Avira: Mehrheitliche Übernahme durch bahrainische Firma Investcorp

Nach Symantec lässt sich ein weiterer großer Sicherheitssoftware-Hersteller (teilweise) aufkaufen. Aviras Gesamtwert wird auf 180 Millionen US-Dollar beziffert.

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(Bild: Heide Pinkall / Shutterstock )

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Das deutsche IT-Sicherheitssoftware-Unternehmen Avira wurde mehrheitlich durch den in Bahrain ansässigen Investor "Investcorp Technology Partners IV" übernommen. Laut Avira handelt es sich um die erste institutionelle Investition in das Unternehmen seit der Firmengründung 1986.

Von der Akquistion durch Investcorp erhofft sich der vor allem für seine Antivirensoftware bekannte Hersteller die Erschließung neuer Märkte für seine Produkte. Eine diesbezügliche Pressemitteilung von Avira zitiert den Geschäftsführer Travis Witteveen mit den Worten: "Die Investition (...) ermöglicht es uns, unser profitables Wachstum im Verbraucher- und OEM-Segment weiter zu forcieren".

Das Unternehmen Avira mit Sitz im baden-württembergischen Tettnang verfügt über Niederlassungen in Europa, den USA und in Asien. Investcorp wiederum unterhält laut Unternehmens-Website außer in Bahrain auch Büros in Großbritannien, Indien, Katar, Saudi-Arabien, Singapur, den USA und in den Vereinigten Arabischen Emiraten und investiert branchenübergreifend in Unternehmen weltweit. In der Technikbranche sicherte sich der Investor in der Vergangenheit unter anderem Anteile an Utimaco, Sophos, Optiv, SecureLink, CoreSec, Nebulas, iT-CUBE, CSID, OpSec und Impero.

Aus einem Artikel von Techcrunch geht hervor, dass die Geschäftsführer von Investcorp und Avira den Wert des Sicherheitssoftwareherstellers übereinstimmend mit 180 Millionen US-Dollar bewerten. Den größeren Teil habe Investcorp aufgekauft, während jedoch ein "signifikanter" Anteil bei Avira-Firmengründer Tjark Auerbach verblieben sei. Genauere Angaben machten die künftigen Geschäftspartner nicht. Die Übernahme unterliegt der kartellrechtlichen Genehmigung.

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Viele Anbieter, die sich früher in erster Linie auf die Entwicklung klassischer Antiviren-Software konzentriert haben, sehen sich seit geraumer Zeit mit einem starken Marktwandel konfrontiert. Denn Windows 10 bringt mit dem Windows Defender einen Virenschutz als integralen Bestandteil mit, dessen Schutzfunktionen der Konkurrenz in nichts mehr nachstehen. So müssen sie sich neue Geschäftsfelder und -modelle erarbeiten – und konkurrieren dabei mit innovativen Firmen, die ohne den Klotz "Antivirus" am Bein oft agiler auftreten können.

Vor Avira ließ sich schon Symantec teilweise aufkaufen: Die US-Firma Broadcom übernahm Ende November 2019 Symantecs Business-Sparte mit Antivirus- und Sicherheitsprodukten für Firmen für 10,7 Milliarden US-Dollar. Es kam zu einem Stellenabbau von rund 7 Prozent im Zuge eines "Restrukturierungs- und Sparprogramms"; zusätzlich machten unbestätigte Gerüchte zu "massenhaft Kündigungen" bei Symantec Schweiz die Runde. Distributoren, Reseller und Kunden klagten über eine schlechte Erreichbarkeit des Supports und massive Verzögerungen beim Ausstellen von Softwarelizenzen. Für ein Statement war Symantec damals nicht erreichbar.

Tjark Auerbach betont in Aviras Pressemitteilung derweil, mit Investcorp einen Investitionspartner gefunden zu haben, "der meine Werte teilt und die Strategie des Managementteams, Menschen weiterhin langfristig zu schützen, mitträgt." Der Geschäftsführer des Investors beteuert seinerseits, Aviras "gezielten Wachstumskurs und Expansionspläne" unterstützen zu wollen.

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(ovw)