BKA und Bitkom: 17 Millionen Euro Schäden durch Phishing

22 Millionen deutsche Internet-Anwender sollen einer Umfrage zufolge ihren PC bereits einmal mit Viren infiziert haben. Zwei Prozent der Nutzer sollen bereits Opfer eines Betrugs beim Online-Banking geworden sein.

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Internet-Nutzer sehen sich mit neuen Formen der Online-Kriminalität und einer weiteren Professionalisierung von Betrugsmethoden konfrontiert. Darauf weisen das Bundeskriminalamt (BKA) und der IT-Branchenverband Bitkom in einer Mitteilung hin.

"Schadprogramme können nicht nur Rechner lahmlegen, sondern spähen vermehrt digitale Identitäten aus", betonte Dieter Kempf vom Bitkom. 7 Prozent der deutschen Nutzer (3,5 Millionen) seien bereits Zugangsdaten für Online-Dienste, Shops und E-Mail-Konten gestohlen worden. 5 Prozent der Internet-Nutzer (2,5 Millionen) sollen sogar einen finanziellen Schaden durch Datendiebstähle oder Schadprogramme erlitten haben. "Immer noch surft jeder Fünfte ohne Virenschutz, und es gibt weiter Aufklärungsbedarf zum Umgang mit persönlichen Daten", kritisierte Kempf.

Viren und andere Schadprogramme seien die häufigste Erfahrung mit Online-Kriminalität. 43 Prozent der Internet-Nutzer ab 14 Jahren – das entspricht 22 Millionen Deutschen – sollen schon einmal erlebt haben, dass ihr Computer infiziert wurde. Im Vorjahr waren es noch 38 Prozent. Grundlage der Angabe ist eine FORSA-Umfrage im Auftrag des Bitkom.

Schadprogramme seien zunehmend schwerer zu erkennen. Zudem würden immer häufiger Lücken in Anwendungen statt in Betriebssystemen ausgenutzt. Zwei Prozent der Internet-Nutzer seien auch schon Opfer eines Betrugs beim Online-Banking geworden. Die Zahl der Betrugsfälle steigt laut BKA derzeit erneut stark an. Mit bis zu 5.000 angezeigten Phishing-Fällen sei für 2010 zu rechnen– ein Plus von rund 71 Prozent.

Die Schadenssumme soll der Prognose zufolge bei 17 Millionen Euro liegen. Im ersten Halbjahr 2010 lag der durchschnittliche Schaden der gemeldeten Einzelfälle bei rund 3.500 Euro. Damit sank die Summe im Vergleich zu den Vorjahren weiter, heißt es beim BKA: 2009 lag der durchnittliche Schaden bei 4000 Euro, 2008 bei 10.000 Euro pro Fall. Im Jahr 2009 waren die Phishing-Zahlen aber um 64 Prozent auf 2900 Fälle gestiegen. Kriminelle sollen rund 12 Millionen Euro von Konten der Geschädigten abgehoben haben. Es gebe jedoch ein ausgeprägtes Dunkelfeld, weil nicht alle Fälle entdeckt und angezeigt werden.

Den Hauptgrund für steigende Phishing-Zahlen sieht das BKA in neuen Schadprogrammen, die anspruchsvolle Sicherungsmechanismen überwinden. Der Bot ZeuS sei beispielsweise ein Vertreter dieser Generation ausgefeilter Banking-Trojaner, die neben Online-.Banking-Daten auch Kreditkartendaten und Zugangsdaten ausspionieren. "Die simple Eingabe von Geheimzahlen reicht als Sicherheitsmaßnahme bei Überweisungen längst nicht mehr", meint der Bitkom. Bislang verzichteten 28 Prozent der Internet-Nutzer aus Sicherheitsbedenken auf Online-Banking, erklärt der IT-Branchenverband

Es gebe erste Anzeichen dafür, dass mit der steigenden Nutzung von Smartphones ein neuer Trend der Cyber- Kriminalität einhergehen könnte. So wurden bereits Programme beobachtet , die sich als Spiele-Applikationen ausgaben, aber tatsächlich im Hintergrund teure Mehrwert-SMS verschickten. (dab)