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"Man darf ruhig etwas dumm sein, man muss sich nur zu helfen wissen."

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Lieber Astaro-Manager Günter Junk,

herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe als "Senior Vice President for worldwide Sales and Marketing" bei der Astaro AG in Karlsruhe. Aber nun zu meinem eigentlichen Thema:

Manager lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: die Intellektuellen, die Macher und der Rest. Die Intellektuellen haben ihre Stärken im Analysieren, im Präzisieren, auch im Spintisieren. Man nennt sie auch Visionäre und sind bekanntlich ein Fall für die Medizin (Altbundeskanzler Helmut Schmidt über den anderen Altbundeskanzler Willi Brand 1980: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen."). Die Macher sind von einem anderen Schlag: Pragmatiker vom Scheitel bis zur Sohle, für die nur das Hier und Jetzt zählt. Tatendurstige, kraftvolle Mannsbilder mit energischem Kinn, jederzeit bereit und in der Lage, die Welt aus den Angeln zu heben. Der Rest sind Mischformen, auch Hybride genannt. Das sind, wie man aus dem Tierreich weiß, die widerständigsten und zähesten Vertreter ihrer Art.

Auffällig ist, dass die Einsteins in den Unternehmen fast nie ganz oben an der Spitze sitzen, sondern eher in der zweiten Reihe. Wie übrigens auch in der Politik. Bereits vor einigen Monaten hatte ich an dieser Stelle anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse erörtert, dass ein Intelligenzquotient von 130 oder mehr tendenziell eher störend ist auf dem Weg an die Spitze. Zu diesem hochspannenden Thema las ich jetzt gerade einen interessanten Satz des langjährigen früheren Vorstandschef des Anlagenbauers Voith AG, Dr. Hermut Kormann. Der sagte: "Um Erfolg zu haben, braucht man nicht klug zu sein, man darf nur nicht dumm sein." (Zitiert in dem Artikel "Der große Fehler" von Hermann Simon in der Oktober-Ausgabe des Manager-Magazins auf Seite 68).

Nun, was den ersten Teil seiner Aussage betrifft ("Um Erfolg zu haben, braucht man nicht klug zu sein ..."), so wird diesen kaum jemand anzweifeln. Reichtum zum Beispiel hat bekanntlich auch nichts mit Intelligenz zu tun, wie der Wissenschaftler Jay Zagorsky von der Ohio State University bereits vor zwei Jahren festgestellt hat. Worüber ich mir aber gar nicht so sicher bin, ist, dass auch der zweite Teil des Kormannschen Satzes ebenso wahr ist ("... man darf nur nicht dumm sein"). Ich habe da vielmehr so meine Zweifel. Es gibt nämlich viele ernstzunehmende Leute, die sehen das ganz anders. Die sagen zum Beispiel: "Man darf ruhig etwas dumm sein, man muss sich nur zu helfen wissen." Okay, ich schließe nicht hundertprozentig aus, dass dieser Satz nicht ganz ernst gemeint ist, aber trotzdem ist da doch was dran, finden Sie nicht? Klar, möglicherweise reicht "man muss sich nur zu helfen wissen" nicht ganz aus, um Vorstandsvorsitzender zum Beispiel der Telekom AG zu werden, aber will man das?

Ich will hier nicht noch einmal den Satz strapazieren, dass die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln ernten, denn der ist ja nun wirklich total Asbach und überholt. Aber vielleicht auch nicht, denn man kennt das ja von diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen: "Die Wahrheiten von heute sind die Irrtümer von morgen." Ich finde jedenfalls, dass Dummheit auch etwas sehr Gutes hat. So gilt es als erwiesen, dass dumme Männer besser schlafen (bei Frauen übrigens genau umgekehrt). Ja, und der Rest ist klar: Wer nachts gut schläft, kann am nächsten Tag frisch und ausgeruht seinem Tagwerk nachgehen und die Leiter zum Erfolg erklimmen ("machen"), während das Superhirn nach einer miesen Nacht nicht in die Gänge kommt. Quod erat demonstrandum, wie der Schwede sagt.

Beste Grüße!

Damian Sicking

Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale.

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