Also-Actebis: Gustavo Möller-Hergt zeigt, wo´s lang geht

Fünf Monate nach dem offiziellen Zusammenschluss von Also und Actebis steht ein Mann im Mittelpunkt des Geschehens: COO und "Chief Integration Officer" Gustavo Möller-Hergt. Der Mann bringt frischen Wind in die Firma, wobei "Wind" vielleicht nicht der ganz richtige Ausdruck ist und "frisch" auch nicht wirklich passt.

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Von
  • Damian Sicking

Also-Actebis-Chef Klaus Hellmich

(Bild: Also-Actebis)

Lieber Also-Actebis-Chef Klaus Hellmich,

die ersten Monate nach der "Fusion" von Actebis und Also sind ja nun geschafft. Zeit, mal nachzufragen, wie es so läuft. In geschäftlicher Hinsicht und, vor allem, in zwischenmenschlicher Hinsicht.

Was das Geschäftliche betrifft, so konnte man vor kurzem ja bereits etwas dazu lesen. Das erste Quartal war durchaus durchwachsen, und auch für den Rest des Jahres klangen die Erwartungen nicht gerade euphorisch. Da muss sicher mehr kommen, schon um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Denn hatte nicht Ihr Chief Operating Officer, der vom Mehrheitsgesellschafter Droege entsandte Mathematikprofessor Dr. Gustavo Möller-Hergt, als Ziel des Firmenzusammenschlusses die Formel ausgegeben: 1 + 1 = 4? Die ganze Branche verfolgt jetzt natürlich mit Spannung, wann Also-Actebis dieses Kunststück fertig bringt.

Schon fast zaubern müssen Sie, wenn Sie die Erwartungen von Mehrheitsgesellschafter Droege an die Rentabilität der gemeinsamen Distributionsunternehmung erfüllen wollen. Jedenfalls ist zu hören, dass Droege ein Gewinnziel von zwei Prozent ausgegeben habe, welches innerhalb von drei Jahren zu schaffen sei. Das wäre eine neue Rekordmarke für den Bereich der BBD ("Big Broadline Distribution"). Bisher war man schon froh und glücklich, wenn man das Geschäftsjahr mit einem Profit von einem Prozent abschloss. Also auch in dieser Frage ist die Branche gespannt, was sie noch von Also-Actebis lernen kann.

Lieber Herr Hellmich, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Nicht ich habe die Trauben für Also-Actebis so hoch gehängt, das haben Sie bzw. Ihre Gesellschafter schon selbst getan. Für mich wäre es bereits eine bemerkenswerte Leistung, wenn Sie die Gleichung 1 + 1 = 2 schaffen würden.

Nun zum zweiten Punkt: Wie sieht es denn in zwischenmenschlicher Hinsicht aus? Haben sich alle Beteiligten schon schön zusammengerauft? Immerhin stoßen mit Actebis und Also doch zwei recht unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander, nicht zuletzt was die Form des persönlichen Umgangs miteinander betrifft – auch und gerade zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter. Hier der eher rustikale Umgang und die direkte Ansprache, dort das eher kollegiale Verhältnis.

Und dann natürlich der neue starke Mann: Gustavo Möller-Hergt. Der COO bringt ja, wie man hört, einen frischen Wind uns Unternehmen, wobei der Ausdruck "Wind" vielleicht doch etwas zu schwach ist, und "frisch" zu sehr an so etwas Positives wie "Erfrischung" denken lässt. Nach dem, was man hört, handelt es sich eher um einen rauen Sturm mit teils heftigen Böen. Gut, Herr Möller-Hergt hat seine Wurzeln in der Brauereiwirtschaft (unter anderem 15 Jahre bei Warsteiner), der man einen ähnlich herzhaften Umgang nachsagt wie der Baubranche. Da ist sicher vieles, was man so sagt, gar nicht so gemeint, und es ist ganz bestimmt ein Fehler, alles gleich persönlich zu nehmen. Man darf hier einfach nicht so empfindlich sein. Das Leben ist halt kein Pony-Hof. Und natürlich kann man auch als altgedienter Distributionskämpfer von einem Quereinsteiger wie Möller-Hergt, der einfach eine unverbrauchte Sicht auf die Dinge hat, noch so Einiges lernen. (Ich weiß auch nicht, wieso mir jetzt rein assoziativ folgender Witz einfällt: Ein Mann hastet aus dem Flughafengebäude zum Taxistand und springt in den nächstbesten Wagen hinein. "Wohin darf´s gehen, Meister?", fragt der Taxifahrer. Darauf der Manager: "Egal, fahren Sie irgendwohin, ich werde überall gebraucht.")

