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Der GAU für Verschlüsselung im Web: Horror-Bug in OpenSSL

Ein äußerst schwerwiegender Programmierfehler gefährdet offenbar Verschlüsselung, Schlüssel und Daten der mit OpenSSL gesicherten Verbindungen im Internet. Angesichts der Verbreitung der OpenSource-Bibliothek eine ziemliche Katastrophe.

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Heartbleed-Bug: Der GAU für Web-Verschlüsselung

Ein äußerst schwerwiegender Programmierfehler gefährdet Verschlüsselung, Schlüssel und Daten der mit OpenSSL gesicherten Verbindungen im Internet. Die Lücke erlaubt auch Zugriff auf vertrauliche Daten wie Klartext-Passwörter. Angesichts der Verbreitung der OpenSource-Bibliothek hat dies katastrophale Folgen.

Die Entwickler von OpenSSL veröffentlichen ein Update ihrer weit verbreiteten Verschlüsselungsbibliothek, das äußerst schlechte Nachrichten transportiert: Ein Programmierfehler erlaubt es jedem Kommunikationspartner, Speicher der Gegenstelle auszulesen. Konkret bedeutet das: Ein Angreifer kann Schlüssel, Passwörter und andere geheime Daten klauen.

Die Entdecker der Lücke sprechen vom Heartbleed Bug, weil der Fehler in der Heartbeat-Funktion gefunden wurde. Über einen Heartbeat tauschen Kommunikationspartner Statusinformationen aus, vor allem um festzustellen, ob das Gegenüber noch aktiv ist. Durch eine fehlende Überprüfung eines Speicherzugriffs kann ein Angreifer dabei bis zu 64 KByte der Gegenstelle auslesen, heißt es im Security Advisory von OpenSSL. Laut der Beschreibung der Entdecker gelang es in Tests auf diesem Weg die geheimen Schlüssel eines Server-Zertifikats, Usernamen, Passwörter und auch verschlüsselte übertragenen Daten wie E-Mails zu stehlen. Und das alles ohne irgendwelche Spuren auf dem Server zu hinterlassen.

In erster Linie betroffen sind jetzt alle Betreiber von Servern, die SSL zur Verschlüsselung einsetzen. Das sind nicht nur Web-Server, sondern häufig auch solche für E-Mail, VPN und andere Dienste. Es ist äußerst wichtig, diese Systeme jetzt schnellstmöglichst zu sichern. Die Version OpenSSL 1.0.1g enthält den Fehler nicht mehr. Debian stellt bereits ein Update bereit; andere Distributionen werden bald folgen. Wer OpenSSL selbst mit der Option -DOPENSSL_NO_HEARTBEATS übersetzt, kann eine nicht anfällige Bibliothek erzeugen. [Update: Versionen vor der aktuellen 1.0.1 wie das auf älteren Systemen noch verbreitete OpenSSL 0.9.8 sind offenbar nicht betroffen.]

Im nächsten Zug müssen natürlich auch Endanwender, die Produkte auf OpenSSL-Basis einsetzen, aktualisierte Versionen installieren. Und das dürften nahezu alle sein. Denn das Problem betrifft nicht nur PCs, sondern insbesondere auch Smartphones, SmartTVs, Router und viele andere Geräte – im wesentlich alles, was irgendwie mit dem Internet spricht und keine proprietären SSL-Bibliotheken beziehungsweise den Exoten GnuTLS einsetzt.

Erste Informationen, wie der Angriff konkret auszuführen ist, tauchen bereits auf. Die Entdecker sprechen davon, der Fehler sei einfach auszunutzen. Da das Update den genauen Ort des Fehlers im Code preisgibt, dürfte es nicht lange dauern, bis funktionierende und einfach zu benutzende Angriffs-Tools verfügbar sind. Außerdem besteht natürlich die Gefahr, dass Angreifer mit guten technischen Ressourcen den Fehler bereits kannten und massenhaft Schlüssel geklaut haben.

Mit diesem Fehler rächt es sich bitter, wenn Server-Betreiber auf die so genannte Forward Secrecy verzichtet haben. Denn ein Angreifer könnte den verschlüsselten Datenverkehr der letzten Jahre des Servers aufgezeichnet haben. Gelingt es ihm jetzt, den geheimen Schlüssel des Servers zu klauen, bevor der Server gegen Heartbleed abgesichert wurde, kann er dann im Nachhinein all diese Daten dechiffireren. Mit Forward Secrecy wäre das nicht möglich. Details dazu erklärt Forward Secrecy testen und einrichten auf heise Security. Weitere Informationen liefert SSL-Gau: So testen Sie Programme und Online-Dienste.

Update: Security Advisories