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Security

Innenministerium warnt vor zunehmender Wirtschaftsspionage

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Angriffe auf das Know-how deutscher Unternehmen aus dem Internet stellen nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums eine zunehmende Bedrohung dar. Der Parlamentarische Staatssekretär Ole Schröder (CDU) sagte am Donnerstag zum Auftakt einer zweitägigen Fachkonferenz in Berlin: "Das Problem ist, dass diese Bedrohungslage sich verschärft hat. Im Ausland sprechen manche von Wirtschaftskrieg." Unternehmen und Behörden seien deswegen gefordert, gemeinsam verstärkte Abwehrmaßnahmen zu ergreifen. "Hier ist vernetztes Handeln dringend erforderlich." Nach Angaben des Ministeriums verursacht Wirtschaftsspionage in Deutschland einen jährlichen Schaden von 20 bis 50 Milliarden Euro.

"Russland und China sind Hauptträger von sogenannten Aufklärungsaktivitäten in Deutschland", so Schröder auf der Konferenz der Zeitschrift Wirtschaftswoche über Wirtschafts- und Wettbewerbsspionage. Dabei bezog er sich auf Erkenntnisse der Nachrichtendienste. "Die Spione haben durchaus Vertrauen in unseren Standort", sagte Schröder ironisch.

Wegen zahlreicher Forschungslabors und Einrichtungen für Spitzentechnologie "sind wir in erheblichem Umfang Ziel von ausländischer Spionage". Die Mittel der Informationstechnik machten es möglich, so Schröder weiter, Angriffe immer komplexer und risikoärmer auszuführen. Betroffen sei praktisch jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Größe. Allerdings gingen 70 Prozent aller Fälle von Wirtschaftsspionage auf Mitarbeiter aus dem Unternehmen selbst zurück, aufgrund von Problemen wie Vertrauensschwund oder Arbeitsplatzverlust. "Der Informationsabfluss erfolgt meistens aus dem Herzen des Unternehmens selbst", sagte Schröder.

Mit Blick auf die aktuelle Debatte über das Spannungsverhältnis von Sicherheit und Datenschutz sagte der Politiker: "Dabei macht uns die Tatsache Sorgen, dass wir es immer noch nicht geschafft haben, die Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen." Inwiefern dies bei der Abwehr von Aufklärungsaktivitäten helfen soll, sagte Schröder gegenüber dpa jedoch nicht. (dpa) / (dab)