Nicht alle Manager sind aus dem Holz geschnitzt, um in einem solchen Klima zu gedeihen. Thomas Kasper zum Beispiel soll ja genau aus diesem Grunde gekündigt haben; weil er keine Lust hatte, Tag für Tag in Sturm und Regen zu stehen und sich verbiegen zu müssen. Als ehemaliger und sehr erfolgreicher Also-Manager hatte er keine Lust, sich das antun zu müssen. Ich kann mir vorstellen, dass Kasper nicht der letzte Manager war, der das Handtuch wirft, weil ihm die neue (Führungs-)Kultur im fusionierten Also-Actebis-Konzern gegen den Strich geht.

Das bringt mich zu der Frage, wie Sie lieber Herr Hellmich, denn so mit Ihrem Chief Operating Officer auskommen. Ist bestimmt nicht ganz einfach. Denn zum einen ist Herr Möller-Hergt ja, wenn man so will, Ihr Mitarbeiter, und zum anderen ist er der Abgesandte und Vertraute des Also-Actebis-Hauptaktionärs Droege, also irgendwie auch Ihr Aufpasser. Und was hinzukommt: Gibt es zwei Menschen unter der Sonne, die von ihrem Wesen her unterschiedlicher sein könnten als Sie und Herr Möller-Hergt? Sie, lieber Herr Hellmich, gelten ja als ruhiger, besonnener Mensch, der seine Kämpfe mit der Welt eher mit sich selbst austrägt. Herr Möller-Hergt dagegen gilt als extrovertiert und impulsiv. Das Manager-Magazin beschrieb Möller-Hergt einmal als einen Mann, "der über ein ausgeprägtes Ego und eine große Bandbreite an Gefühlsäußerungen verfügt – von säuselnd-charmant bis lautstark-aufbrausend". Nach Angaben von Teilnehmern an Meetings, die vom Also-Actebis-Vorstand Möller-Hergt geleitet wurden, ist diese Aussage aus dem Manager-Magazin nicht übertrieben.

In einer frühen Bekanntmachung wurde Herr Möller-Hergt auch als "Chief Integration Officer" von Also-Actebis vorgestellt. Nun ist bekanntlich die mangelnde Integration einer der wesentlichen Gründe für das Scheitern von Fusionen und Übernahmen. Umso wichtiger daher, dass man jemanden hat, der sich damit auskennt. Der über entsprechende Erfahrungen verfügt, aus denen er klug geworden ist, der aber auch selbst von seinem Charakter her ein integratives Wesen hat. Ist Herr Möller-Hergt so jemand? Ich bin nicht sicher. In seinem Lebenslauf habe ich jedenfalls keine Hinweise auf erfolgreiche Integrationsleistungen nach einer Firmenakquisition gefunden, und ob Herr Möller-Hergt von seinem Naturell her der geborene Integrationsminister ist, muss ich nach dem, was mir bislang über ihn berichtet worden ist, bezweifeln. Aber ich bin einfach mal optimistisch, dass sich die Verantwortlichen bei der Stellenbesetzung und Aufgabenverteilung schon etwas gedacht haben.

Lieber Herr Hellmich, jetzt wollte ich doch von Ihnen nur wissen, wie es so im zwischenmenschlichen Bereich bei dem fusionierten Unternehmen Also-Actebis läuft, und stelle nun selbst überrascht fest, dass ich doch recht viel über Herrn Möller-Hergt geschrieben habe. Naja, sei´s drum.

Beste Grüße!

Damian Sicking

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