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Ultrabooks: Warten auf den großen Durchbruch

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Intel und die PC-Hersteller setzen große Erwartungen in die neue Notebook-Kategorie Ultrabook. Trotz widersprüchlicher Absatzprognosen deuten die Verkaufszahlen im laufenden Jahr allerdings nur auf eher mäßiges Interesse der Kunden. Denn gerade an der Preisfront scheint sich bei Ultrabooks wenig zu bewegen. Die Hoffnung, dass die zur Computex Taipei 2012 Anfang Juni lancierten neuen Ivy-Bridge-Prozessoren Linderung bringen würden, hat sich nicht erfüllt – vorerst zumindest. Und so müssen sich die Hersteller weiter behelfen, an anderer Stelle zu sparen, mit Standardkomponenten und Hybrid-Festplatten etwa, um die Preise zu senken.

Vermarktung und Vertriebswege

Hatten die Hersteller mit den 2011 erschienenen Geräten in erster Linie Consumer im Blick folgte dann mit dem Einstieg von Hewlett-Packard, Dell und Fujitsu Anfang 2012 eine regelrechte B2B-Offensive. Heute üben sich die Anbieter selbst bei dediziert unterschiedlichen Produktlinien mehrheitlich im "sowohl als auch".

Das betrifft nicht nur die Ausstattung wie etwa Multimedia- und Security-Features in den jeweiligen Consumer- und Business-Ultrabooks, sondern vielfach auch Vermarktung und Vertriebswege. "Es gibt hier nicht nur Schwarz oder Weiß – jeder Business User ist in meinen Augen auch ein Konsument", bringt Toshiba-Marketingchef Gabriel Willigens die Situation auf einen Nenner und erklärt, warum "möglichst viele Kunden von den Möglichkeiten der Ultrabooks" erfahren sollen.

"Lange Akkulaufzeiten sprechen den Privat- wie auch den Geschäftsanwender an. Die Grenzen zwischen Privat- und Geschäftsnutzung der Ultrabooks verschwimmen zunehmend. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der 'Consumerization of IT' in Unternehmen. Das ebenfalls rein für Consumer entwickelte und beworbene MacBook Air ist dafür ein gutes Beispiel", sagt Asus-Vertriebschef Jan Schneider. Sony bemüht sich um eine nutzerorientierte Kundenansprache, Produktmanager Henrik Schäfer sieht jedoch den Studenten exemplarisch für die vielzitierte 'Consumerization' und Adressierung aus der B2B- wie aus der B2C-Perspektive: "Ob in der Uni oder privat unterwegs oder daheim, das Ultrabook hat er immer dabei."

Fujitsu hat zwar auch Consumer-Ultrabooks im Programm, konzentriert sich aber "primär auf Kunden im Business-Umfeld", wie Channel- und Retail-Chef Jörg Brünig betont. Mit Intels vPro-Technologie lasse sich beispielsweise das Lifebook U772 ganz einfach vom Administrator "managen" und somit sei der Einzug ins Enterprise-Segment im wahrsten Sinne des Wortes "sichergestellt". Das fördere auch die Akzeptanz des "bring your own device" (BYOD) in den Unternehmen als Ausdruck einer neuen Zielgruppe von Konsumenten, die ein leistungsstarkes Gerät suchten, um es sowohl privat als auch für die Arbeit nutzen zu können.

Bei aller Beteuerung, wie wichtig der stationäre Fachhandel ihnen ist, kommt heute aber auch kein Anbieter mehr an den E-Tailern vorbei. "Online sprechen die Ultrabooks sicherlich vorwiegend technikaffine Kunden und Early Adopter an, die sich im Vorfeld bereits informiert haben. In den Flächenmärkten begeistern die Geräte schon aufgrund ihrer Optik", meint Acer-Zentraleuropa-Chef Wilfried Thom. Im Sinne von ROI-fördernden Zusatzangeboten und Serviceleistungen werden Business-Kunden allerdings von HP-Manager Stefan Binder immer noch vielfach an den qualifizierten Fachhandel verwiesen.

Mehr Mobilität

Den generellen Trend zu mehr Mobilität unterstreicht eine neue Toshiba-Studie. Demnach arbeiten zwar noch immer gut 38 Prozent mit ihrem Rechner stationär, der Anteil der häufiger mobil arbeitenden Nutzer liegt aber schon bei 28 Prozent. HP-Manager Binder erläutert, warum sich das mit Ultrabooks zu ändern scheint: "Dass es heute gelebter Alltag ist, unterwegs mit dem Netz verbunden zu sein", zeigen Smartphones und Tablets. "Ultrabooks schließen jetzt genau die Lücke, die Tablet und Notebook bisher nicht füllen konnten: Sie bieten uneingeschränkte Mobilität, ohne auf Leistung, Ausstattung und Komfort verzichten zu müssen", unterstreicht Binder. Wichtig auch: Hohe Akkulaufzeiten werden von Kunden zunehmend als kaufentscheidend erachtet, zumal die privaten Nutzer sich auch im Haus oder in der Wohnung frei mit den Geräten bewegen wollen.

