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Cicada 3301: Die geheimnisvollste Schnitzeljagd des Internet

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Die erste Nachricht von Cicada 3301 in 4chan.

Wer steckt wirklich hinter dem rätselhaften Projekt Namens Cicada 3301? Ein Geheimdienst? Anonymous? Ein privater Think Tank? Und sollen wirklich Krypto-Talente angelockt werden oder geht es doch nur um PR für ein Alternate Reality Game? Seit knapp zwei Jahren lässt eine bislang unbekannte Organisation tausende IT-Experten auf der ganzen Welt Rätsel lösen.

Die Schnitzeljagd führte die Suchenden von der /b/-Sektion des Anarcho-Nachrichtenboards 4Chan quer durchs Internet, zu herkömmlichen Telefonanschlüssen mit Bandansagen, an verschiedene reale Orte mit QR-Code-Postern auf der Erde und ins Darkweb. Um die bisher gestellten Rätsel zu lösen, mussten die Jäger Steganographie umgehen, Wissen aus der Zahlentheorie vorweisen, sich in Philosophie und Musik auskennen und literarisch bewandert sein. Auch die Zahlensymbolik der Mayas spielte bereits eine Rolle.

Der Programmierer Joel Eriksson gehörte zu denen, die während der ersten Runde des Rätsels bis ganz zum Schluss dran blieben – um dann eine per Tor versteckte Website mit weiteren Hinweisen wenige Stunden zu spät zu erreichten. Die Site war bereits abgeschaltet mit dem Hinweis, dass man nur die Besten wolle und keine Nachahmer. In seinem Blog beschreibt Eriksson ausführlich und spannend, welche Rätsel der Reihe nach wie gelöst werden wollten. Wozu das Ganze dient, konnte auch Eriksson nicht ergründen.

Viele der Spuren verlaufen letztlich im Sand.

Überhaupt finden sich im Netz nirgendwo nachvollziehbare Hinweise auf den Zweck von Cicada 3301. Eine zweite Runde der Jagd begann ziemlich exakt ein Jahr nach der ersten am 5. Januar 2013. Die dritte ist für Januar 2014 angekündigt. In der gesamten Zeit fanden sich keine schlüssigen Hinweise auf die Macher von Cicada 3301. Entsprechend wild schießen die Spekulationen ins Kraut. Ein anonymer Schreiber warnt per Pastebin sogar vor der Organisation, hinter der angeblich Militärs, Wissenschaftler und Diplomaten stecken, denen die aktuelle Weltordnung nicht passt.

Ob die Warnung echt ist oder von einem Trittbrettfahrer stammt, weiß keiner. Möglich ist auch, dass die Macher selbst dahinter stehen. Sie hatten zuvor bereits eine vermeintlich weibliche Kunstfigur namens "Wind" in verschiedene Foren eingeschleust, in denen sich die Rätselknacker austauschten. Wind legte dort falsche Spuren. Immerhin lieferte eine der früheren Fährten einen PGP-Schlüssel, mit dem angeblich alle weiteren Nachrichten signiert sein sollen.

In einem eigenen Cicacda-Wiki werden alle bekannten Rätsel, Hinweise und falschen Fährten gesammelt. Die von den Wiki-Machern ausgegebene wichtigste Regel lautet: Traue niemandem. Von daher weiß auch niemand, ob das Wiki verlässliche Informationen verbreitet. Man darf jedenfalls gespannt sein auf den Januar 2014. Dann soll die geheimnisvolle Schnitzeljagd angeblich weiter gehen. (Uli Ries) / (ju)