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Partners in Europe künftig unter französischer Flagge

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Die Konsolidierung in der Distribution schreitet munter weiter voran. Seit Montag dieser Woche gibt es einen eigenständigen Value Add Distributor weniger: Partners in Europe. Das Unternehmen mit Sitz in Wörthsee nahe München, wurde vom französischen Spezialdistributor Itancia übernommen. Mit Partners in Europe geht auch die Schweizer Tochtergesellschaft EGTel in den Besitz von Itancia über. Der VAD und Dienstleister ist damit seinem Wunsch nach einer paneuropäischen Distribution sehr nahe gekommen. Denn jetzt verfügt Itancia immerhin über sieben Standorte in Europa: Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Portugal. Außerdem ist das Unternehmen noch in Tunesien in Nordafrika präsent.

Was zur Abrundung noch fehlt, sind Nordeuropa und Großbritannien. Stéphane Courgeon, Vice President Sales und Marketing sowie Interimsgeschäftsführer für das deutsche Geschäft, äußerte sich im Rahmen einer Pressekonferenz am 15. September zur Expansion in Richtung Skandinavien zurückhaltend. Und der Sprung auf die britische Insel sei nicht einfach. "Großbritannien ist ziemlich taff." Ohnehin stehe jetzt erst einmal die Integration des Neuerwerbs Partners in Europe im Vordergrund.

Mitarbeiter komplett übernommen

Und die, darin sind sich Courgeon und Padberg einig, sei zumindest schon mal bei den Mitarbeitern positiv aufgenommen worden. "Wir haben eine industrielle Akquisition vorgenommen und keine im Stil eines Finanzinvestors", betont Courgeon. Soll heißen, Partners in Europe und EGTel bleiben in ihren Strukturen komplett erhalten. Auch bei den Kundenbeziehungen werde sich nichts ändern. Keine Änderungen gebe es auch beim Mitarbeiterstamm. Alle Beschäftigten sind übernommen worden. Einzig Michael Padberg zieht sich mit dem Verkauf aus dem Unternehmen zurück. Für ihn, der als Vorstand das Unternehmen führte, wird derzeit ein General Manager gesucht. Es müsse, wie Courgeon versichert, ein distributionserfahrener Spezialist aus Deutschland oder Österreich sein.

Es sei nicht leicht, sein "Baby zu verlassen", doch ist Padberg überzeugt, dass es für einen Value Add Distributor nur dann eine Zukunft gebe, wenn er paneuropäisch aufgestellt sei. "Immer mehr Hersteller wollen europaweite Vereinbarungen abschließen." Da könne man als kleiner Fisch im Haifischbecken nicht überleben. Auf jeden Fall habe er einen Käufer gefunden, der ähnlich denkt. Künftig wird sich Padberg ausschließlich auf sein Systemhaus PTC Telecom konzentrieren. Das soll weiter ausgebaut werden, "und vielleicht werden wir mal der größte Kunde von Partners in Europe", fügt er scherzhaft an.

Übereinstimmung bei Herstellern und Services

Das französische Unternehmen Itancia zählt im Heimatland zu den größten Distributoren für Kommunikationsausrüstungen. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von etwa 80 Millionen Euro prognostiziert, wobei die Distribution mit einem Anteil von etwa 75 Prozent beteiligt ist. Der Grossist ist in vier Geschäftsbereiche unterteilt: Distribution von Telekommunikations- und Netzwerkprodukten, Öko-Recycling von gebrauchten Produkten, Reparaturen und Instandsetzung sowie maßgeschneiderte Logistikleistungen für Kunden. Auf Herstellerseite gehört Itancia zu den wichtigsten Distributoren für Siemens und Alcatel-Lucent.

Speziell die Übereinstimmung bei den wesentlichen Herstellervereinbarungen war für den französischen VAD ein Grund für den Kauf von Partners in Europe und dessen Schweizer Tochter EGTel. Zwar habe man im Vorfeld auch andere mögliche Distributoren in Deutschland geprüft, aber nirgends so viel Übereinstimmung gefunden, ergänzt Courgeon. Auf jeden Fall, so der Interims-Chef, lege er Wert darauf, dass "die regionalen Firmen so agieren, wie es der regionale Markt erfordert". Deshalb könne er Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen versichern, dass sich nichts Grundsätzliches durch die Übernahme bei Partners in Europe und EGTel ändern werde. "Die Ansprechpartner für die Händler sind auch in Zukunft die gleichen" und auch die Waren würden weiterhin aus dem Lager in Wörthsee kommen. Ebenso gebe es keine Änderungen am Standort Wörthsee, es sei denn, die deutsche Gesellschaft expandiere so stark, dass neue Räume nötig werden würden. "Aber auch dann bleiben wir in unmittelbarer Nähe des jetzigen Standortes." (map)

Kommentar von Wolfgang Kühn

Konsolidierung zum Vorteil Aller


18 Monate dauerte die Brautschau. Dann trat das Brautpaar vor den Altar. Zwei Tage später Pressekonferenz. Strahlend präsentierten sich der Käufer Stéphane Courgeon und der Verkäufer Michael Padberg. Politiker würden sagen, da passt kein Blatt Papier dazwischen.
In der Tat haben sich hier zwei gefunden, die ihre Interessen gut verbinden können, die als VADs in identischen Geschäftsfeldern tätig sind. Außerdem: Itancia braucht auf seinem Marsch zum paneuropäischen Player ein Unternehmen im größten europäischen Markt, in Deutschland. Partners in Europe wiederum sah für sich, trotz aller Erfolge, Grenzen gesetzt.
Jetzt aber beginnt der Alltag. Nur wenn Itancia das Versprechen einlöst, dass Partners in Europe und EGTel ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen und ausbauen können, wenn die Kunden der beiden Grossisten ihre Ansprechpartner und die gewohnte Leistungen behalten, dann hat sich die Akquisition gelohnt. Zumal mehr Produkte, Services und Dienstleistungen in Aussicht gestellt werden. So gesehen ist Konsolidierung durchaus sinnvoll. Oder wie es die Brautleute auf einen Nenner brachten: "Das ist eine Win-Win-Situation."

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