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Endlich selbständig: Tipps für die erste Honorarkalkulation

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Wer aus dem Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit geht, ist versucht, das frühere Gehalt als Orientierungshilfe für die Kalkulation der künftigen Stundensätze zu nehmen. Zwar betrachten die meisten dabei schon die Bruttoangabe auf dem Lohnzettel, rechnen diese dann aber einfach runter: wie viel muss ich pro Arbeitsstunde verlangen, damit ich am Monatsende wieder diesen Betrag bekomme? Wer so rechnet, verlangt garantiert zu wenig von seinen künftigen Auftraggebern.

Denn wer so rechnet, vergisst mehrere wichtige Faktoren zu kalkulieren. Beispielsweise, dass man nicht das ganze Jahr über mindestens 5 Tage die Woche 8 bis 10 Stunden arbeiten kann und will. Auch ein Selbstständiger will mal Urlaub machen oder muss sich eine Auszeit nehmen, weil er krank wird. Auch Akquisetermine und deren Vorbereitung erfordern Zeit, die man aber niemandem in Rechnung stellen kann. Und selbst wer sich all das verkneift, hat noch keine Garantie, dass er komplett ausgebucht sein wird! Wer fest angestellt ist, kann beruhigt in Urlaub fahren, die Grippe auskurieren oder die Präsentation vorbereiten. Das Gehalt fließt weiter, auch wenn man in seinem eigentlichen Aufgabengebiet gerade mal nicht produktiv ist. Unterbricht der Selbständige seine bezahlte Tätigkeit, bekommt er eben auch kein Geld. Diese Lücken müssen bedacht und einkalkuliert werden.

Auch Miete, Dienstreisen, die Büroausstattung, etc. muss der Selbstständige nun selbst bezahlen. Vorher wurde es ihm einfach "hingestellt", nun muss er auch das Geld für das Equipement selbst erwirtschaften. Auch diese Kosten müssen einkalkuliert werden. Doch es sind nicht nur die laufenden Kosten, sondern auch die Vorsorge, um die sich der Selbständige eben selbst kümmern muss.

Wer sich nicht zu billig verkaufen will, muss also seinen Horizont deutlich erweitern. Das frühere Gehalt kann nur zur Orientierung dafür dienen, ob man genau soviel netto verdienen möchte oder ob es mehr oder weniger sein darf und muss. Denn der Selbstständige braucht natürlich Geld zum Leben, also wieder eine Art "Gehalt“, dass er sich in diesem Fall selber zahlt. Daher muss man auch die privaten Kosten genau im Griff haben bzw. wissen, wie viel genau man braucht.

Die geschäftlichen und privaten Ausgaben müssen durch den Stundensatz bzw. die Stunden, die man pro Monat insgesamt arbeitet, also gedeckt sein. Die Berechnung selbst ist gar nicht so schwer, wenn man die eigenen Kosten kennt. Wer Unterstützung dabei braucht, sollte sich entweder an seinen Steuerberater wenden oder kann auch mit einem der zahlreichen Stundensatz-Kalkulatoren im Netz sein Glück versuchen.

Am sichersten fährt, wer neben den eigenen Kosten auch die im Markt gängigen Preise im Auge behält. Als Neuling darf man durchaus einen Tick drunterliegen – aber bitte nicht so, dass Sie damit selbst im Minus landen. Auch sollte das Einstiegsangebot als solches gekennzeichnet sein und nicht zu sehr vom marktüblichen Niveau abweichen. Denn wer sich von der ersten Stunde als billiger Jakob verkauft, wird zwar gerne gebucht, aber nicht unbedingt ernst genommen. (Marzena Sicking) / (map)

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