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Security

FBI setzt angeblich Hacker-Tools zur Überwachung ein

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Bei der Diskussion um die Abhörskandale der Geheimdienste geraten auch die Methoden anderer Sicherheitsbehörden ins Blickfeld. So setzt das FBI zunehmend auch Tools ein, die bislang eher der kriminellen Szene zugeordnet worden sind, berichtet das Wall Street Journal. Die Gesetzeshüter hätten hierüber lange Stillschweigen bewahrt, man lege ihren Einsatz in Gerichtsverfahren nur selten offen. Gerichtsdokumente und Interviews mit Insidern belegten jedoch, dass die US-Polizei nicht nur herkömmliche Verfahren zur Telefonüberwachung nutze, sondern auch Hacker-Tools verwende, um Spionage-Software auf Computern und Smartphones einzuschleusen.

Das FBI entwickle seit mehr als zehn Jahren selbst solche Tools, die gezielt vorhandene Sicherheitslücken ausnutzen, und kaufe auch Software von privaten Anbietern. Die beispielsweise via E-Mail-Anhang oder Link eingeschleuste Software kopiert Daten vom Rechner, fängt Kommunikation ab oder schaltet Kamera oder Mikrofon ein, um Gespräche neben den Geräten abzuhören. In seinem Tech-Blog erklärt das WSJ das Vorgehen ausführlich. Anders als bei militärischer Spionage-Software haben Polizeibehörden manchmal auf einen ganz speziellen Fall zugeschnittene Anforderungen.

Eingesetzt werden diese Verfahren nur selten in speziellen Fällen, zitiert das WSJ frühere US-Beamten, insbesondere um organisierte Kriminalität, Kinderpornographie und Terroristen zu verfolgen. Bei Hackern hingegen vermeide man deren Einsatz, da man fürchte, dass diese die verwendeten Verfahren aufdecken und publizieren.

Und nicht immer stimmen Richter den FBI-Wünschen zum Einsatz zu. In einem Fall von Identitätsdiebstahl in Texas wollte das FBI laut WSJ Software einschleusen, um Dokumente zu kopieren und mit der Computerkamera verdeckt Fotos aufzunehmen. Der Richter lehnte dies ab und wollte dabei unter anderem wissen, wie hierbei vermieden werden soll, dass Informationen über Unschuldige gesammelt werden.

Dennoch fordern Bürgerrechtsverfechter klare Rechtsvorschriften, die sicherstellen, dass Hacker-Tools nicht missbräuchlich eingesetzt werden. Christopher Soghoian, Cheftechnologe der American Civil Liberties Union, der am Freitag zu diesem Thema auch einen Vortrag auf der Hacker-Konferenz Defcon gehalten hat, forderte eine Debatte hierzu. Beunruhigend sei auch, dass Sicherheitsbehörden nicht dabei helfen würden, Sicherheitslücken zu schließen, sondern diese nur suchten, um sie für ihre Belange ausnutzen zu können.

Andere Sicherheitsexperten halten laut WSJ dagegen, dass dies immer noch besser sei, als Firmen dazu zu zwingen, Hintertüren in ihre Software einzubauen. Dies wäre dann ein One-stop-shopping-Angebot für Kriminelle und ausländische Geheimdienste, nicht nur das FBI, zitiert die Zeitung Matt Blaze, Informatikprofessor an der University of Pennsylvania. Solange die Sicherheitsbehörden sich für die Überwachung Verdächtiger einhacken müssen, würden sie zumindest nicht gleich das ganze Netzwerk gefährden. (anm)