Angestellte tauschen Firmengeheimnisse aus

In Pocket speichern
Kommentare lesen 10 Beiträge
Von

Firewalls, Datenschutzreformen und strenge Sicherheitsvorkehrungen helfen einem Unternehmen nicht, wenn die eigenen Mitarbeiter den Datenschutz recht locker nehmen. Und das ist zumindest bei 26 Prozent der Arbeitnehmer der Fall, wie eine Studie des Aktenarchivierungs- und Informationsmanagement-Spezialisten Iron Mountain zeigt. Demnach redet mindestens ein Drittel (35 Prozent) der europäischen Büroangestellten mit Kollegen regelmäßig über eigentlich vertrauliche Firmendaten. Wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht, sind sie verschwiegener: Nur 26 Prozent geben im Büro auch private Dinge über andere Mitarbeiter weiter.

Zumindest eine gute Nachricht gibt es für die hiesigen Arbeitgeber: Im Vergleich mit den Angestellten in anderen europäischen Ländern sind die Deutschen immer noch am verschwiegensten. Hier redet im Durchschnitt "nur" ein Viertel der Angestellten über Geschäftsgeheimnisse. In Spanien sind es beispielsweise 45 Prozent. Auch beim Klatsch über das Privatleben der Kollegen, zeigen sie sich mit 17 Prozent deutlich zurückhaltender als der europäische Durchschnitt (26 Prozent).

Die größten Tratschnasen sitzen laut dieser Studie übrigens im Personalwesen und Marketing. Von den Mitarbeitern im Personalwesen geben 43 Prozent zu, schon mal vertrauliche Firmeninformationen weitergegeben zu haben, bei den Marketing-Mitarbeitern sogar fast die Hälfte. Wenn es um private Informationen über ihre Kollegen geht, erweisen sich jeweils ein Drittel der Befragten in diesen Abteilungen als echte Tratschtanten.

Besonders heikel: in den deutschen Marketingabteilungen nimmt man Firmengeheimnisse offenbar überhaupt nicht ernst. Jedenfalls geben 58 Prozent der befragten Marketing-Mitarbeiter zu, schon mal vertrauliche Informationen über das Unternehmen weitergegeben zu haben. Damit liegen sie weit über dem europäischen Durchschnitt.

Auch die leitenden Angestellten und Mitarbeiter in den durchaus datensensiblen Rechts- und Finanzabteilungen geben öfter als sie sollten vertrauliche Informationen preis. Und wenn der Chef wissen will, was in seinem Unternehmen so los ist, muss er nur seine rechte Hand fragen: Bei den persönlichen Assistenten plaudert gut ein Drittel Details über das Privatleben anderer Mitarbeiter aus.

Interessant auch das Ergebnis, dass die meisten Mitarbeiter nicht glauben, ihre Vorgesetzten würden solche Daten zuverlässig schützen. Im Gegenteil: Um Geschäftsgeheimnisse in Erfahrung zu bringen, würden sich laut Umfrage 41 Prozent der Angestellten in Europa als Erstes an die Abteilungsleitung oder sogar an eine höhere Ebene wenden. Weniger gesprächig scheinen die unteren Hierarchieebenen in Personal-, IT- oder Marketing-Mitarbeiter zu sein, an die würden sich nur die wenigsten Mitarbeiter als erstes wenden. Vielleicht sind die aber gar nicht besonders verschwiegen, sondern wissen einfach nichts zu berichten.

Wer Details aus dem Privatleben der lieben Kollegen erfahren will, wendet sich zuerst an Mitarbeiter aus der Personalabteilung (27 Prozent) und Chefsekretäre (20 Prozent). Die redefreudigen Marketing-Kollegen stehen hier interessanterweise gar nicht hoch im Kurs. Auch der Vertrieb ist als Quelle von Klatsch und Tratsch eher unbeliebt.