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Was die "Schweinepreise" im Internet mit der Schweinegrippe zu tun haben

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Lieber Cyberport-Chef Fritz Oidtmann,

manche meinen, die Schweinegrippe sei nichts anderes als eine perfide Erfindung der Pharmaindustrie. Das ist natürlich Quatsch. In Wahrheit ist die Schweinegrippe nichts anderes als eine perfide Erfindung der internationalen Gemeinschaft der Online-Händler. Mancher Internetshop-Betreiber ist sogar so dreist, das Schwein als Maskottchen auf seiner Seite zu halten. Die Computerbranche spielt in diesem Komplott eine federführende Rolle. Warum? Ganz einfach: Sie kennt sich am besten mit Viren aus. Vor allem die Security-Spezialisten wissen, wie man mit der Angst der Leute Geschäfte macht ("Wenn du meine Antivirensoftware nicht kaufst, ist dein PC morgen vielleicht schon tot").

Die Rechnung scheint aufzugehen. Gerade meldet das Unternehmen Twenga, die nach eigenen Angaben "umfangreichste Preissuchmaschine für Ihre Einkäufe im Internet" (ich sag ja: Online-Branche): "Angst vor Schweinegrippe steigert Onlinehandel zu Weihnachten - mehr als jeder dritte Deutsche meidet Geschäfte". In einer europaweiten Verbraucherumfrage hat Twenga herausgefunden, dass knapp zwei Drittel der Deutschen (62 Prozent) ihre Weihnachtseinkäufe in diesem Jahr vor allem im Internet tätigen werden. Dabei gab jeder Dritte (36 Prozent) explizit an, dass er aus Angst vor dem H1N1-Virus die Geschenke im Online-Handel bestellt. Damit ist Ihre Strategie der Verbreitung von Angst und Schrecken in Deutschland auf besonders fruchtbaren Boden gefallen. Denn in keinem anderen europäischen Land geht den Einwohnern die Düse vor der Schweinegrippe so stark wie bei uns. Am entspanntesten sind der Twenga-Umfrage zufolge die Niederländer, warum, weiß ich auch nicht.

Völlig klar, dass die stationären Händler Schaum vorm Mund haben. Vor Wut, versteht sich. Sie finden das alles ein riesige Sauerei. Als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, so die Meinung von Ladenbetreibern, dass die Internet-Händler die Preise kaputt machen (Stichwort "Schweinepreise"), jetzt soll der stationäre Händler auch noch komplett ausradiert werden. Klingt vielleicht ein bisschen dramatisch, Herr Oidtmann, aber so sind sie halt, die Händler: Wenn´s um ihre Existenz geht, werden sie schon mal sehr emotional.

Aber man muss es zugeben: Die Zeiten haben sich einfach geändert, gerade für den stationären Handel. Hatten viele Händler früher wegen des harten Konkurrenzdrucks die Wahl zwischen Pest und Cholera, so heute zwischen Vogel- und Schweingrippe. Naja, solange man noch eine Wahl hat...

Lieber Herr Oidtmann, wenn Sie sich zu diesem Thema vor Erscheinen meines 1000 Seiten-Enthüllungsbuchs über die Verstrickung der deutschen IT-Onlinehändler in dieses weltweite Komplott noch äußern wollen, dann haben Sie hier und jetzt die Gelegenheit dazu.

Beste Grüße!

Damian Sicking

Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale.

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