die Webentwicklung hat demnach Berührungspunkte mit praktisch allen Disziplinen der Programmierung, und umgekehrt hat fast jede Anwendung heute eine Anbindung mit dem Web. In der Webentwicklung kann man sich wahlweise einen Schwerpunkt suchen oder als Full-Stack-Entwickler*in die komplette Plattform im Blick behalten. Web-Developer sind fast immer mehrsprachig unterwegs: Im Frontendbereich trifft man typischerweise die Hypertext Markup Language (HTML) für die Präsentation, Cascading Stylesheets (CSS) für das Styling und JavaScript für die Logik an.

Zumindest bis jetzt. Denn die Sprachsituation im Web hat WebAssembly (wasm) ordentlich aufgemischt. Hierbei handelt es sich um einen Binärcode für das Web, der durch die JavaScript-Runtime des Zielbrowsers direkt ausgeführt wird, ohne – wie JavaScript – erst geparst und kompiliert werden zu müssen. Je nach Anwendungsfall lässt sich eine nahezu native Performance erreichen. Mit wasm können Entwickler*innen Quelltext von so gut wie jeder Programmiersprache, mit Sicherheit aber von C, Go, Rust, Java oder C# aus, auch für das Web kompilieren. Damit lassen sich Bestandteile von Altanwendungen ins Web migrieren oder komplett neue Apps auf Basis alternativer Sprachen entwickeln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass nur Funktionen vorliegen, die man auch in JavaScript ausführen könnte. Insbesondere ist kein wahlfreier Zugriff auf native Schnittstellen möglich.

Unreal Engine im Browser: Beeindruckende Zen-Garden-Demo mit WebGL und WebAssembly (Abb. 1)

In Kombination mit WebGL, einer Schnittstelle für 3-D-Inhalte im Web sowie der Gamepad-API, die Webanwendungen auf angeschlossene Controller zugreifen lässt, ist WebAssembly außerdem für Spiele oder aufwendige 3-D-Anwendungen geeignet. Sowohl die Unity- als auch die Unreal Engine können nach wasm kompilieren. Alle genannten Techniken werden von den vier großen Browsern Google Chrome, Microsoft Edge, Mozilla Firefox und Apple Safari von Haus aus unterstützt.