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COS Distribution auf Vertrieb reduziert

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"Büroräume zu vermieten!" Das Schild an der Nikolaus-Otto-Straße 11 in Linden ist nicht zu übersehen. Seit Monatsbeginn ist es in dem imposanten Bürogebäude noch stiller geworden. "Das sieht nach Ausverkauf aus", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter der COS Distribution bedrückt. "Dabei waren wir mal richtig toll, über 300 Mitarbeiter in den besten Zeiten, und jetzt…"

Jetzt sind es nur noch 52 Mitarbeiter – überwiegend Vertrieb und Administration. Sie sollen das Geschäft der COS Distribution wieder auf Vordermann und Waren im Umsatzwert von etwa 100 bis 120 Millionen Euro in diesem Jahr an den Mann bringen. Das zumindest hofft Axel Grotjahn, Vorstands-Chef des BOD-Konzern und damit auch zuständig für die neue COS-Chefin Mascha Speier, die seit Anfang Februar den ausgeschiedenen Dirk Rahn ersetzt.

Einkauf und IT werden zentralisiert

Die Aufgaben der verschwundenen Mitarbeiter übernimmt Devil in Braunschweig. Zentralisierung lautet das Schlagwort. Als Begründung für die Entlassungen bemüht Speier die obligatorische "effektive Nutzung von Synergien und damit die Optimierung der Kostenstruktur". Mit diesen Maßnahmen soll die Eigenständigkeit des Unternehmens erhalten bleiben.

Die Entscheidung der Zentralisierung ist nicht in Linden gefallen. Dafür zeichnet der BOD-Konzern verantwortlich. Er steht als Holding über den beiden Distributoren COS und Devil. Axel Grotjahn, zugleich auch Vorstand der Devil AG, ist überzeugt vom richtigen Kurs beim Lindener Grossisten. "Das Team in Linden ist richtig gut und der Name COS steht für Kompetenz, die vom Fachhandel nach wie vor akzeptiert wird". Deshalb auch sei es selbstverständlich, dass die COS im Verbund mit Devil unter der Holding BOD selbständig bleibe. "Die COS befindet sich absolut auf Augenhöhe mit Devil", versichert der BOD-Chef und weist damit Äußerungen weit von sich, der Lindener Distributor sei nur ein Anhängsel mit geringer Bestandsdauer.

Die verbliebenen COS-Mitarbeiter in Linden werden dies gern hören. Doch es gehört schon eine große Portion Optimismus dazu, ohne Zukunftsängste das Tagesgeschäft in Schwung zu bringen. Denn viele Kunden haben sich längst nach anderen Lieferanten umgesehen – beispielsweise in Richtung Wave. Der Distributor residiert gerade mal einen Steinwurf entfernt von COS. Auch die in Linden etablierten Niederlassungen anderer Distributoren buhlen um die regionale Kundschaft. Api aus Aachen gehört dazu. Mit Christoph Runge, dem ehemaligen COS-Vertriebsleiter als Niederlassungsleiter an der Spitze, sicherlich für den einen oder anderen Händler eine Alternative zur COS.

Shop-Händler bei Devil – Systemhäuser bei COS

Der BOD-Vorstand verschließt vor dieser Situation keinesfalls die Augen, will aber die neu entstandene Konkurrenz in Linden nicht überbewertet wissen. "Wir werden den Vertrieb weiter ausbauen. Hier ist in der nächsten Zeit noch viel zu tun". Deshalb werden die beiden Distributoren COS und Devil, die früher in heftiger Konkurrenz um Marktanteile kämpften, klar abgegrenzte Produktschwerpunkte behalten. COS konzentriert sich vor allem auf die Bereiche Netzwerk, Peripherie und Telekommunikation und wird deutlich höherwertige Produkte führen als Devil. "Der klassische Devil-Kunde ist der Shop-Händler, der COS-Kunde ist eher im Systemhaus-Umfeld zu finden", erklärt Grotjahn diese Aufteilung.

Ausbau beim Europageschäft und neue Lagerlogistik

Aber nicht nur in Linden steht der Wiederaufbau nach der Insolvenzphase im vergangenen Jahr an erster Stelle, auch Devil hatte 2009 viel Aufräumarbeit zu erledigen, nachdem die ehemalige holländische Muttergesellschaft Nedfield Insolvenz angemeldet hatte. "Jetzt wird durchgestartet", kündigt Grotjahn an. Der Braunschweiger Grossist bilanzierte für das erste Halbjahr 2009/2010 einen Umsatz von etwa 150 Millionen Euro bei gleichzeitigem Ausbau der Handelsmarge und einem Halbjahresergebnis in Millionenhöhe. Dennoch bereitet die Umsatzentwicklung der zweiten Geschäftsjahreshälfte dem BOD-Vorstand Sorgen: "Ich glaube nicht an ein superspannendes Jahr 2010." Grotjahn geht davon aus, dass erst ab dem späteren Herbst das Geschäft wieder anziehen wird und kalkuliert deshalb für das Geschäftsjahr vorsichtig mit "leicht unter 300 Millionen Euro".

Für die weitere Expansion sieht Grotjahn seine Unternehmen gut gerüstet: Devil könne mit einem kräftigen Liquiditätspolster und einem Eigenkapital von rund sieben Millionen Euro das Geschäft auch in schwächeren Monaten des Jahres weiter ausbauen. Er kann sich ein verstärktes Engagement im europäischen Geschäft ebenso vorstellen wie den Aufbau neuer Ländergesellschaften. Sicher entsteht jedenfalls ein neuer Online-Shop bei Devil. "Wir wollen die Reaktionszeiten deutlich verbessern, mehr Transparenz schaffen und weitere Funktionen hinzufügen." Die Logistik wird auf eine neue Warenwirtschaft umgestellt. "Aber keinesfalls auf SAP. Das was ich dazu bei COS gesehen habe, wollen wir uns nicht antun."

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