Optische Laufwerke sterben einen langsamen Tod

Die gute Nachricht: Optische Laufwerke erfreuen sich nach wie vor einer stabil hohen Nachfrage. Die schlechte Nachricht: Blu-Ray bleibt im Schatten des DVD-Brenners und mittelfristig besitzen Flash-Speicher und Festplattenlösungen die besseren Argumente.

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  • Georg Schnurer

DVD-Brenner sind im HEK ab rund 13 Euro erhältlich. Ein Blu-Ray-Brenner wie der LG BH10LS beläuft sich aktuell auf nicht ganz 78 Euro ein. Vor einem Jahr mussten Reseller dafür noch fast 40 bzw. 35 Prozent mehr ausgeben. Optische Laufwerke verlieren zwar grundsätzlich an Bedeutung, Nachfrage besteht jedoch weiterhin.

"Das Geschäft mit optischen Laufwerken ist aus unserer Sicht nicht rückläufig, sondern relativ stabil und ungefähr auf Vorjahresniveau – auch im vierten Quartal", erklärt Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "Lediglich die Nachfrage nach klassischen DVD-ROMs ist gesunken, was auf die reduzierten Gema-Gebühren für Brenner zurückzuführen ist. DVD-Brenner sind heute preislich attraktiver und werden verstärkt nachgefragt."

Actebis Peacock verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr sogar eine deutliche Steigerung bei DVD-Brennern. "Der Verkauf von Blu-Ray-Brennern hat sich sogar mehr als verdoppelt", erklärt Markus Hollerbaum, Business Unit Manager Storage & Componets bei Actebis Peacock. "Wir rechnen mit einer weiterhin stabilen Preisentwicklung."

"Die Nachfrage nach optischen DVD-Laufwerken wird weiterhin sehr stark rückläufig sein", meint dagegen Bernd Prütting, Geschäftsführer bei MediaCom IT-Distribution. "Die Blu-Ray-Technologie wird diesen Rückgang nicht ansatzweise kompensieren können. Die geringere Nachfrage und der dadurch entstehende Marktdruck wird zu einem weiteren, allerdings moderaten Preisverfall führen. Verfügbarkeitsprobleme sind nicht gegeben, da weiterhin ein Überangebot besteht."

Blu-Ray scheitert bisher als DVD-Nachfolger

DVD-ROMs wurden nahezu komplett von DVD-Brenner ersetzt. Insgesamt ist der Absatz interner optischer Laufwerke rückläufig.

(Bild: Plextor)

Seit 2006 arbeitet Blu-Ray daran, die DVD zu beerben. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelt sich die Akzeptanz der Technik aber zu langsam. "Wir schätzen den Blu-Ray-Anteil auf zirka fünf bis zehn Prozent des optischen Marktes, was einer leichten Steigerung gegenüber dem Vorjahr entspricht ", erläutert Ingram-Manager Gerken. "Sicherlich wird der Blu-Ray-Anteil im PC-Markt zunehmen, allerdings nicht so schnell wie im Home-Entertainment-Bereich. Wir erwarten weiterhin den größten Verkaufsanteil bei DVD-Brennern."

Die Laufwerkshersteller sehen die künftige Entwicklung naturgemäß optimistischer. "Blu-Ray-Laufwerke werden im Markt und auch bei den OEM-Herstellern immer wichtiger", meint Ben Usadel, Vertriebsleiter für DACH bei PLDS. Die günstigeren Anschaffungskosten führt er unter anderem auf gesunkene Fertigungskosten zurück. Endkundenpreisen ab 50 Euro würden zudem das Interesse forcieren. "Hinzu kommt, dass es nun nahezu alle neuen Filme auch auf Blu-Ray gibt und Blu-Ray als das neue Standard-Medium gilt", sagt Usadel. Davon werde auch das PC-Segment profitieren.

Der Branchen-Verband Bitkom erwartet beispielsweise, dass sich die Nachfrage nach Blu-Ray-Playern dieses Jahr auf eine Million Stück verdoppelt. 3D und hochauflösende Bilder seien hierbei die treibenden Kräfte.

