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Hacking Team: "Wir sind das Opfer"

Der Hersteller von aggressiver Überwachungs-Software sieht sich als einziges Opfer in der Affäre um die Veröffentlichung von Daten, die die Zusammenarbeit des Unternehmens mit autoritären Staaten belegen sollen.

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(Bild: dpa, Karl-Josef Hildenbrand)

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Hacking Team, Hersteller von Software zum Überwachen und Ausschnüffeln von Computern und Smartphones, fühlt sich ungerecht behandelt. In einer Pressemitteilung erklärt das italienische Unternehmen, dass es in der ganzen Affäre nur ein einziges Opfer eines Gesetzesbruchs gegeben habe: Hacking Team selbst. Etwas beleidigt konstatiert man, dass ausgerechnet diese Position in der Berichterstattung über den Angriff auf Hacking Team Anfang Juli nicht vorkomme.

Es folgt der bekannte Sermon, dass Tools wie das eigene "Remote Control System" (RCS) nötig seien, um Kriminalität und Terrorismus zu bekämpfen. Man habe sich "zu 100 Prozent" an die Gesetze gehalten – auch bei der umstrittenen Zusammenarbeit mit Staaten wie Äthiopien, dem Sudan, Russland oder Südkorea. Hacking Team habe nie gegen Exportverbote verstoßen. Die Hacking-Team-Software sei "nie als Waffe klassifiziert worden"; sie gelte erst seit Anfang des Jahres als "dual-use technology", die sowohl zu zivilen als auch militärischen Zwecken eingesetzt werden kann.

Nach der Veröffentlichung von über 400 GByte Daten, darunter neben Quelltexten der Hacking-Team-Software auch Mails und Rechnungen an Kunden in Ländern wie Ägypten, Aserbaidschan, Kasachstan, Libanon, Marokko und dem Sudan, waren Vorwürfe laut geworden, das Unternehmen würde auch autoritäre Staaten beliefern. Zyperns Geheimdienst-Chef musste zurücktreten, weil seine Behörde Sicherheitslücken von Hacking Team gekauft hatte. Der deutsche Sicherheitsforscher Collin Mulliner beklagte sich, dass seine Open-Source-Tools "von Hacking Team genutzt werden, um Produkte zur Überwachung von Aktivisten zu entwickeln".

Mittlerweile arbeitet Hacking Team an einer neuen Version seiner Überwachungs-Software Remote Control System, da die alte nach der Veröffentlichung der Quelltexte kompromittiert ist. Nach einer Analyse der Variante für Android bezeichneten die Sicherheitsforscher von TrendMicro RCS als eine der "ausgereiftesten Android-Malwares".

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(odi)