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So finden Sie den passenden Anwalt

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Bei einem Anwalt schaut man in der Regel nicht vorbei, um sich schon mal "einen ersten Eindruck" zu verschaffen. Wer einen juristischen Rat braucht, braucht ihn meistens sofort und kann nicht mehr viel Zeit für die Suche aufwenden. Auch sind die Juristen selbst meist keine große Hilfe, denn Sie dürfen im Grunde gar nicht für sich und ihre Kenntnisse werben. Entsprechende Flyer oder Prospekte sucht man vergebens. Immerhin findet man im Internet entsprechende Suchdienste, die Anwälte nach Wohnort und Spezialisierung auflisten, doch sie erleichtern nur die Adresssuche, aber nicht die Beurteilung. Auch sind diese Suchdienste nicht vollständig, denn in Deutschland gibt es mehr als 120.000 Anwälte, die Listen bilden also immer nur einen kleinen Bruchteil ab. Als "Praxis-Test" bleibt da höchstens die Erstberatung, die vor der offiziellen Vergabe eines Mandats steht, doch auch die muss bezahlt werden und kann – je nach Anwalt – schon ein paar hundert Euro kosten.

Also, was tun, um schnell den passenden Anwalt zu finden? Wer die folgenden Tipps beachtet, ist auf jeden Fall einen Schritt näher an seinem Wunsch-Juristen.

1. Fragen Sie den Anwalt nach seinem Fachgebiet

Ist er hauptsächlich im Familienrecht tätig, macht es wenig Sinn, sich im Arbeitsrechtprozess von ihm vertreten zu lassen. Noch besser ist es, darauf zu achten, dass es sich um einen entsprechenden "Fachanwalt" handelt, denn diese Bezeichnung dürfen nur Anwälte führen, die sich entsprechend fortgebildet haben, besondere praktische Kenntnisse vorweisen können und gemäß der Bundesrechtsanwaltsordnung auch die Bezeichnung Fachanwalt verliehen bekommen. Außerdem muss ein Jurist, der Fachanwalt bleiben will, regelmäßig an entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Damit soll sichergestellt werden, dass er in seinem Bereich immer auf dem neuesten Stand ist – und das ist sicher in Ihrem Sinne. Auch Tätigkeitsschwerpunkte und Interessengebiete sollten genannt werden.

2. Achten Sie auf die Außendarstellung

Suchen Sie einen Anwalt für IT-Recht, dann dürfen Sie von ihm auch erwarten, dass seine Homepage nicht total von gestern ist. Wer Ihnen z.B. eine "abmahnsichere Homepage" verspricht, sollte auf der eigenen auch die entsprechenden Vorschriften nicht verletzen. Und auch wenn das gemein sein mag: Ein Anwalt, der sich im Online- und IT-Bereich bewegt, sollte wissen, wie wichtig die inhaltliche und optische Darstellung einer Firma im Internet ist. Sieht seine Homepage aber trotzdem aus, als hätte der 14-jährige Sohn sie ihm "gestrickt", darf bezweifelt werden, ob der Mann die Branche, aus der seine Klienten kommen, wirklich versteht.

3. Mundpropaganda

Fragen Sie Kollegen und Partner um Rat. Fast jeder Unternehmer hatte schon mal das "Vergnügen", mit einem Anwalt zu tun zu haben. Dabei sollten Sie nicht nur auf die Anwälte achten, von denen Ihr Partner in höchsten Tönen schwärmt. Auch der verhasste gegnerische Anwalt, der ihm eine Niederlage zugefügt hat, könnte für Sie durchaus interessant sein. Und wie gesagt: da Anwälte kaum für sich Werben dürfen, sind sie auf Mundpropaganda angewiesen und Sie haben nicht allzuviele andere Möglichkeiten, um Informationen über die Arbeitsweise einzuholen.

4. Juristendeutsch

Nichts kann den persönlichen Kontakt und Eindruck ersetzen. Achten Sie bei der Erstberatung aber nicht nur darauf, ob der Anwalt Ihnen alle nötigen Informationen liefert, sondern auch darauf, ob Sie die Angaben verstehen. Auch wenn es kompliziert ist: Der Anwalt sollte Ihnen Ihre rechtliche Lage, das zu erwartende Verfahren und seine Vorgehensweise erklären können, ohne, dass Sie dafür einen Dolmetscher brauchen. Denn nur, wenn Sie beide die "gleiche Sprache" sprechen, können Missverständnisse vermieden werden. Und vergessen Sie nicht, das Thema Kosten anzusprechen, auch hier sollte vollste Transparenz herrschen. (Marzena Sicking) / (map)

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