"Der Marktanteil von CD-R- und DVD-Recordable-Medien ist 2009 um durchschnittlich 20 Prozent eingebrochen", beschreibt Mediacom-Manager Prütting die Tendenz bei optischen Datenträgern. "Auch Blu-Ray wird diesen Trend nicht stoppen können. Das Segment weist zwar Steigerungsraten auf, aber dies findet auf einem eher niedrigen Niveau statt und wird somit, was die Abverkaufszahlen anbelangt, an die Glanzzeiten der CD und DVD nicht mehr heran reichen." Der Grund für diese Entwicklung sei das geänderte Anwendungsverhalten des Konsumenten. Die Silberscheiben sind längst nicht mehr erste Wahl, wenn es um die Wiedergabe und den Datenaustausch geht. Dies geschehe nun vor allem über Festplatten, NAS-Systemen, Mediaplayern oder Flash-Speichern. Hinzu kommt der steigende Kapazitätszuwachs bei gleichzeitig sinkenden Preisen pro GByte.

Mit externen optischen Laufwerken lässt sich derzeit noch das rückläufige Geschäft mit internen Brennern kompensieren. Als Speichermedium und transportabler Datenträger sind Festplatten, RAIDs und Flash-Speicher künftig aber ein übermächtiger Gegner.

(Bild: LiteOn)

PLDS-Manager Usadel sieht zwar den steigenden Stellenwert von Flash-Speichern, allerdings sollen optische Laufwerke noch viele Jahre eine wichtige Rolle spielen: "Diese sind sowohl als Abspielmedium als auch zur dauerhaften Archivierung von Daten der effektivste Weg. Filme werden hauptsächlich auf DVD- oder BD-Discs verkauft. Dabei ist auch die Datenmenge entscheidend, so ist bei HD-Filmen oder Backups viel Speicherplatz und somit eine BD-Disc erforderlich. Auch die Haltbarkeit einer Blu-Ray-Disc ist länger als die einer externen Festplatte oder eines Sticks."

Blu-Ray im Business-Einsatz

Auch im Business-Einsatz hat es die Blu-Ray-Technologie schwer. Zwar versucht die Branche das Medium stark zu reden, bisher schlägt sich dies jedoch nicht entscheidend in den Verkaufszahlen nieder. "NAS-Systeme, externe Festplatten und Blu-Rays sind die wichtigsten Archivierungsmedien", erklärt PLDS- Manager Usadel. "Dabei eignen sich sowohl NAS-Server, als auch externe Laufwerke eher zur kurzfristigen und BDs zur langfristigen Datensicherung. Bei richtiger Lagerung kann man von einer Lebensdauer von 50 Jahren ausgehen." Zudem seien die auf einer Blu-Ray archivierten Daten sicher vor Manipulationen aus dem Netz.

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Mediacom-Manager Prütting ist jedoch skeptisch: "Das Blu-Ray im B2B-Segment als Archivierungsmedium an Bedeutung zulegt, erscheint mir als nicht realistisch. Bedingt durch den noch viel größeren Speicherbedarf gegenüber dem Business-to-Consumer-Markt eignet sich das Blu-Ray-Medium nur für spezielle Nischenbereiche wie beispielsweise der Medizintechnik zur Archivierung von Patientendaten." Im B2B-Bereich sieht Prütting vor allem RAID- und NAS-Systeme im Vorteil. Sie bieten Endkunden neben schnellen Datenübertragungsraten auch ein günstiges Preis/-Leistungsverhältnis. Dies müsse bereits die Bandtechnologie schmerzlich erfahren. Tape ist als Backup- und Archivmedium eindeutig rückläufig.

"Im SMB-Segment sehen wir mit der RDX-Technologie eine interessante Alternative, welche die Vorzüge aus der Kombination zwischen den Konkurrenzformaten Harddisk und Tape vereint", sagt Prütting. "Zudem profitiert RDX durch die Weiterentwicklung von Autoloadern, die aktuell von BDT und Imation umgesetzt werden."

Die Distribution hat Blu-Ray auch als Archivmedium noch nicht abgeschrieben. Die Abverkaufszahlen würden sich durchaus positiv entwickeln. Einem Vergleich mit externen Festplatten und NAS-Servern könne die optische Technik jedoch nicht standhalten. Für das kommende Jahr kann der Handel mit einem moderaten Wachstum bei Blu-Ray-Laufwerken rechnen. Insgesamt soll der gesamte optische Bereich aber eher nach unten tendieren. Momentan verzeichnen Distributoren erste Anzeichen von Engpässen und warnen vor möglicherweise leicht steigenden Preisen. Da über die Weihnachtsfeiertage das Geschäft üblicherweise zurückgeht, erscheinen Preisaufschläge aktuell aber als unwahrscheinlich. (gs)