Es bleibt die große Preisfrage

Hohe Einstiegspreise – meist jenseits der von Intel vorgegebenen 1.000 Dollar – behindern immer noch den Durchbruch der Ultrabooks auf breiter Front. Dabei langt der Chipriese bei den CPUs weiter selbst kräftig zu und torpediert somit die von ihm gesetzten Ziele, wonach die Ultrabooks 2012 einen Anteil von 40 Prozent des Notebook-Marktes erreichen sollen. Bei CPU-Preisen von bis zu 346 Dollar für das neue Ivy-Bridge-Flaggschiff, den vPro-fähigen Core i7-3667U, wird das für die Gerätehersteller schwierig.

Taiwans Frontrunner Acer und Asus rechnen bis Jahresende immerhin schon mit einem Ultrabook-Anteil im zweistelligen Bereich. "Wir erwarten uns von den Ultrabooks eine deutliche Belebung des Marktes. Die Geräte verkörpern die bedeutendste Innovation der letzten Jahre im Bereich Mobile Computing", schwärmt Acer-Chef Thom. Binder zählt Ultrabooks und die HP-eigenen Sleekbooks gar schon "zu den beliebtesten Formfaktoren".

Toshibas Chefmarketier Gabriel Willigens sieht durch Ultrabooks indes "keine gewaltigen Wachstumsschübe", sondern eher eine Umverteilung im Markt und eine zunehmende Diversifikation, die sich auch innerhalb der neuen Kategorie fortsetze. Für Sony-Manager Schäfer hat die Kategorie der Ultrabooks "das Angebot für Konsumenten an Windows-basierten Subnotebooks im Einstiegssegment im Markt positiv beeinflusst". Der japanische Hersteller hat zwar seit dem mittlerweile verblassten Walkman-Erfolg viel an Image eingebüßt, reicht mit der Submarke Vaio nach Meinung mancher Marktbeobachter jedoch als einziger Anbieter aus dem Wintel-Lager an den Coolness-Faktor von Apple heran.

Umso erstaunlicher ist, dass Sony mit der T-Serie von Vaio-Ultrabooks eher im unteren Preissegment von 699 bis 799 Euro eingestiegen ist und auch mit dem ersten Ivy-Bridge-Gerät preislich auf dem Teppich bleibt. So soll das Modell SVT1311W1ES mit Core-i5-Prozessor und 128 GByte SSD "nur" 899 Euro kosten.

Auch wenn die von heise resale befragten Hersteller die CPU nicht allein als preisentscheidend ansehen und dabei auch auf andere Komponenten wie Hybrid-Festplatten verweisen, halten sie sich mit ihren Prognosen für die mittelfristige Preisentwicklung sehr zurück. Allein Jan Schneider, Director Sales bei Asus, rechnet in der zweiten Jahreshälfte – wohl mit Blick auf die für Herbst erwarteten neuen Core-i3-CPUs – mit sinkenden Preisen. Aus Taiwan werden diesbezüglich schon Einstiegspreise unter 699 Dollar signalisiert.

In Euro umgemünzt kommen Sonys T-Serie und HPs Envy 4 dem heute schon sehr nah. Acers TimelineU erfüllt zwar nicht in allen Punkten die Kriterien eines Ultrabooks, wurde von Intel aber dennoch als solches anerkannt. Dabei gehört das Gerät mit Preisen ab 599 Euro nicht nur zu den günstigsten am Markt, sondern auch zu den ersten mit 15-Zoll-Display, dem im Notebook-Bereich immer noch am weitesten verbreiteten Formfaktor und neuen Trend bei Ultrabooks.

Toshiba setzt der Diversifizierung mit dem Satellite U840W, dem ersten mit Cinematic-Display im 21:9-Format, die Krone auf. Weitere Neuheiten mit Blick auf eine dem Markt förderliche größere Differenzierung und dem kommenden Windows 8 sind Ultrabook-Tablet-Hybride wie das Asus Zenbook Taichi mit Dual Screen und das Lenovo Yoga mit 13-Zoll-Convertible-Display.

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