Was kommt nach dem Wechsel an der Also-Actebis-Spitze?

Fast 20 Jahre hat Klaus Hellmich für Actebis und zuletzt Also-Actebis gerackert und es bis zum Chief Executive Officer (CEO) gebracht. Das ist nun vorbei. Seit Anfang Juli ist er draußen und sein bisheriger COO, Gustavo Möller-Hergt, hat seinen Job übernommen. Das bietet einige Vorteile – nicht zuletzt für Möller-Hergt.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Klaus Hellmich, lieber Gustavo Möller-Hergt, alter und neuer CEO der Also-Actebis AG,

Ex-Also-Actebis-Chef Klaus Hellmich

(Bild: Actebis)

der Wechsel an der Spitze von Also-Actebis kam für viele Branchenkenner nicht unerwartet, aber trotzdem plötzlich. In der vergangenen Woche informierten Sie die Öffentlichkeit, dass der bisherige CEO Klaus Hellmich nach 20-jähriger Actebis-Betriebszugehörigkeit das Unternehmen verlassen und die Führung an den bisherigen zweiten Mann, COO Gustavo Möller-Hergt, übergeben wird. Dieser Wechsel erfolgte bereits zum 1. Juli, ist also seit gestern wirksam. Diese geringe Zeitspanne zwischen Mitteilung und Inkrafttreten ist ein Indiz dafür, dass es am Ende doch ganz schnell ging; sonst hätte es in dieser Branche, in der Gerüchte schneller kreisen als eine Festplatte sich dreht, sicher schon die eine oder andere Information hinter vorgehaltener Hand gegeben.

In der Presseinfo heißt es, dass Sie, Herr Hellmich, das Unternehmen auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen verlassen. Wie üblich bei diesen Formulierungen fragt man sich, ob man das glauben soll oder nicht. So auch die Branchenkenner, mit denen ich anschließend telefoniert hatte: Die einen sagen so und die anderen sagen so. Letztlich ist es auch egal: Die brutale Wahrheit ist, dass Sie einfach nicht mehr gebraucht wurden. Entweder haben Sie dies selbst erkannt und daraus die Konsequenz gezogen, oder andere haben gedacht, dass man sich die 945.000 Schweizer Franken, die Sie im vergangenen Jahr ausweislich des Geschäftsberichts bei Also-Actebis verdient haben, gut sparen könne.

Für mich ist es sogar weniger erstaunlich, dass Sie, lieber Herr Hellmich, das Unternehmen verlassen, als viel mehr, dass Sie noch so lange durchgehalten haben. Denn die Situation war für Sie im vergangenen Jahr nach der Übernahme von Also sicher nicht immer einfach. Ich hatte an dieser Stelle schon vor fast genau einem Jahr in der Kolumne mit der Überschrift "Also-Actebis: Gustavo Möller-Hergt zeigt, wo´s lang geht" beschrieben, wo aus meiner Sicht die Probleme liegen, so dass ich es mir sparen kann, hier noch einmal darauf einzugehen.

Lieber Herr Hellmich, Sie wollen sich nun, wie es heißt, neuen Aufgaben bzw. Herausforderungen außerhalb von Also-Actebis stellen. Was kann das sein? Nach knapp 20 Jahren Distribution – Sie kamen 1993 als Logistikleiter zu Actebis – rechnet niemand damit, dass Sie noch einmal in zu einem anderen Distributor wechseln. Auch die Chance, dass wir Sie bei einem Hersteller wiedersehen, wird als gering eingeschätzt. Es wird wohl auf einen Beraterjob hinauslaufen, was ja nicht das Schlechteste sein muss. Vielleicht noch das eine oder andere Aufsichtsrats- oder Beiratsmandat – so hat man immer noch ein bisschen Beschäftigung und ist wichtig, ohne aber die schwere Last der Verantwortung auf seinen Schultern tragen zu müssen. Und weniger Stress hat man sowieso. Die größte Herausforderung, die außerhalb von Also-Actebis zunächst auf Sie wartet, ist aber weit weniger glanzvoll. Sie heißt "Alltag“. Glauben Sie mir, lieber Herr Hellmich, nach ein paar Wochen, in denen Sie das süße Nichtstun und das Ausschlafen genießen, werden Sie erst einmal einen neuen Lebensrhythmus finden müssen. Das ist gar nicht mal so einfach, aber machbar. Wenigstens sollen Sie ja finanziell gut versorgt sein, wie man hört. Also um Ihren guten Schlaf brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.

Neuer Also-Actebis-Chef Möller-Hergt

(Bild: Also-Actebis)

Lieber Herr Möller-Hergt, zunächst einmal meinen herzlichen Glückwunsch zur Beförderung. Manche sagen ja, dass Sie damit nun auch offiziell der Chef bei Also-Actebis geworden sind. Nachdem die Machtverhältnisse bei Also-Actebis ja nun geklärt sind, stellt sich die Frage, was sich unterhalb der CEO-Position personell verändert. Oder ändert sich am Ende gar nichts? Wollen Sie sich, lieber Herr Möller-Hergt, zum Beispiel die Doppelbelastung als CEO der Holding und als operativer Geschäftsführer der deutschen Also-Actebis-Niederlassung wirklich antun? Wäre das gut? Oder wäre es nicht klüger, für Deutschland einen eigenen Geschäftsführer zu berufen, der sich voll auf das Geschäft in diesem wichtigen Markt konzentrieren kann?

Mit dem Wechsel an der Firmenspitze und dem Fortfall der COO-Position werden, so liest man in der Presseinformation, "auch die Entscheidungswege vereinfacht und verkürzt“, weil ab jetzt alle Konzernleitungsmitglieder direkt an den CEO berichten. Vorteil für Sie, lieber Herr Möller-Hergt: Sie müssen nun nicht mehr wie bisher bei wichtigen Entscheidungen das formale Okay Ihres Vorgesetzten einholen, was ja letztlich nur Zeit kostete.

Lieber Herr Möller-Hergt, einer meiner Gesprächspartner aus dem Handel sagte mir in der vergangenen Woche, es gebe zwei Unternehmen in der IT-Branche, die seit einiger Zeit für andauernde Unterhaltung der Branche sorgen würden: Das eine Unternehmen sei HP und das andere Also-Actebis. Schau´n wir mal, wie lange das noch anhält.

Beste Grüße!

Damian Sicking

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