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Intelligente Stromnetze: Ich weiß, ob du gestern geduscht hast

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Mit der Frage, ob sich durch intelligente Stromnetze Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten von Menschen ziehen lassen und wie man dem begegnet, beschäftigt sich eine Studie von US-Datenschützern. Die US-Regierung hat die Einführung eines intelligenten Stromnetzes (Smart Grid) begonnen, um die Effizienz des bereits jetzt schon am Limit arbeitenden Stromnetzes zu erhöhen. Dazu melden etwa intelligente Stromzähler in den Haushalten (Advanced Metering Infrastructure [AMI] Smart Meter) stündlich oder öfter den aktuellen Verbrauch an den Stromversorger weiter, der daraufhin entweder die Erzeugung oder die Verteilung anpassen kann.

Aus den gesammelten Daten lässt sich aber laut Studie "SmartPrivacy for the Smart Grid: Embedding Privacy into the Design of Electricity Conservation" (PDF) erheblich mehr ableiten. Denkbar wäre anhand des für bestimmte Geräte typischen Stromverbrauchs zu bestimmten Zeitpunkten etwa zu erfahren, ob ein Kunde zum Zubereiten des Mittagessens eher die Mikrowelle, den Herd oder den Ofen benutzt. Auch das Ausbleiben des Verbrauchs erlaubt Rückschlüsse auf das Verhalten, beispielsweise ob es ein Frühstück gibt oder die Dusche benutzt wurde, schreiben die Datenschützer in ihrer Studie. Darüber hinaus ließe sich das Freizeitverhalten zu Hause ermitteln: Wann wird der Fernseher oder der Computer eingeschaltet, wann wird Licht ein- und ausgeschaltet, wann geht der Hausbewohner ins Bett, wie oft wäscht die Waschmaschine und so weiter.

Diese Daten seien nicht nur für die Stromversorger, sondern auch für viele andere interessant. Bislang sei ungeklärt, was überhaupt mit den von den Stromversorgern gesammelten Daten geschehe und ob es sich überhaupt um personenbezogene Daten handele, die nicht weitergegeben werden dürften. Die Datenschützer fordern daher, diese Fragen bereits vor der flächendeckenden Einführung des Smarts Grids zu klären und notwendige Richtlinien einzuführen.

In Deutschland ist die Einführung intelligenter Stromzähler zwar auch geplant, allerdings nicht, um Netzprobleme zu beseitigen, sondern, um eine EU-Vorgabe zu erfüllen. Die EU hat den Stromlieferanten nämlich vorgegeben, ihren Kunden bis 2012 die Energiekosten monatlich transparent zu machen. Das dürfte auf eine monatliche Abrechnung wie beim Telefonanschluss oder Handy hinauslaufen, wenn die EU-Vorgabe in nationales Recht umgesetzt und dies in Kraft getreten ist. Da aber kaum ein Kunde alle vier Wochen eine Postkarte mit dem aktuellen Zählerstand ausfüllen will und auch die Versorger ihre Ableser gewiss nicht zwölfmal so oft wie bisher herumschicken wollen, ist der Einsatz intelligenter Zähler mittelfristig unausweichlich – die dann auch im Unterschied zum herkömmlichen Zähler eine Aufteilung der Stromrechung nach angeschlossenen Geräten ermöglichen könnten.

Intelligente Stromzähler sind bereits etwa bei Kunden von EnBW und Yello in Betrieb. Bei EnBW meldet der Zähler den aktuellen Verbrauch über einen bestehenden Breitband-Internetanschluss an den Stromlieferanten. Dafür besitzt er ein integriertes Powerline-Modul, das von Devolo stammt. Ein mitgeliefertes Gegenstück im üblichen Steckernetzteilformat schließt man per LAN-Kabel an seinen DSL-Heimrouter an.

Siehe dazu auch:

(dab)