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Ohne Cloud gibt es keine Industrie 4.0

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Das Ergebnis unseres IT Innovation Readiness Index (IRI) hat uns selbst überrascht: Über 40 Prozent der befragten Fertigungsunternehmen lehnen Cloud Computing kategorisch ab. Zumindest in diesem Punkt müssen wir dem fertigenden Mittelstand die "IT Innovation Readiness" zum jetzigen Zeitpunkt zu weiten Teilen absprechen. Doch es gibt Ausnahmen: Die mittelständische Automotive-Industrie setzt auf Cloud-basierte Speicher- und Backup-Lösungen. Der Wolken-Klassiker Software-as-a-Service (SaaS) wird allerdings allgemein von mittelständischen Fertigern nur zu einem geringen Prozentsatz für Nischenlösungen wie Customer Relationship Management (CRM), Human Resources (HR) und Product Lifecycle Management (PLM) eingesetzt, auch in der Automobilindustrie.

Die Frage ist: Wieso bestehen derart gravierende Vorbehalte gegenüber Cloud Computing? Die größte Hürde ist in unseren Augen die Unkenntnis über die "Wolken-IT" allgemein und über die unterschiedlichen Modelle im Einzelnen. Public oder Private Cloud – dieser Unterschied ist für viele der befragten Unternehmen nicht erkennbar, als läge ein Nebel über den Modellen. Die Chancen und Risiken der verschiedenen Lösungen können daher nicht realistisch eingeschätzt werden. Das führt zwangsläufig zu Vorurteilen – vor allem in puncto Datensicherheit. Wenn nicht klar zwischen Public und Private Cloud unterschieden wird, werden Vorbehalte gegenüber dem öffentlichen Modell auch auf die private Version übertragen. Die aktuelle Debatte über die amerikanische und britische Überwachung durch Ausspäh-Programme wie Prism und Tempora dient in diesem Zusammenhang auch nicht gerade dazu, Vorbehalte zu zerstreuen – im Gegenteil.

Daher ist es unsere Aufgabe, Vorurteile aufzuklären und abzubauen sowie dem Mittelstand die Vorteile von Cloud Computing glaubhaft zu vermitteln. Denn gerade vor dem Hintergrund von Industrie 4.0 ist die Wolken-IT entscheidend für die Realisierung der vierten industriellen Revolution, wenn sich Fertigungsprozesse grundlegend verändern: Auf der Basis universell vernetzter Werkstücke und Maschinen organisiert, steuert sich die smarte Fabrik selbst. Hierfür müssen produktionsnahe Steueraggregate in Echtzeit durch ein Manufacturing Execution System (MES) in die ERP-Ebene integriert werden. Ohne Cloud Computing ist diese Herausforderung aus unserer Sicht nicht zu bewältigen.

Die Private Cloud nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein. Denn anders als bei der öffentlichen "Wolke" stehen Private Cloud-Dienste nicht über das Internet, sondern über verschlüsselte VPN-Tunnelleitungen zur Verfügung. Und sofern die Unternehmensdaten in einem abgesicherten Rechenzentrum in Deutschland gespeichert werden und der Provider nicht dem Patriot Act der US-Administration unterliegt, sind Private Clouds sicherer als Daten, die Sie auf internen Servern speichern. So gesehen erweist sich Cloud Computing als unumgängliche Station ins Industrie 4.0-Zeitalter für die Fertigungsindustrie und ist damit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

Beste Grüße
Horst Reichardt
CEO der Freudenberg IT

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