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Festplatten: HEK folgt der schwachen Nachfrage

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Nach einem kurzen Zwischenhoch kaufen Reseller Festplatten wieder etwas günstiger. Nachdem sich das vierte Quartal nicht wie gewünscht entwickelt, muss nun doch wieder der Preis als Verkaufsargument herhalten. "Der Preis gibt die Impulse für den Verkauf und Specials ziehen besonders", bestätigt Marc Willems, Produktmanager Einkauf bei B.Com Computer. "Es gab durchaus eine Steigerung zum dritten Quartal, aber das Weihnachtsgeschäft hat bislang im Vergleich zum Vorjahr noch nicht richtig gezündet. Der Dollar ist weiterhin stabil und hat kaum Einfluss auf die Preisschwankungen."

Thomas Zacher, Produktmanager im Einkauf bei Devil, sieht den HDD-Absatz im Q4 ebenfalls hinter den Markterwartungen: "Aktuell beobachten wir allerdings ein endlich spürbar anziehendes Geschäft, so dass wir bis Jahresende eine weiterhin steigende Nachfrage erwarten. Bei 2,5 Zoll haben Kapazitäten mit 500 GByte die Nase vorn, bei 3,5 Zoll eher 1-TByte- und eingeschränkt auch 2-TByte-Modelle. Die zunehmende Verbreitung von NAS-Systemen regt die Nachfrage interner HDDs zusätzlich an."

"Wir rechnen weiterhin mit guter Verfügbarkeit und Nachfrage bei leicht fallenden Preisen", fasst Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution, die Erwartungen bis zum Jahresende zusammen. Die Distribution geht davon aus, dass die Nachfrage noch einmal anzieht, um dann in der KW 51 wieder abzuflauen. Da Weihnachten dieses Jahr sehr arbeitnehmerfreundlich fällt, sollte an den beiden in der KW 52 verbleibenden Werktagen nicht mehr viel passieren.

Externe HDDs: Trend zu mobilen Laufwerken

Im Kommen sind auch wieder externe Festplatten. "Soziale Netzwerke, Smartphones, Tablet-PCs, TV-Geräte mit USB-Anschluss und HD-Content im Allgemeinen sorgen weiterhin für eine Explosion in Sachen digitalen Speicherbedarfs", sagt Mario Bartnig, Director Central Europe Branded Products bei Western Digital. "Wir gehen davon aus, dass der durchschnittliche Speicherbedarf pro Haushalt mittlerweile bei einem TByte liegt. Das spiegelt sich auch in dem Kaufverhalten der Kunden wieder. Hier werden vermehrt ein und zwei TByte portable Festplatten (2,5 Zoll) und zwei bis vier TByte im Bereich externe Desktop-Speicher (3,5 Zoll) gekauft. Der Trend geht eindeutig in Richtung mobile Festplatten ohne zusätzliche Stromversorgung, welche mittlerweile einen Anteil von 75 Prozent am Gesamtmarkt für externe Festplatten haben."

Das Geschäft mit externen Laufwerken hat sich seit der Flut weltweit gut erholt: "Nur bei uns in Deutschland nicht", merkt Hormoz Vardeh, Purchasing Director bei Littlebit Technology Group, an. Grund sind die viel zu hohen GEMA-Gebühren. Der Markt ist zurzeit auf einem Niveau von etwa 60 Prozent im Vergleich zu 2011. Das zeigt, was solche unsinnigen Aktionen anrichten."

Urheberrechtsabgabe bleibt ungeklärt

Die Urheberechtsabgabe ist auch einer der Hauptgründe warum die Festplattenpreise immer noch spürbar über den Kursen von vor der Flut liegen. "Die gesamte Industrie ist der Meinung, dass die von der ZPÜ definierte Abgabehöhe massiv zu hoch ist", sagt Vardeh. "Das Gesamtvertragsverfahren mit dem Interessenkreis Medien (IM) wurde deshalb angestoßen und läuft aktuell. Aus unserer Sicht fügt die ZPÜ der Wirtschaft hier massiven Schaden zu."

Für eine externe Platte unter einem TByte sollen sieben Euro und größer einem TByte neun Euro pro Drive abgeführt werden. Eine Netzwerkplatte bis ein TByte wird mit fünf Euro belastet, ab einem TByte sind 17 Euro fällig. Zur Erinnerung: die ZPÜ hat als Vertreter der Rechteinhaber die Tarife einseitig angekündigt und veröffentlicht. Die Industrie hat diesen Tarifen aber nicht zugestimmt.

Von beiden Verhandlungsparteien wurden Studien über das Nutzungsverhalten bei externen Festplatten vorgelegt. "Eine Einigung- bzw. Anerkennung der Studien gibt es bisher nicht", erklärt Bernd Breinbauer, Director Central Europe bei Seagate. "Die Entscheidung über ein Gesamtvertragsverfahren steht weiterhin aus. Eine endgültige Klärung wird aus heutiger Sicht, auf dem steinigen und langen Weg über mehrere gerichtliche Instanzen geführt werden müssen. Zu groß sind die unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Abgabenhöhe, der urheberrechtlich relevanten Inhalte, der Auslegung des PADAWAN-Urteils und der Rückwirkung." Ein anderer neuer und strittiger Aspekt sei die effektive Durchsetzung. Das heißt, wie lassen sich die Importe (Graumarkt) unter wettbewerbsrechtlicher Sicht in den Griff bekommen.

ZPÜ benachteiligt deutschen Handel

Das PADAWAN-Urteil des Europäischen Gerichtshofes lässt jedenfalls Spielraum für Interpretationen. So erklärt es, dass "die Anwendung der 'Abgabe für Privatkopien' auf Vervielfältigungsmedien, die von Unternehmen und Freiberuflern zu anderen Zwecken als Privatkopien erworben werden, mit dem Unionsrecht nicht vereinbar ist." Sagt aber auch: "Eine solche Abgabe kann auf diese Medien angewandt werden, wenn sie von natürlichen Personen für deren privaten Gebrauch genutzt werden können."

"Unserer Meinung nach, muss das Urheberrecht für Privatkopien innerhalb Europas verglichen werden", meint Breinbauer. "In einer Bitkom-Studie wurde errechnet, dass ein 4-Personenhaushalt in Deutschland bis zu 400 Euro Urheberrechtsabgaben bezahlen muss. Im Vergleich zu England, wo keine Abgaben für Privatkopien anfallen, ist das ein Thema das vor den Wahlen viel stärker von den Medien behandelt werden sollte." (map)

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