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Über 40 und noch immer Top im Job – so funktioniert's

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Barbara Kettl-Römer ist Wirtschaftsexpertin und Autorin verschiedener Ratgeber zum Thema Finanzen. In ihrem neuesten Werk gibt sie Arbeitnehmern Hilfestellung, wie sie auch über 40 attraktiv für Arbeitgeber bleiben. Einige der Tipps verriet sie im Interview mit heise resale:

Warum schwinden ab dem 40sten Lebensjahr die Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt so dramatisch?

Kettl-Römer: "Es ist sicher nicht so, dass mit 39 noch alles in Ordnung ist und man einen Tag nach dem 40. Geburtstag plötzlich einen Stempel 'altes Eisen' auf der Stirn trägt. Trotzdem ist man mit 40 keine hoffnungsvolle Nachwuchskraft mehr. Wer mit Anfang 40 im Berufsleben steht, hat seinen beruflichen Weg im Prinzip gefunden, einiges an Erfahrung gesammelt, eventuell eine Familie gegründet. Damit sind Sie einfach nicht mehr so hungrig, unbedingt einsatzbereit und flexibel wie ein jüngerer Kollege, der noch dabei ist, sich und seinen Weg zu finden. Von 'nicht mehr so hungrig und flexibel' ist es dann oft nicht mehr weit zu 'unflexibel und zu wenig leistungsbereit' – jedenfalls in den Köpfen vieler Führungskräfte."

Ist das Thema "Wie bleibe ich top im Job" deshalb für über 40-Jährige besonders wichtig?

Kettl-Römer: "Durchaus. Den hohen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt können Sie nicht ausweichen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Arbeitskosten sehr hoch, und der Wettbewerb, in dem die Unternehmen global stehen, ist hart. Deswegen müssen die Arbeitnehmer einfach enorm produktiv und leistungsfähig sein. Wer dabeibleiben und den Belastungen standhalten will, muss sich also laufend weiterqualifizieren, sich aktiv an Veränderungen anpassen, sich neuen Herausforderungen stellen, einsatzbereit sein und seine Gesundheit erhalten. Aber noch verhalten sich zu viele Arbeitnehmer jenseits der 40 zu passiv. Viele vertrauen auf den Kündigungsschutz und hoffen, dass sie sich bis zur Rente noch irgendwie durchwursteln können. Das aber ist jetzt schon gefährlich und wird in Zukunft gar nicht mehr funktionieren."

Was sollte man als Arbeitnehmer denn genau tun, um "top im Job" und für Arbeitgeber attraktiv zu bleiben?

Kettl-Römer: "Zunächst müssen Sie ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Sie kein passiver Arbeit-Nehmer sind, sondern ein 'Arbeitsmarkt-Unternehmer', der seine eigenen Fähigkeiten und Leistungen anbietet. Sie sind selbst dafür verantwortlich, sich arbeitsmarktfit zu halten, solange Sie am Arbeitsmarkt teilnehmen wollen oder müssen. Die einzelnen Bausteine der Jobfitness sind neben der Eigenverantwortung Initiative, lebenslanges Lernen, Flexibilität, Kommunikations- und Teamfähigkeit, Realismus und Frustrationstoleranz. Natürlich kann nicht jeder alles perfekt beherrschen, aber es geht darum, sich der Anforderungen bewusst zu werden und an sich zu arbeiten, sich kontinuierlich zu entwickeln und nie in geistige Trägheit und Passivität zu verfallen. Das kann man als Zumutung betrachten. Ich sehe es als Bereicherung."

Sie raten dazu, nicht ewig in ein und demselben Unternehmen zu bleiben. Aber ist es nicht riskant, einen sicheren Job freiwillig aufzugeben?

Kettl-Römer: "Was ist riskanter: Sich nach einigen Jahren in einem Unternehmen eine etwas höherwertige Stelle in einem anderen Unternehmen zu suchen, auch wenn man dort nicht sofort höchsten Kündigungsschutz hat, oder nach 25 Jahren im selben Unternehmen plötzlich auf der Straße zu stehen, weil der Betrieb geschlossen wurde? Wer 25 Jahre lang dasselbe im selben Unternehmen gemacht hat, gilt als eingefahren und nicht mehr lernfähig, und das sicher nicht ganz zu unrecht. Wer öfter mal gewechselt hat, hat gezeigt, dass er die Fähigkeit hat, sich neu zu orientieren, neue Probleme zu lösen und sich an neue Anforderungen anzupassen. So jemand findet viel leichter wieder eine neue Stelle."

Man hört einerseits vom Jugendwahn in Unternehmen, anderseits vom demografischen Wandel, der auch älteren eine Chance gibt. Auf welche Realität sollte man sich heute in den 40ern einstellen?

Kettl-Römer: "Natürlich gibt es Branchen und einzelne Unternehmen, die einem extremen Jugendkult frönen. Dazu gehören besonders bestimmte Medien, IT-Unternehmen oder die Werbebranche. Wer in einer solchen Branche arbeitet, sollte nicht darauf hoffen, für ihn werde es eine Ausnahme geben, sondern sich lieber mit Ende 30, Anfang 40 eine Alternative überlegen, sich beispielsweise selbstständig machen oder in eine ähnliche Position in einer anderen Branche wechseln." (Marzena Sicking) / (map)

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