Online-Krankschreibung: Fragen und Antworten zum Online-Krankschreiben-Lassen

Die Nachfrage nach online ausgestellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ist im Zuge der Corona-Pandemie stark gestiegen. Im FAQ klären wir Fragen dazu.

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Digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

(Bild: THICHA SATAPITANON/Shutterstock.com)

Update Stand:
Von
  • Marie-Claire Koch

Durch die Corona-Pandemie hat die Online-Krankschreibung deutlich an Nachfrage gewonnen. Viele Menschen aber haben Fragen, wie sie sich online krankschreiben lassen können. In diesem Artikel geben wir Antworten auf Fragen rund um die digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheiningung.

Die Aufhebung des Fernbehandlungsverbots im Mai 2018 hat die Nutzung telemedizinischer Angebote maßgeblich beschleunigt und damit auch den Weg für die Krankschreibung aus der Ferne geebnet. Weitere Beschlüsse des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) – dem "obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte" – folgten.

Demnach ist seit Oktober 2020 die Online-Krankschreibung möglich. Wer bereits persönlichen Kontakt zu seinem Arzt hatte, konnte auch nach einer Videosprechstunde eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erhalten. Seit dem 19. November 2021 können sich Versicherte nach einem Beschluss des G-BA auch ohne vorherigen Erstkontakt mit dem Arzt online per Videosprechstunde krankschreiben lassen. Zuvor war dies nur in Ausnahmefällen möglich.

Die FAQ wird laufend aktualisiert, da es in diesem Bereich immer wieder weitere Informationen gibt.

Was ist eine Online-Krankschreibung?

Eine Online-Krankschreibung ist eine Krankschreibung, die ein Arzt nach einer Video-Untersuchung ausstellen kann. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die eine Untersuchung über eine Videosprechstunde zulässt. Bei schlimmeren Beschwerden – wie etwa sehr starken stechenden Kopfschmerzen über einen längeren Zeitraum – sollten Sie direkt einen Arzt aufsuchen.

Eine AU nach einem Chat oder einer Online-Befragung ist nicht möglich. Eigentlich ist es auch nach einem Telefonat nicht möglich, eine AU zu erhalten. Am vierten August hat der G-BA jedoch die telefonische Krankschreibung bei "leichten Atemwegserkrankungen" wieder ermöglicht – aufgrund steigender Coronazahlen. Die Regelung zur telefonischen Krankschreibung ist allerdings auf den 30. November befristet.

Wie funktioniert die Online-Krankschreibung?

Wer sich online krankschreiben lassen will, kann sich einen Termin bei einem Hausarzt geben lassen. Dieser benötigt für die Untersuchung einen beispielsweise vom TÜV oder der Datenschutz Cert GmbH zertifizierten Videodienstanbieter. Eine weitere Möglichkeit ist es, den Dienst einer auf Online-Behandlungen spezialisierten App zu nutzen, bei der ebenfalls Krankschreibungen ausgestellt werden. Meist haben Sie vorab die Möglichkeit, im Rahmen eines Fragebogens einen Grund für Ihre Arztkonsultation anzugeben. Je nachdem, welchen Grund Sie angeben, können Sie an einen entsprechenden Spezialisten weitergeleitet werden.
Bei bestimmten Symptomen, etwa extrem starken Schmerzen, bekommen Sie keinen Termin. Ein getesteter Anbieter gibt in diesem Fall folgende Rückmeldung: "Sie geben sehr starke Schmerzen an. Wir schätzen die Beschwerden daher so ein, dass eine unmittelbare Vorstellung bei einem niedergelassenen Arzt/Ärztin in Ihrer Nähe notwendig ist. Eine Behandlung über unseren Dienst ist nicht möglich."
Außerdem kann es sein, dass Sie – in Abhängigkeit vom Behandlungsgrund – vorab ein Bild von Ihrem Ausschlag, Ihrem dicken Hals oder Ihrer Wunde absenden müssen. Sofern nichts gegen eine Fernbehandlung spricht, bekommen Sie anschließend einen Termin.
Nach einem Gespräch mit dem Arzt und einer Untersuchung erhalten Sie dann – sofern die Erkrankung erfolgreich festgestellt wurde – die Krankschreibung über ein dafür zugelassenes Programm. Die Übermittlung einer Krankschreibung über Whatsapp ist beispielsweise nicht zulässig.

