Menü

Gute Zahlungsmoral erfreut Händler

von Kommentare lesen 3 Beiträge

Wer hätte das gedacht: Obwohl die Stimmung der Wirtschaft gedämpft ist und quasi an jeder Ecke die nächste Wirtschafts-Euro-Konjunktur-Krise lauert, laufen die Geschäfte weiterhin prima. Damit ist nicht nur der Absatz der Waren, sondern vor allem auch die Zahlungsmoral der Kunden gemeint. Und die erweist sich in diesem Frühjahr als "überraschend gut", wie der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) meldet. In der aktuellen Umfrage des Verbands berichten jedenfalls 78 Prozent der Mitglieder, dass ihre Rechnungen bzw. die ihrer Kunden jetzt genauso gut oder sogar noch besser als im Herbst 2012 bezahlt werden.

Allerdings erwartet nur noch ein Bruchtteil von ihnen eine weiterhin so positive Entwicklung. 41 Prozent der Inkassounternehmen gehen davon aus, dass sich die Zahlungsmoral deutlich verschlechtern wird. Außerdem geht man wegen der Konjunktureintrübung von einer steigenden Zahl der Unternehmensinsolvenzen aus. 2013 werden voraussichtlich 29.000 Firmen pleite gehen (2012: 28.304) und ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können. Ein Teufelskreis: Hohe Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden sind oftmals der Grund, warum Unternehmen ihrerseits Rechnungen nicht wie vereinbart begleichen können.

Bei Verbrauchern ist in 90 Prozent der Fälle eine bereits vorliegende Überschuldung der Grund für nicht bezahlte Rechnungen. Auch Arbeitslosigkeit (66 Prozent), vorsätzliches Nichtbezahlen (57 Prozent) und ein momentaner Liquiditätsengpass (50 Prozent) sind bei privaten Schuldnern oft ein Problem. Wegen der hohen Überschuldung rechnen die Inkassoexperten in diesem Jahr wieder mit rund 100.000 Verbraucherinsolvenzen (2012: 97.635). Besonders dramatisch ist der Anstieg der Überschuldung bei Jugendlichen. Für die meist zu hohen Konsumausgaben machen die Experten ein schlechtes Vorbild des Elternhauses (72 Prozent) und zu wenige Informationen zur Gelderziehung im Schulunterricht (ebenfalls 72 Prozent) verantwortlich.

Bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin kritisterte der BDIU die politische Entwicklung. So sei die geplante Reform der Verbraucherinsolvenz der Sache nicht dienlich, sondern könnte die Hemmschwelle zum Schuldenmachen bei Verbrachern sogar noch senken. Dabei sei Überschuldung hier bereits in 90 Prozent der Fälle der Hauptgrund dafür, dass private Schuldner nicht zahlen. Die Reform sieht vor, dass Überschuldete künftig unter bestimmten Voraussetzungen schon nach drei statt wie bisher sechs Jahren von ihren Schulden befreit werden.

Auch das sogenannte "Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken", über das der Bundestag derzeit berät, stand in der Kritik. Wegen der hier geplanten Inkassoregulierung müssten nicht nur die "schwarzen Schafe" der Branche, sondern auch seriöse Inkassounternehmen um ihre Existenz bangen. Deshalb fordert der BDIU eine Zentralisierung der behördlichen Inkasso-Aufsicht, Berufspflichten für Inkassounternehmen und die Definition von verbindlichen Formulierungen für Inkassoschreiben. Verstöße sollten mit Sanktionen geahndet werden. Die Kosten sollten an das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz angeknüpft werden, so würden sich Auswüchse bei Inkassogebühren wirkungsvoll unterbinden lassen. (gs)

Anzeige