Die seltsamen Visionen des Blackberry-Chefs Thorsten Heins

Ist Blackberry-Chef Thorsten Heins ernsthaft krank? Leidet er unter Fieberschüben mit vereinzelten Wahnvorstellungen? Oder steht er lediglich zeitweilig unter Drogeneinfluss? Fragt sich heise-resale-Kolumnist Damian Sicking angesichts verschiedener komischer Aussagen, mit denen Heins kürzlich an die Öffentlichkeit trat.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Blackberry-Chef Thorsten Heins,

Blackberry-Chef Thorsten Heins

(Bild: Blackberry)

ich hoffe, Sie sind wieder gesund und es geht Ihnen gut. Sie müssen sehr krank gewesen sein. Hohes Fieber und so. Vielleicht sogar schlimme Wahnvorstellungen. Anders lassen sich bestimmte Aussagen, die Sie in der letzten Zeit getroffen haben, nicht verstehen.

Wenn Sie zum Beispiel verkünden, dass es in fünf Jahren keinen Grund mehr geben werde, einen Tablet-PC zu kaufen und Sie damit sozusagen den Abgesang auf diese Gerätekategorie anstimmen, dann frage ich mich durchaus, ob Sie dieselben Zeitungen lesen wie der Rest der Menschheit. In den Zeitungen, die ich lese, steht zumindest drin, dass der Markt gerade erst so richtig in Fahrt kommt. Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden weltweit mehr als 49 Millionen Tablets verkauft – ein Absatzplus gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal von 140 Prozent (in Worten: einhundertvierzig!). Vor diesem Hintergrund läßt ihre Aussage vom nahen Tod des Tablets schon auf eine von einer schweren Krankheit verursachten getrübten Sicht auf die Wirklichkeit schließen. In meinem Umfeld gibt es lediglich eine Person, die Ihre Ansicht teilt: meine Frau. Die aber ist als unverbesserlicher Blackberry-Fan befangen und insofern nicht urteilsfähig.

Noch mehr Sorgen um Ihre Gesundheit und Ihr Seelenleben machte ich mir, als ich folgenden Satz von Ihnen las: "In fünf Jahren sehe ich Blackberry als den absoluten Marktführer im Bereich des Mobile Computing.“ Das sollen Sie auf einer Konferenz in Los Angeles Anfang dieses Monats gesagt haben. Genau das meine ich: Im Fieberwahn sieht man Dinge, die sonst niemand sieht. Oder ich könnte auch fragen: Wovon träumen Sie nachts? Lieber Herr Heins, seien Sie mir nicht böse, aber genauso gut könnte Muhammed Ali ("I am the Greatest!") ankündigen, er würde noch einmal die Weltmeisterschaft im Boxen gewinnen. Gut, okay, der Vergleich hinkt, die Chancen von Muhamed Ali sind größer als die von Blackberry. Denn auch wenn Sie gerade so etwas wie Morgenluft wittern, wäre es schon ein Erfolg für Blackberry, wenn es das Unternehmen in ein paar Jahren noch als eigenständige Firma gibt. Obwohl, gerade fällt mir auf, dass dies – mutatis mutandis – vermutlich auch für Muhammed Ali gilt. Egal, Sie wissen, was ich meine.

Lieber Herr Heins, wie gesagt, solche Aussagen von Ihnen aus der Position heraus, in der sich Blackberry befindet, lassen sich nur mit Fieberträumen und Visionen erklären. Und da fällt einem doch spontan wieder unser Altbundeskanzler Helmut Schmidt und sein legendärer Satz ein: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Oder hatte Ihnen jemand heimlich Drogen in den Tee gemischt? Kokain zum Beispiel soll ja entsprechende Wirkungen haben, von Euphorie über das Gefühl gesteigerter Leistungsfähigkeit bis hin zur Selbstüberschätzung; man sagt dann schon mal Dinge, an die man sich hinterher nicht mehr so gerne erinnert (und schon gar nicht gerne erinnert wird).

Lieber Herr Heins, Sie können sich jetzt auch nicht damit herausreden, dass Sie Ihre Aussagen eher langfristig gemeint haben. Denn langfristig, ich bitte Sie! Was langfristig sein wird und was nicht, darüber können wir alle doch gar keine seriöse Aussage machen. Außer natürlich die, dass wir langfristig alle tot sein werden (John Maynard Keynes).

Oder wollten Sie einfach nur mal rhetorisch auf die Kacke hauen? "Let me entertain you.“ Frei nach der Devise des Vobis-Gründers Theo Lieven: „Die Journalisten mögen schreiben, was sie wollen, Hauptsache viel und der Name ist richtig geschrieben.“ Wenn das so ist, lieber Herr Heins, finde ich das absolut okay. Spaß muss sein, auch im Business.

Beste Grüße!

Damian Sicking

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