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Unfall und Krankheit fürchten Selbständige am meisten

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Das Risiko eines Unfalls oder einer schweren Krankheit empfinden Selbständige als die größte Bedrohung für ihre betriebliche Existenz. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov, die im Auftrag der Generali Versicherungen unter mehr als 500 Selbständigen in Deutschland durchgeführt wurde.

Ernsthaft krank zu werden oder aufgrund eines Unfalls nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten zu können, fürchten fast drei Viertel der Befragten. Kein Wunder: im Gegensatz zu Angestellten verfügen sie nicht über einen gesetzlichen Schutz. Kann ein Selbstständiger nicht mehr arbeiten, fließt somit auch kein Geld mehr auf sein Konto. Um entsprechende Versicherungen müssen sich Selbstständige eigenverantwortlich kümmern. Doch diese zusätzliche finanzielle Belastung kann sich so mancher der Befragten gar nicht tragen und muss daher mit dem Risiko leben.

Interessanterweise fürchten die, die sich eine Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherung durchaus leisten könnten, einen körperlichen Schaden sogar besonders. Während bei den Befragten mit einem geringeren Haushalts-Nettoeinkommen von bis zu 2.500 Euro 69 Prozent angaben, Angst vor Krankheiten oder Unfällen zu haben, waren es in der Gruppe mit dem höheren Einkommen von mehr als 2.500 Euro sogar 75 Prozent.

Doch nicht nur die Angst vor unvorhergesehen Ereignissen im persönlichen Umfeld lässt die Unternehmer nachts nicht schlafen. Jeweils rund ein Drittel der Selbständigen in Deutschland fürchtet sich auch vor Steuererhöhungen und einer zunehmenden Bürokratisierung.

Nur jeder fünfte Befragte macht sich Sorgen darüber, dass er kein geeignetes Personal findet oder selbst einen Unfall verursacht, bei dem Schadenersatzanforderungen auf ihn zukommen. Von der Umfrage ausgenommen war die Frage nach konjunkturellen Schwankungen, doch diese Sorge haben Selbständige natürlich auch.

Nach Sicherheit und einem Leben in grenzenloser Freiheit klingt das alles nicht gerade. Das scheint sich inzwischen auch bei den (noch) fest Angestellten herumgesprochen zu haben. Denn laut der Eurobarometer-Umfrage zum Unternehmertum 2012 finden nur noch 37 Prozent der EU-Bürger die Idee, ihr eigener Chef zu sein, attraktiv. Damit ist die Zahl der Erwerbstätigen, die von der Selbstständigkeit träumen, in den letzten drei Jahren um acht Prozent zurückgegangen. Dazu dürfte in Deutschland auch der inzwischen erschwerte Zugang zum Gründungszuschuss beigetragen haben. Denn in vielen Fällen erfolgte der Sprung in die Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Die schrumpfende Gründungsneigung könnte Folgen für den Arbeitsmarkt haben: Gerade kleine und mittlere Unternehmen tragen am stärksten zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bei. Die EU-Kommission ist jedenfalls bereits hellhörig geworden und hat einen neuen Aktionsplan zur Förderung des Unternehmertums vorgestellt. Junge Unternehmer sollen vor allem in der kritischen Startphase mit Schulungen und finanzieller Förderung unterstützt werden. Das ist auch dringend nötig: denn wie die Insolvenzstatistiken in Deutschland zeigen, scheitern 50 Prozent der Unternehmer innerhalb der ersten fünf Jahre. (map)

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