Menü

LulzSec: Hacker erbt Urteil von Mitstreiter

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 64 Beiträge
Von

In Los Angeles wurde der 21-jährige Raynaldo Rivera zu einem Jahr Gefängnis, 13 Monaten Hausarrest, 1000 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Wiedergutmachung in Höhe von 605.663 US-Dollar verurteilt. Rivera war Mitglied der Hackergruppe LulzSec, die 2011 mit spektakulär inszenierten Hacks bekannt wurde. Die Gruppe war unter anderem durch Einbrüche in die Webserver der Fernsehsender Fox News und PBS bekannt geworden. Zudem drangen die Hacker in die Website von Sony Pictures ein und lasen dort Benutzerdaten aus.

Im März 2012 nahmen Ermittlungsbeamte mehrere LulzSec-Hacker in einer international koordinierten Aktion fest. Die Aktion wurde möglich, weil das FBI den selbsternannte Kopf der Gruppe, Hector Xavier Monsegur alias "Sabu", schon im Juli 2011 überführt und zum Informanten gemacht hatte.

Gegenstand des Verfahrens gegen Raynaldo Rivera war der Einbruch bei Sony Pictures. Hierfür war sein Mitstreiter Cody Kretsinger ("recursion") bereits im April verurteilt worden. Rivera erhielt jetzt exakt dasselbe Strafmaß wie Kretsinger. Die 366 Tage Haft erklären sich damit, dass Gefängnisstrafen in den USA erst ab einem Jahr und einem Tag ins Vorstrafenregister eingehen. Die 605.663 US-Dollar Wiedergutmachung ergeben sich aus der Schadenshöhe, die Sony Pictures dem Gericht gegenüber angab. Ob Rivera und Kretsinger diesen Betrag jetzt gemeinsam oder separat aufbringen müssen, geht aus der Urteilsverkündung nicht hervor.

Stellungnahme des Anwalts von Raynaldo Rivera zur Urteilsverkündung auf Twitter

Gegenüber heise Security zeigte sich ein Ex-Mitglied von LulzSec überrascht über das drakonische Strafmaß. Ihm zufolge hatte sich Neuron der Gruppe nicht zwecks krimineller Handlungen angeschlossen und war auch nur in geringem Maße an den Hacks beteiligt. Rivera und Kretzinger hatten in Arizona an der gleichen Universität studiert. Dort lud Kretzinger seinen Kommilitonen zur Teilnahme an der Gruppe ein. Riveras Rechtsanwalt Jay Leiderman erklärte die hohe Strafe in einem Tweet damit, dass sein Mandant sich geweigert habe, gegen seine Mitstreiter auszusagen.

Mit der Verurteilung von Rivera sind mittlerweile fast alle ehemaligen LulzSec-Mitglieder verurteilt worden. Die britischen Mitglieder Ryan Ackroyd, Jake Davis, Mustafa Al-Bassam und Ryan Cleary wurden im Mai verurteilt. Al-Bassam bekam eine Bewährungsstrafe; Davis ist nach Anrechnung seiner Untersuchungshaft wieder auf freiem Fuß. Die irischen Ex-Mitglieder der Gruppe, Darren Martyn und Donncha O'Cearbhaill, standen Mitte Juli vor Gericht – hier steht ein endgültiges Urteil noch aus. Die Urteilsverkündung gegen den Informanten Monsegur wurde bereits mehrfach verschoben, zuletzt auf Ende August. (ghi)