Ist eine online ausgestellte AU eine elektronische AU (eAU)?

Nein, eine AU ist nicht zwingend eine eAU. Der Unterschied zwischen der AU und der eAU ist, dass die eAU als Datensatz übermittelt wird. Die eAU ist für Ärzte laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung seit Oktober 2021 verpflichtend, "wenn technisch möglich". Ab Juli 2022 gibt es dazu eine neue Verpflichtung – allerdings sind laut Spitzenverband Bund der Krankenkassen "leider" keine Sanktionen gegen Ärzte geplant, die die eAU nicht elektronisch mit dem Praxisverwaltungssystem über den KIM-Dienst (Kommunikationsdienst im Medizinwesen) an die Krankenkasse übermitteln.

Seit Februar wurden laut der nationalen Gesundheitsagentur, der Gematik Gmbh, 17.490.521 (Stand 1. August 2022) eAUs an Krankenkassen versendet. Zudem soll ab 2023 die automatische Übermittlung der eAU durch die Krankenkassen an die dafür vorgesehenen Systeme der Arbeitgeber erfolgen. Ab dann müssen Patienten die AU nicht mehr selbst ihren Arbeitgeber geben. Damit sollen die vier bisher für die Krankenkasse, den Arbeitgeber, den Patienten und den Arzt selbst erstellten Ausdrucke nicht mehr notwendig sein. Die Beteiligten soll das entlasten, in der Praxis läuft das bisher allerdings nicht immer reibungslos. Grundsätzlich können Patienten nach einer Videosprechstunde mit ihrem digital dafür ausgerüsteten Arzt eine eAU erhalten.

Von wem kann ich online krankgeschrieben werden?

Sie können von jedem approbierten Arzt online krankgeschrieben werden, nicht nur von niedergelassenen Ärzten. Wichtig ist, dass die Leistung von der jeweiligen Krankenkasse übernommen wird. Das ist beispielsweise bei Vertragsärzten der Fall. Wichtig ist auch, dass der Arbeitgeber diese Art der Krankschreibung akzeptiert.

Muss mein Arbeitgeber die online ausgestellte AU annehmen?

Nach den Richtlinien des G-BA ist die online ausgestellte AU rechtsgültig, allerdings kann der Arbeitgeber die AU bei berechtigten Zweifeln überprüfen und / oder ablehnen – wie bei der nach einem persönlichen Arztgespräch ausgestellten AU auch.

Sind die Online-Arzt-Anbieter seriös?

Da der Markt der telemedizinischer Angebote rasant wächst, ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten. Einige europäische und ein großer Schweizer Anbieter haben sich bereits etabliert. Einen Blick in die Liste der zertifizierten Videodienstanbieter sowie in die Datenschutzerklärung der jeweiligen App sollten Sie vor einer etwaigen Behandlung ebenfalls werfen. Bei den meisten Anbietern können Sie vor der Behandlung in der App Ihre Krankenkasse hinterlegen. Achten Sie darauf, dass Sie sich bereits im Voraus über die Kosten erkundigen. Je nachdem, zu welcher Zeit Sie sich krankschreiben lassen wollen, sind die Kosten höher – etwa am Wochenende oder ab einer gewissen Uhrzeit. Wenn Sie eine Behandlung bei einem Privatarzt beanspruchen, müssen Sie die Kosten selbst tragen.

Wie lange kann ich per Online-Krankschreibung krankgeschrieben werden?

Nach der geänderten Arbeitsunfähigkeitsrichtlinie des G-BA können Sie nach einem Erstkontakt mit einem Arzt bis zu drei Tage krankgeschrieben werden. Sofern Sie bereits bei einem Arzt persönlich vorstellig waren, kann dieser Ihnen eine Online-AU für bis zu sieben Tage ausstellen. Eine Folgekrankschreibung ist laut G-BA ebenfalls nur dann möglich, wenn der Patient zuvor "auf Grundlage einer unmittelbaren persönlichen Untersuchung" krankgeschrieben wurde.

Update

Hinweis gestrichen, Frage ergänzt.

Update

Information zur telefonischen Krankschreibung ergänzt.

(mack)